Mond-Monopoly: Musks Wettlauf mit China um eine Mondstadt
Elon Musk hat kürzlich verkündet, dass sich sein Unternehmen SpaceX auf den Bau einer selbst wachsenden Stadt auf dem Mond fokussieren werde. Dieses Ziel könnte in weniger als zehn Jahren erreicht werden. Damit könnte der Milliardär mit der von China geplanten Internationalen Mondforschungsstation ILRS um einen geeigneten und erstklassigen Platz auf der Mondoberfläche konkurrieren(öffnet im neuen Fenster).
Die bevorstehenden robotischen Chang'e-Missionen sollen den Anstoß für die Errichtung der ILRS-Mondbasis geben, die nach der bisherigen Roadmap Pekings bis 2035 am Südpol des Trabanten fertiggestellt werden soll. Jedoch konnten weder China noch die USA bisher eine funktionierende Infrastruktur errichten, die für den Bau einer Mondstadt notwendig wäre.
Realitätscheck: Die gewaltigen Hürden einer Weltraum-Kolonie
Dennoch bietet eine Kolonie auf dem Mond einige Vorteile, die den bisherigen Zielen von SpaceX im Weg standen. Für die Errichtung einer Marsstadt wären Kosten, Entfernung und Gefahren viel höher. Deswegen sei es viel einfacher, die Ausbreitung des menschlichen Lebens auf dem Mond zu verfolgen, teilte Quentin Parker, Professor für Astrophysik an der Universität Hongkong, mit.
"Ich denke, Elon Musk realisiert, dass das Ausmaß seines Mars-Traums im Moment wahrscheinlich etwas zu ehrgeizig oder zu schwierig ist im Vergleich zur praktischen Realität dessen, was sein Unternehmen in den nächsten 10 bis 15 Jahren erreichen kann", so Parker. "Wenn du ein Problem oder einen Notfall hast, bist du nur noch ein paar Tage von der Erde entfernt. Auf dem Mars wärst du davon noch Monate entfernt."
SpaceX könnte eines seiner Starship-Raumschiffe theoretisch alle zehn Tage zum Mond schicken. Wogegen sich beim Mars das Startfenster nur alle 26 Monate öffnet. Allein das würde bereits den Bau einer Mondstadt deutlich beschleunigen.
Musk befürchtet, dass eine "natürliche oder menschengemachte Katastrophe" die Nachschubschiffe von der Erde stoppen könnte. Das wiederum könnte dazu führen, dass eine Marskolonie aussterben könnte, während eine Mondstadt in weniger als einem Jahrzehnt im Grunde selbsterhaltend sein könnte.
Warum Musks Visionen an der Infrastruktur scheitern könnten
Parker sieht das anders. Eine Stadt würde nach moderner Definition Zehntausende von Menschen benötigen, und das wäre selbst auf dem Mond in absehbarer Zeit unmöglich zu erreichen. "Selbst eine sehr bescheidene Stadt auf dem Mond erfordert zunächst eine kontinuierliche menschliche Besiedlung dort. Keine kurzen Missionen", sagte Parker.
Eine sich selbst vergrößernde Stadt sieht er damit als "knifflig" an. Sie würde massive Infrastruktur erfordern, darunter Lebensräume, Strom, ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem, recycelte Luft und Wasser, Nahrungsmittelproduktion, Bergbau, Materialverarbeitung und die Fähigkeit, Dinge auf dem Mond zu bauen.
Hinzu kommt das Risiko von Mikrometeoriteneinschlägen. Da der Mond keine nennenswerte Atmosphäre besitzt, würden Meteoriten nicht verglühen, sondern ungehindert auf die Mondoberfläche einschlagen. Deswegen könnte es notwendig sein, dass Lebensräume in natürlichen unterirdischen Tunneln, den Lavaröhren unter der Mondoberfläche, entstehen.
SpaceX vs. ILRS: Eine Mondstadt oder doch nur eine Basis?
Bisher haben weder die USA noch China oder private Unternehmen wie SpaceX demonstriert, dass sie eine funktionierende Mondinfrastruktur bereitstellen können, gibt Parker zu bedenken: "Ich denke, dass es auf dem Mond einen halb-permanenten, kleinen, vielleicht teilweise wiederverwendbaren Außenposten geben wird, in dem Menschen leben werden. Ich bin mir nicht sicher, wie einfach es wäre, eine selbst wachsende Stadt zu werden."
Solche Basen könnten sowohl von den Amerikanern als auch von den Chinesen bis Mitte der 2030er Jahre verwirklicht werden: China mit seinen ILRS-Plänen, die USA mit ihrem Artemis-Programm.
Das chinesische Unternehmen für Luft- und Raumfahrtwissenschaft und -technologie (China Aerospace Science and Technology, CASC) hatte im Januar angekündigt, die Entwicklung neuer Felder während des 15. Fünfjahresplanzeitraums für 2026-2030 zu fördern. Dazu gehört auch die Nutzbarkeit von Weltraumressourcen.
Die Ressourcen würden eine materielle Grundlage für die "wirtschaftliche Entwicklung des Erd-Mond-Raums und letztlich die Entwicklung von Ressourcen im gesamten Sonnensystem" bilden, teilte die CASC mit. Dazu gehören neben Sauerstoff und Wasser auch Helium-3, welches die Grundlage für die Kernfusion als saubere Energiequelle bilden könnte.
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