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Mond: Forschungsgruppe will das lunare Anthropozän ausrufen

Die kommerzielle Nutzung des Mondes wird vorangetrieben. Bereits jetzt finden sich über 200 Tonnen an Müll auf unserem Trabanten. Eine Forschungsgruppe fordert die nachhaltige Nutzung unseres Nachbarn.
/ Patrick Klapetz
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Dokumentation und Untersuchung des menschlichen Einflusses auf dem Mond (Bild: J.A. Holcomb, R.D. Mandel & K.W. Wegmann)
Dokumentation und Untersuchung des menschlichen Einflusses auf dem Mond Bild: J.A. Holcomb, R.D. Mandel & K.W. Wegmann

Für die Erde ist der Begriff des Anthropozäns bereits geläufig: Als "das Zeitalter, in dem der massive Einfluss des Menschen überall auf dem Planeten Erde nachweisbar ist" , beschreibt es die Max-Planck-Gesellschaft(öffnet im neuen Fenster) . Es geht um die messbaren globalen Auswirkungen in den geologischen Aufzeichnungen. Der Ausgangspunkt dafür liegt in den 1950er Jahren und den Folgen der Atomtests.

Ein Forschungsteam fordert(öffnet im neuen Fenster) , jetzt auch das lunare Anthropozän auszurufen. Das Team will damit die weitreichenden Zerstörungen im Weltraum verhindern, die von der Menschheit bereits auf der Erde angerichtet wurden. Es könnte somit sinnvoll sein, der geologischen Zeitskala des Mondes ein "lunares Anthropozän" hinzuzufügen. Denn bereits seit dem ersten Kontakt des Menschen mit der Mondoberfläche gibt es anthropogene Einflüsse.

Der industrielle Griff nach dem Mond

Und diese Einflüsse werden wahrscheinlich dramatisch zunehmen. "Das Wettrennen im Weltraum entwickelt sich zu einer Industrialisierung des Weltraums" , erklärt das kommerzielle Unternehmen Lunar Resources Registry(öffnet im neuen Fenster) . Es hat sich auf die Suche nach wertvollen Rohstoffen auf dem Mond spezialisiert und hilft Investoren bei der Durchführung der erforderlichen Erkundungs- und Abbauarbeiten.

Mittlerweile werden die Pläne für den Bergbau auf dem Mond immer konkreter. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa vermutet(öffnet im neuen Fenster) "Hunderte von Milliarden Dollar an unerschlossenen Ressourcen" auf dem Mond. Darunter sollen sich neben Wasser auch Helium-3 und Seltenerdmetalle (die in der Elektronik verwendet werden) befinden.

Zudem gehen Beamte der Nasa davon aus, dass der Mond bereits jetzt mit 227.000 Kilogramm menschlichem Müll übersät ist. Dieser Müll stammt größtenteils von der Erforschung des Weltraums. Neben gescheiterten und abgestürzten Landefähren gehören ebenso Flaggen, Golfbälle , Ausrüstungsgegenstände, Exkremente, Statuen, menschliche Asche, Mondbuggys und andere Objekte dazu.

Eine zunehmende Zahl von Mondmissionen und die Gewinnung von Rohstoffen auf dem Mond könnte verheerende Einflüsse auf unseren Trabanten haben. Mit ihrem Aufsatz möchten die Wissenschaftler gezielt schocken und die zukünftigen Weltraumunternehmen für eine nachhaltige Nutzung des Mondes, aber auch der erdnahen Umlaufbahn sensibilisieren.

Zur Studie

Der Kommentar wurde am 8. Dezember 2023 in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht: The case for a lunar anthropocene(öffnet im neuen Fenster) (Das Argument für ein lunares Anthropozän).


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