Abo
  • IT-Karriere:

Hardware gut, Software schlecht

Die zweite eingesetzte Technologie beim Franklin ist ebenfalls leicht gewöhnungsbedürftig. Schalten wir den Hinterrad-Nabenmotor dazu, fährt sich das Pedelec sehr sportlich, es schiebt förmlich bis zu dem Punkt, an dem wir denken: "Hochstarter!" Es braucht nicht einmal eine halbe Umdrehung, bis der Motor anspringt - und der Turbomodus verdient seinen Namen definitiv. Bei den ersten Fahrten bekommen wir regelrecht einen Schreck und treten am Scheitelpunkt von Kurven nicht mehr zu, weil wir das Gefühl haben, die Unterstützung könnte uns auf die Gegenfahrbahn befördern.

Stellenmarkt
  1. Allianz Partners Deutschland GmbH, Aschheim bei München
  2. INTER CONTROL Hermann Köhler Elektrik GmbH & Co. KG, Nürnberg

Trotzdem: Wir können im Sand beim Anfahren das Hinterrad nicht zum Durchdrehen bringen. Der Schwerpunkt des Pedelecs ist spürbar ganz weit hinten, aber es hat eine sehr stabile Straßenlage. Dank Federgabel und aufrechtem Sitz kommen wir super über Kopfsteinpflaster, ziehen über Unebenheiten hinweg und können problemlos auch auf Waldwegen fahren. Die breiten Reifen erreichen ein sehr gutmütiges Fahrverhalten. Wir sind im Testzeitraum ungefähr 300 Kilometer gefahren und waren meist in der Stadt unterwegs - dafür und für ausgedehnte Touren ins Umland mit Abstechern über Feld und Wiese können wir das Franklin empfehlen. Den Cyfly-Antrieb nehmen wir bei der Motorunterstützung kaum mehr wahr; dass er die Reichweite des Pedelecs nennenswert vergrößert, halten wir für unwahrscheinlich.

Der Motor schiebt uns in die Kurve

Der Nabenmotor im Hinterrad ist ein Neodrives Z20 und bringt bei bis zu 250 Watt bis 40 Newtonmeter Unterstützung. Das fühlt sich manchmal wenig organisch an, besonders wenn man an Mittelmotoren gewöhnt ist. Tritt man nicht wirklich im Takt, schiebt er in Intervallen - das spüren wir besonders im Turbomodus. Bei ausgeschaltetem Motor merken wir keinerlei Widerstand, im eingeschalteten Zustand ist er außerdem angenehm leise. Die Reichweite ist für uns mit über 60 km im Turbomodus mehr als ausreichend, im Eco-Modus sind nach Herstellerangaben bis zu 145 km Fahrt möglich, was wir für realistisch halten. Der Akku hat 612 Wattstunden Kapazität, er ist außen am Rahmen angebracht und kann problemlos abgenommen werden.

Als Pluspunkt würden wir hier gern die zweistufige Rekuperation anführen - wenn wir sie hätten nutzen können. Das Franklin kann nämlich Energie in den Akku zurückspeisen, zum Beispiel wenn man eine Steigung hinunterfährt. Allerdings ist es uns nicht gelungen, auch nur einen einzigen Prozentpunkt aufzuladen. Das Pedelec wird bei eingeschalteter Rekuperation derart schwergängig, dass wir im Brandenburger Flachland auch auf steileren, längeren Hügelabfahrten einfach stehenbleiben. Wenn wir ordentlich zutreten, kommen wir zwar weiter, aber selbst nach zwei oder drei Kilometern tut sich nichts auf der Akkustandanzeige.

  • Der Bordcomputer von Neodrives ist gut ablesbar, hat aber ein unübersichtliches Layout. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links lässt sich die Motorunterstützung dosieren. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Schaltung ist eine Shimano XT. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Federgabel bringt Fahrkomfort. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Brems- und Gangschaltungzüge verlaufen im Rahmen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Nabenmotor von Neodrives gibt mitunter etwas unregelmäßig Schub, ist aber mit bis zu 40 nm (250 Watt) Unterstützung kräftig. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Cyfly-Antrieb soll die Hebelwirkung um bis zu 30% erhöhen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Prinzipbedingt befinden sich alle Ritzel hinten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Akku ist mit 612 Wh großzügig dimensioniert - passt aber optisch nicht zum schlanken Rahmen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Bordcomputer ist abnehmbar, ließ sich in unserem Test jedoch nicht mit dem Smartphone koppeln. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Franklin E-Fly Kompfort macht in der Stadt und im Gelände eine gute Figur. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Rahmen wurde in Tschechien gefertigt und ist aus 7020-Aluminium. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Beleuchtung kommt von Busch & Müller. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der Bordcomputer von Neodrives ist gut ablesbar, hat aber ein unübersichtliches Layout. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Apropos Anzeige: Der Bordcomputer von Neodrives kann uns nicht überzeugen. Er ist mit seinem abnehmbaren 2-Zoll-Touchdisplay zwar eigentlich in jeder Lichtsituation gut lesbar und verfügt auch über sinnvolle Tasten - aber die Aufteilung der dargestellten Informationen stellt selbst Menschen mit guten Augen mitunter vor Probleme. Einige Infos wie die aktuelle Geschwindigkeit sind sehr präsent, andere wie die Anzeige des Unterstützungsmodus hingegen winzig klein.

Fehlende App und Akkuratesse

Die Restreichweitenschätzung ist bei uns ganz offensichtlich fehlerhaft implementiert, das Display zeigt viel zu niedrige Werte an. Bei fast 50 Prozent Ladung prophezeit uns der Bordcomputer, dass nur noch 26 bis 27 km Reichweite übrig seien, dieser Wert ändert sich auch nicht. In Wirklichkeit fahren wir noch über 30 km und haben trotzdem ordentlich Ladung übrig. Stellen wir auf die Akkuanzeige in Prozent um, stimmen die Werte hingegen.

Frustrierend finden wir, dass trotz versprochener App-Unterstützung keine Kopplung mit unseren Smartphones unter Android möglich ist.

AntriebMöve cyfly, Neodrives Z20
SchaltungShimano XT 11-Gang, 11 - 42 Zähne
BremsenShimano Deore XT BR-T8000
FedergabelRockShox Paragon Gold TH SA 2
Sattel und GriffeErgon ST Core Prime Men, Ergon GP1-L
LichtB+M EYC E, B+M toplight Mini Plus
BereifungContinental Top Contact II
MotorNeodrives Z 20 Heckmotor (25 km/h), 250 Watt Nennleistung (max. 650 Watt), Spitzendrehmoment 40 Nm
Akku35 V, 612 Wh, Reichweite bis zu 145 km
Display2-Zoll-TFT-Touchscreen
Rahmen7020-Aluminium, 3 Größen
Farbenmatt schwarz, matt weiß; mit Möve-Gefieder-Airbrush-Signatur
Spezifikationen Möwe Franklin E-Fly Komfort

Die sonstige Ausstattung des Möve-Pedelecs von der Shimano Deore XT BR-T8000 Bremse über Rockshox Paragon Gold TH SA 2 Federgabeln bis hin zu den Griffen und dem Sattel von Ergon gefällt uns sehr gut, auch der in Europa gefertigte Alurahmen überzeugt uns - allerdings leidet der coole schwarze Look unter dem angeflanschten Akku. Die Shimano XT 11-Gang-Schaltung ist gut, aber das Rad klackert für unsere Ohren recht laut im Leerlauf, und wir vermissen eine Anzeige des aktuellen Ganges am Schalthebel. Alle Ritzel befinden sich am Hinterrad, weil sich das Kettenblatt wegen seiner ovalen Form nicht für eine Schaltung eignet. Auch einen klassischen Gepäckträger hätten wir gegenüber dem Taschenhalter bevorzugt.

Trotz aller kleinen Kritikpunkte: Wir hatten eine schöne Woche mit dem Franklin E-Fly Komfort und trennten uns nur ungern von ihm. Im Vergleich zum von uns getesteten HNF-Nicolai SD1 Urban ist das Franklin wesentlich vielseitiger einsetzbar und komfortabler - es macht seinem Namen also alle Ehre. Einen Kauf empfehlen wir aber eher nicht.

 Möve Franklin E-Fly Komfort im Test: Ein nicht ganz rundes PedelecVerfügbarkeit und Fazit 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. 64,90€ (Bestpreis!)
  3. mit Gutschein: NBBX570

stq66 11. Sep 2019 / Themenstart

Wenn ich mir MarkusK's Kosten so anschaue, dann bin ich mit dem Motorrad auch nicht viel...

Olliar 27. Aug 2019 / Themenstart

"Als Pluspunkt würden wir hier gern die zweistufige Rekuperation anführen - wenn wir sie...

Olliar 27. Aug 2019 / Themenstart

Diese 30% mehr Drehmoment "bezahlst" Du mit 30% mehr Weg. D.h. Du wirst nicht einem...

Olliar 27. Aug 2019 / Themenstart

"Die Besonderheit des Cyfly genannten Antriebes besteht in ebenjenem ovalen Kettenblatt...

Olliar 27. Aug 2019 / Themenstart

Da sind die stolz drauf? Etwas von 6 Bauteilen auf 100 zu verkomplizieren? Oje https...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


iOS 13 ausprobiert

Apple hat iOS 13 offiziell vorgestellt. Die neue Version des mobilen Betriebssystems bringt unter anderem den Dark Mode sowie zahlreiche Verbesserungen einzelner Apps.

iOS 13 ausprobiert Video aufrufen
WLAN-Kameras ausgeknipst: Wer hat die Winkekatze geklaut?
WLAN-Kameras ausgeknipst
Wer hat die Winkekatze geklaut?

Weg ist die Winkekatze - und keine unserer vier Überwachungskameras hat den Dieb gesehen. Denn WLAN-Cams von Abus, Nest, Yi Technology und Arlo lassen sich ganz einfach ausschalten.
Von Moritz Tremmel

  1. Wi-Fi 6 Router und Clients für den neuen WLAN-Standard
  2. Wi-Fi 6 und 802.11ax Was bringt der neue WLAN-Standard?
  3. Brandenburg Vodafone errichtet 1.200 kostenlose WLAN-Hotspots

Minecraft Earth angespielt: Die Invasion der Klötzchen
Minecraft Earth angespielt
Die Invasion der Klötzchen

Kämpfe mit Skeletten im Stadtpark, Begegnungen mit Schweinchen im Einkaufszentrum: Golem.de hat Minecraft Earth ausprobiert. Trotz Sammelaspekten hat das AR-Spiel ein ganz anderes Konzept als Pokémon Go - aber spannend ist es ebenfalls.
Von Peter Steinlechner

  1. Microsoft Minecraft hat 112 Millionen Spieler im Monat
  2. Machine Learning Facebooks KI-Assistent hilft beim Bau von Minecraft-Werken
  3. Nvidia Minecraft bekommt Raytracing statt Super-Duper-Grafik

Gemini Man: Überflüssiges Klonexperiment
Gemini Man
Überflüssiges Klonexperiment

Am 3. Oktober kommt mit Gemini Man ein ambitioniertes Projekt in die deutschen Kinos: Mit HFR-Projektion in 60 Bildern pro Sekunde und Will Smith, der gegen sein digital verjüngtes Ebenbild kämpft, betreibt der Actionfilm technisch viel Aufwand. Das Seherlebnis ist jedoch bestenfalls komisch.
Von Daniel Pook

  1. Filmkritik Apollo 11 Echte Mondlandung als packende Kinozeitreise

    •  /