Habitate unter der Mondoberfläche
Auf der 10. CSA-IAA-Konferenz über fortgeschrittene Raumfahrttechnologie im September 2023 wurde bereits das Konzept einer Mondbasis in Lavaröhren auf dem Mond vorgestellt. Über die dazugehörige Studie hat Golem.de bereits berichtet. Das Vorhaben im Video unterscheidet sich jedoch von der Studie.
Die chinesische Mondraumstation wird demnach dazu in der Lage sein, Raketensprengköpfe abzufeuern. Eine dieser Raketen soll ein Loch in den Mondboden jagen. Detailliertere Informationen zu diesem Vorhaben sind nicht bekannt.
Roboterfahrzeuge sollen im Anschluss die Oberfläche bereinigen und Felsbrocken entfernen. Auch im Inneren des Lochs werden Roboter Aufräumarbeiten vornehmen und die Höhle ausbauen.
Erst nach der Beendigung dieser Arbeiten wird eine große Mondlandefähre durch die Öffnung in der Monddecke in der künstlich erstellten Höhle landen. So präzise Landungen können heutige Landefähren bisher nicht durchführen. Es ist unklar, wann die CNSA und ihre Regierung diese Pläne in die Tat umsetzen wollen – oder ob es sich nur um ein Konzept handelt.
Von der Landefähre ausgehend, werden die notwendigen Außenstrukturen der Habitate im Inneren der Höhle errichtet. Alle nötigen Materialien sollen sich in dem Raumschiff befinden. Die Frage, inwieweit so viele Baumaterialien mitgeführt werden können, bleibt offen.
Von außen sollen die Roboter, die sich bereits in der Höhle befinden, beim Aufbau der Höhlenbasis auf dem Mond (lunar molten cave base) helfen. Dafür nutzen sie Steine aus dem 3D-Drucker, die mit den Rohstoffen auf dem Mond hergestellt wurden.
Die Errichtung einer Basis unter der Mondoberfläche bietet viele Vorteile. Zum einen sind die zukünftigen Mondbewohner von der gefährlichen und krebserregenden Weltraumstrahlung geschützt. Zudem können angenehme Raumtemperaturen für die Reisenden aufrechterhalten werden.
Die Basis ist zum größten Teil auch vor Meteoriteneinschlägen geschützt. Nur der Eingang und die Instrumente auf der Mondoberfläche wie beispielsweise die Teleskope, die Solarfarmen oder der Landeplatz für weitere Besatzung sind vor diesen Gefahren nicht abgeschirmt.
Menschen auf die Mondoberfläche bringen
Die gezeigte Landefähre für die Mondbesatzung unterscheidet sich von der Landefähre, die bis 2030 die ersten Chinesen auf der Mondoberfläche landen lassen soll. Auf dem neunten chinesischen kommerziellen Luft- und Raumfahrtforum (9. CCAF) in Wuhan wurden die Pläne von zwei Raketen vorgestellt.
Sie sollen ein Landegerät für die Mondoberfläche und ein bemanntes Raumschiff in eine Mondumlaufbahn bringen. Diese sollen in der Mondumlaufbahn aneinander andocken, bevor die ersten chinesischen Astronauten mit der Mondlandefähre auf der Oberfläche des Trabanten landen sollen. Derzeit wird dafür die Langer-Marsch-10-Trägerrakete entwickelt.
Aus dem aktuellen, mitgeschnittenen Filmmaterial geht hervor, dass auch dieses Landegerät nicht wiederverwendbar ist. Es besteht aus einem Abstiegs- und einem Aufstiegsmodul – ähnlich wie die von den Apollo-Astronauten verwendeten Mondlandefähren.
Ähnlich wie bei den Artemis-Missionen der Amerikaner ist der Mond auch für die Chinesen das Sprungbrett zum Mars. Zumindest wird dies am Ende des Videos mit einem Bild des roten Planeten und der Bildunterschrift "Extraterrestrische Erforschung. Wir sind noch auf dem Weg" angedeutet. China hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt angekündigt, bemannte Missionen zum Mars in den Jahren 2033, 2035, 2037, 2041 und darüber hinaus vorzunehmen. Derzeit sucht China noch nach internationalen Partnern für sein Mondprogramm.