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Mods für Display, Akku, Knöpfe: Wir machen unseren alten Game Boy hübsch

In Zeiten von Smartphones hat der Game Boy an Strahlkraft verloren. Können wir ihm ein wenig davon zurückgeben? Vom IPS-Display bis zum Akku: die wichtigsten Fertig-Mods.
/ Andrea Maurer
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Modden lohnt sich, vor allem beim Game Boy. (Bild: Andrea Maurer)
Modden lohnt sich, vor allem beim Game Boy. Bild: Andrea Maurer

Ein Steuerkreuz, vier Knöpfe, eine 8-Bit-CPU mit 4,19 MHz, 8 KB RAM und ein Monochrom-Display mit 160 x 144 Pixeln: Das war Nintendos erster Game Boy aus dem Jahr 1989. Verglichen mit aktuellen Smartphones klingt die Hardware des Game Boy bescheiden, das Zocken darauf hat trotzdem jede Menge Spaß gemacht.

Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich als Kind stunden-, tage- und wochenlang Pokemon auf dem Game Boy gespielt habe. Erst auf dem Classic, später auf dem Game Boy Color.

Auch heute macht es noch Spaß – wobei man in Smartphone-Zeiten doch verwöhnt ist vom leuchtend-strahlend hochauflösenden Display in einem geschmeidigen, dünnen (möglicherweise Metall-)Gehäuse. Man erschrickt fast, wenn man den nach heutigen Maßstäben klobigen Game Boy aus der Retrokiste hervorholt, der vielleicht schon deutlich vergilbt ist.

Beim Einschalten der nächste Schreck: Nicht mal eine Beleuchtung hat das Pixel-Display! Darauf bei wenig Licht oder direkter Sonneneinstrahlung noch etwas zu erkennen, ist quasi unmöglich.

Zwar gab es in Japan den Game Boy Light mit Displaybeleuchtung. Wer damals aber nicht gerade nach Fernost düsen konnte, musste sich mit Anstecklampen zufriedengeben, die das Display ungleichmäßig mit Licht bestrahlten, oder mit dem klobigen Beleuchtungsaufsatz namens Game Light. Und dann brauchte der Game Boy noch Batterien, die gefühlt schon leer waren, kurz nachdem man sie eingesetzt hatte.

So stellte sich mir und offenbar auch vielen anderen die Frage: Ist dem Konsolen-Greis noch zu helfen? Ein Blick ins Netz offenbart das Ausmaß an Modding, das für Nintendos Retro-Konsole betrieben wird: Metallgehäuse, eine Beleuchtung für Tasten und Display oder gleich ein IPS-Display, ein Akku und noch mehr.

Dank technischer Expertise von Retro-Enthusiasten wie bei Retrosix, Funnyplaying, Bennvenn und Boxypixel sind die Game-Boy-Upgrades in Serie gefertigt und einbaufertig zu kaufen, so dass man selbst kein Ingenieurswissen benötigt, um den Game Boy optisch und technisch aufzufrischen.

Begrenzung auf ältere Game-Boy-Modelle und Disclaimer

Wir legen den Fokus auf den allerersten Game Boy, den Game Boy Classic von 1989, gehen aber auch auf den verbesserten Game Boy Pocket (1996), den ersten Game Boy mit Farbdisplay Game Boy Color (1998) und den grundsätzlich überarbeiteten und mit einem 32-Bit-Prozessor ausgestatteten Game Boy Advance (2001) ein. Der Einbau und die Verfügbarkeit von Fertig-Mods ist bei allen vier Modellen ähnlich.

Auch für die später erschienenen Game Boy Advance SP und Game Boy Micro, die geistigen Game-Boy-Nachfolger Nintendo DS, 3DS und Derivate sowie die Switch gibt es Mods, die wir hier aber nicht behandeln.

Alle Fertig-Mods oder Ersatzteile, auf die wir uns beziehen, sind von Drittherstellern. Es handelt sich nicht um Originalteile von Nintendo. Nintendo und Game Boy sind eingetragene Markenzeichen von Nintendo und werden in unserem Artikel nur aus Gründen der Nachvollziehbarkeit zur Beschreibung der Mods verwendet.

Das Modding erfolgt auf eigene Gefahr. Bei der Benutzung von Maschinen, Werkzeug und potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen wie hochprozentigem Alkohol und Epoxidharz sollten Benutzungsanweisungen und Sicherheitsdatenblätter der Hersteller beachtet werden, um Verletzungen und Schäden vorzubeugen.

Vorbereitungen und Werkzeug

Unabhängig von den Mods, die man verbauen möchte, empfiehlt es sich, den Game Boy einmal komplett zu zerlegen und zu reinigen. Nicht jeder Game Boy hat das Glück, von Anfang an ein Sammlerstück mit Vitrinen-Vollpension zu sein, so dass ein Gerät während seiner gut 20 Jahre oder mehr schon einiges an Staub, Schmutz und möglicherweise Getränken abbekommen hat.

Da schadet eine Grundreinigung nicht. Außerdem stellt die Demontage eine gute Gelegenheit dar, das Innenleben des Game Boy kennenzulernen, und einen guten Ausgangspunkt für den Einbau sämtlicher Mods. Game Boys sind modular und nachvollziehbar aufgebaut und bestehen nur aus wenigen Einzelbauteilen. Auch auf Klebe- oder Hakenelemente hat Nintendo weitgehend verzichtet, so dass die Ursprungs-Game-Boys sehr wartungsfreundlich sind.

Demontage und Wiederzusammenbau sind somit im Regelfall ohne große Probleme und Schäden zu bewerkstelligen. Wir zeigen die Demontage exemplarisch am Game Boy Classic, der noch aus etwas mehr Einzelbauteilen besteht als die drei Nachfolgemodelle Pocket, Color und Advance und somit etwas komplizierter in der Demontage und im Wiederzusammenbau ist.

Damit Demontage und Reinigung gut funktionieren, sollten bereitstehen:

  • Schraubendreher Tri-Wing Y00
  • Schraubendreher PH0, also ein kleiner, normaler einfacher Kreuzschlitz
  • Pinsel mit antistatischen Borsten
  • hochprozentiger Alkohol, zum Beispiel Isopropanol
  • einige Wattestäbchen
  • zwei Mikrofasertücher, Wasser und Spülmittel
  • ein Schaber, ein Cutter- oder altes Küchenmesser
  • Spatel (sog. Spudger)
  • Reparaturunterlage, zum Beispiel Schneideunterlage, Silikonmatte, altes Stück Kunstofffußboden oder Ähnliches
  • gegebenenfalls Präzisionspinzette, Seitenschneider und doppelseitiges Klebeband

Der Tri-Wing-Schraubendreher ist gewissermaßen ein Exot und daher möglicherweise im heimischen Werkzeugkasten noch nicht vorhanden. Zu finden ist er im Internet oder gut sortierten Elektronikfachgeschäft.

Bei manchen Mods ist ein Lötkolben mit feiner Lötspitze und Lötzinn erforderlich; hilfreich sind eine "dritte Hand" und eine Entlötpumpe. Elektrisches Rotationswerkzeug zum Fräsen und Schleifen sowie Polyimid-Klebeband.

Teardown Game Boy Classic

In die Einzelteile zerlegt, sieht der Game Boy Classic wie im Bild unten aus.

Demontage – Schritt für Schritt

1. Game Boy auf die Rückseite drehen und Tri-Wing-Schrauben lösen. Deckel des Batteriefachs entfernen, darunter befinden sich weitere Tri-Wing-Schrauben.

2. Gehäusevorderseite vorsichtig von der Rückseite abheben und aufklappen. Darunter befindet sich ein Flachbandkabel, das das Display mit der Hauptplatine verbindet. Das Flachbandkabel durch Ziehen am Anschluss der Hauptplatine lösen.

3. Hauptplatine und Audio-Platine durch Lösen der Kreuzschlitzschrauben von der Gehäuserückseite abschrauben und vorsichtig hochheben – achtgeben, dass die Verbindungskabel von Audio-Board und der unter der Hauptplatine befindlichen Spannungsreglerplatine (Power Regulator) unversehrt bleiben. Die Kabel sind grundsätzlich stabil und reißen bei etwas Zug nicht ab, nur stark dran ziehen sollte man nicht.

4. I/O-Platine mit dem Display durch Lösen der Kreuzschlitzschrauben von der Gehäusevorderseite abschrauben (es sind eins, zwei, drei ... echt viele Schrauben zu lösen) und vorsichtig abheben. Der Lautsprecher des Game Boy ist an der Platine angelötet. Das Display kann gegebenenfalls an der Scheibe haften, so dass sich die I/O-Platine nicht sofort vom Gehäuse löst. In diesem Fall die Platine vorsichtig hin- und herruckeln.

5. Silikonpads und Knöpfe von der Gehäusevorderseite abnehmen. Ein- und Aus-Schalter von der Gehäuserückseite entfernen. Steuerkreuz sowie A- und B-Knopf haben jeweils ein separates Silikonpad. Start- und Select-Knopf sind Knopf- und Silikonpad in einem. Insgesamt gibt es also vier Silikonpads, ein Steuerkreuz und zwei Hartplastikknöpfe sowie den Knopf für den Ein-/Aus-Schalter. Es kann passieren, dass einzelne Pads an der I/O-Platine haften. Daher auch dort nachsehen, sollten Pads fehlen.

6. Möchte man die Scheibe des Game Boy später ersetzen oder gründlich reinigen, kann man sie entfernen, wie im vorherigen Teardown beschrieben. Auf einen Saugnapf zum Abheben der Scheibe kann man verzichten. Der Kleber ist in der Regel bereits so spröde, dass ein vorsichtiger, aber bestimmter Fingerdruck von der Innenseite des vorderen Gehäuseteils gegen die Scheibe ausreicht, um sie ohne Beschädigungen vom Gehäuse abzulösen; gegebenenfalls mit hochprozentigem Alkohol und vorsichtig mit einem Spudger nachhelfen.

Beim Game Boy Color, Pocket und Advance funktioniert die Demontage ähnlich. Wichtigste Unterschiede: Es gibt nur noch eine Platine, das Flachbandkabel ist am Ende der Platine mit einem Klemmmechanismus im Anschluss gesichert (zum Lösen links und rechts die Hebelchen am Anschluss nach vorne schieben) und das Display ist mit der Gehäusevorderseite verklebt (zum Lösen vorsichtig mit Spudger heraushebeln, gegebenenfalls Kleber mit hochprozentigem Alkohol aufweichen).

Soll nur die Scheibe, nicht aber das Display entfernt werden, sollte die Scheibe unter Zuhilfenahme eines Spudgers und gegebenenfalls eines Saugnapfes und einiger Tropfen Alkohol von außen vorsichtig herausgehebelt werden. In Sachen Knöpfe beziehungsweise Gehäuseteile gibt es beim Game Boy Color zusätzlich die Infrarotabdeckung sowie beim Advance die zwei Schultertasten sowie zwei Gehäuseseitenteile.

Jetzt wird gereinigt

Gehäuseteile innen und außen sowie Knöpfe und Silikonpads sollten mit einem feuchten Mikrofasertuch (Wasser mit etwas Spülmittel) gereinigt werden. Fest haftenden Schmutz gegebenenfalls vorsichtig mit einem Messer abtragen. Enge Stellen werden am besten mit einem Mikrofasertuch auf Messer- oder Spudgerspitze aufgelegt gereinigt.

Kontaktflächen der Knöpfe am I/O-Board und Cartridge Reader sollten mit einem alkoholgetränkten Wattestäbchen gereinigt, Platinen gegebenenfalls feucht mit einem gut ausgewrungenen Mikrofasertuch sachte abgewischt werden.

Kleberreste von Scheibe und Scheibenkontaktfläche am Gehäuse am besten mit Alkohol und Schaber oder Messer abtragen. Mit einem sauberen, feuchten Mikrofasertuch über das Display sowie die Vorder- und Rückseite der Scheibe wischen und mit einem trockenen Mikrofasertuch sofort nachwischen, damit keine Schlieren entstehen. Alles gut trocknen lassen.

Basic-Mods: Gehäuse, Scheibe, Knöpfe, Pads

Nun aber zu den Mods: Vergilbte Gehäuse, das betrifft in erster Linie den Game Boy Classic in Weiß, lassen sich beispielsweise mit Wasserstoffperoxid entgilben (Retrobright-Verfahren). Andere schwören darauf, vergilbte Gehäuse einem mehrstündigen Sonnenbad an der frischen Luft zu unterziehen.

Ganz unkritisch ist das nicht: Solche Verfahren können den Alterungsprozess des Kunststoffs beschleunigen. Beim Umgang mit Wasserstoffperoxid ist zudem Vorsicht geboten. Außerdem schützen die Verfahren nicht vor erneuter Vergilbung.

Damit die Vergilbung überdeckt wird, kann man dem Game-Boy-Gehäuse eine farbige Lackierung verpassen. Eine andere Möglichkeit ist der komplette Austausch des Game Boy-Gehäuses. Das Originalgehäuse kann im Ursprungszustand aufbewahrt werden.

Diese Variante empfiehlt sich, wenn das Gehäuse stark beschädigt ist. Im Internet gibt es diverse Ersatzgehäuse in verschiedenen Farben und Designs, teilweise auch zum selbst Gestalten, zum Beispiel bei Retrosix.

Die günstigsten Gehäuse im Netz fangen bei circa zehn Euro an. Nicht gerade günstig, aber schick sind Metallgehäuse, sie gibt es ab circa 76 US-Dollar bei Boxypixel für ein Vollgehäuse für den Game Boy Color. Wer Zugang zu einer Fräsmaschine oder einem 3D-Drucker und viel Zeit hat, kann sich an der Erstellung eines neuen Gehäuses versuchen.

Wem klar ist, dass der Game Boy nicht nur mit einem neuen Gehäuse, sondern auch mit einem IPS-Display ausgestattet wird, sollte sich gleich ein Gehäuse zulegen, in das das neue, etwas größere Display passt. Die Hersteller kennzeichnen solche Gehäuse zum Beispiel mit IPS ready. So spart man sich späteres Zurechtfräsen oder -schneiden des Gehäuses.

Auch für Knöpfe und die Pads gibt es im Internet reichlich Auswahl, preislich liegen sie bei wenigen Euro. Die Pads der Game-Boy-Knöpfe sollten spätestens ausgetauscht werden, wenn die originalen Pads abnutzungsbedingt Risse aufweisen. Durch Risse in den Pads verteilt sich der Tastendruck nicht mehr optimal auf die Kontakte, wodurch möglicherweise die Knöpfe schlecht reagieren.

Wer es individuell mag und vor etwas Bastelei nicht zurückschreckt, kann aus Zweikomponenten-Flüssigsilikon Negativformen der originalen A- und B-Knöpfe sowie des Steuerkreuzes herstellen und anschließend mit Zweikomponenten-Epoxidharz eigene Knöpfe aus den Silikonformen gießen.

Epoxidharz lässt sich mit speziellen Farben und Pulvern mischen, so dass Kreationen in sämtlichen Farben und Effekten denkbar sind, zum Beispiel Metallic- oder Leuchten-im-Dunkeln-Effekte. Bei der Verarbeitung von Epoxidharz sollten unbedingt dichte Gummihandschuhe und Filtermaske getragen sowie eine gute Belüftung sichergestellt werden. Bei unsachgemäßer Verwendung kann Epoxidharz stark gesundheitsschädlich sein, mit Langzeitfolgen. Im ausgehärteten Zustand ist handelsübliches Epoxidharz unbedenklich.

Letzter äußerlicher Modding-Punkt ist die Scheibe, die das Display schützt. Die Originalscheiben der Game Boys sind aus Kunststoff und anfällig für störende Kratzer. Eine neue, kratzerfreie Scheibe macht die Sicht aufs Display wieder klarer.

Wer Kratzern in Zukunft vorbeugen und eine besonders klare Sicht auf das Display haben möchte, kann zu einer Glasscheibe greifen. Allerdings gehen Glasscheiben bei Stürzen, härteren Stößen oder mechanischem Druck im schlimmsten Fall kaputt, inklusive Glassplittern. Diese sind daher für die meisten Kinder sowie tollpatschige Erwachsene eher nicht geeignet.

Die Scheiben sind mit Normalrand für Original- oder identisch große Displays erhältlich, mit einem schmaleren Rand für die häufig etwas größeren IPS-Displays und einem breiteren Rand für Displays, die etwas kleiner ausfallen als das Originaldisplay.

Selbstverständlich kann man auch immer Scheiben mit schmaleren Rändern nehmen, als das Display bräuchte. Man sieht dann jedoch möglicherweise den Displayrand und einen Teil des Gehäuses durch die Scheibe, was unschön aussehen kann.

Eine Kunststoffscheibe startet bei circa fünf Euro. Die Scheiben aus Glas kosten um die acht Euro.

Die meisten Scheiben sind selbstklebend, nachdem man die Schutzfolie abgezogen hat. Falls nicht, oder wenn die gereinigte Originalscheibe wieder verbaut werden soll, macht doppelseitiges Klebeband oder Klebeband für Smartphone-Displays einen prima Job – natürlich nur unter den Scheibenrändern und nicht im Displaysichtbereich der Scheibe.

Bei der Montage der Scheibe sollte man darauf achten, dass sich auf Scheibe und Display keine Fingerabdrücke, kein Staub oder Schmutz befinden. Das Display also gegebenenfalls noch mal mit Mikrofasertuch reinigen/Staub abwedeln, dann die neue Scheibe sofort nach Abziehen der Schutzfolie verkleben.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit kann die nervigen Staubpartikel und Fussel etwas an ihrer Ausbreitung hindern. Trotz aller Sorgfalt lassen sie sich jedoch meistens nicht ganz vermeiden – wer arbeitet zu Hause schon im Schutzanzug und Reinraum?

Glücklicherweise fallen Mini-Staubkörner beim Spielen meistens gar nicht auf. Wer ein anderes als das Original-Display im Game Boy verbauen möchte, sollte mit dem Einkleben der Scheibe noch warten, bis das neue Display richtig funktioniert und sitzt.

Display-Mods: Beleuchtung nachrüsten oder IPS

Eines der Mankos des Game Boy dürfte die fehlende Beleuchtung des Displays sein. Abgesehen von dem nur in Japan erhältlichen Game Boy Light hatte erst der Game Boy Advance SP eine Displaybeleuchtung.

Glücklicherweise lässt sich eine Displaybeleuchtung nachrüsten: Für den Game Boy Classic und Pocket gibt es den sogenannten Backlight-Mod.

Der heißt nicht von ungefähr so. Vom Originaldisplay des Classic oder Pocket wird mit einer scharfen Klinge die Rückwand abgetrennt und eine Leuchtplatte mit LED mit Polarisationsfolie hinter dem Display platziert.

Zur Stromversorgung wird die Leuchtplatte mit den beiden Kabeln und einem Widerstand an entsprechenden Kontakten am I/O-Board angelötet. Eine gute und bebilderte Anleitung gibt es etwa bei Retroreiz(öffnet im neuen Fenster) .

Eine interessante, detaillierte technischere Anleitung gibt es bei Circuit Board(öffnet im neuen Fenster) . Entsprechende Kits für den Backlight-Mod kosten circa acht Euro.

Wer noch einen Bivert Mod gegen das Blaulicht des Displays durch den Backlight-Mod mitverlöten will, kommt insgesamt auf 15 bis 20 Euro. Für den Game Boy Color und Game Boy Advance gibt es den Frontlight-Mod.

Hierbei wird eine transparente Leuchtplatte auf das Originaldisplay aufgebracht. Die Stromversorgung funktioniert wie beim Backlight-Mod über Anlöten der beiden Kabel der Leuchtplatte an entsprechenden Stellen auf der Game-Boy-Platine. Für den Game Boy Color ist ein Frontlight ab rund elf Euro zu haben, beim Advance muss man eher mit 20 Euro oder mehr rechnen.

Zusätzlich gibt es im Netz diverse Angebote für LCD- und IPS-Displays für Game Boy Classic, Pocket, Color und Advance. Diese kommen komplett fertig – um die Beleuchtung muss man sich hier nicht kümmern, sie ist standardmäßig vorhanden.

Es ist, wie einen PC-Monitor zu kaufen – nur wesentlich kleiner. Ein Teil der Displays kommt mit Kupfertastern, die innen ins Gehäuse geklebt werden und mit einem Fingerdruck die Helligkeitsstufe sowie den Farbfilter des Displays verändern.

Die sogenannten Q5-Displays kommen mit einem OSD-Menü, das über die Game-Boy-Knöpfe beziehungsweise den Kontrastregler Helligkeit, Farben und die Ausrichtung des Displaybereichs konfigurierbar macht.

Zur Montage müssen die Displays im Prinzip nur noch an der Stelle des Originaldfisplays mit doppelseitigem Klebeband befestigt, mit ihrer Steuerplatine verbunden und abschließend mit dem Flachbandkabel an der Game-Boy-Platine angeschlossen werden. Mit der Einschränkung "im Prinzip" deshalb, weil die meisten der modernen Austauschdisplays für den Game Boy größer ausfallen als die Originale.

Wer kein IPS-ready Game-Boy-Gehäuse kauft, muss das Originalgehäuse noch mit einem Seitenschneider, Cutter oder Fräse zurechtstutzen, damit das neue Display Platz hat. Was genau weg muss, ist meistens auf den Produktseiten der Displays illustriert.

Je nach Display und Funktionalität müssen teilweise noch Kabel an entsprechende Stellen am Game Boy angelötet werden (ebenfalls auf Produktseiten dokumentiert), zum Beispiel bei den Q5-Displays, mit Ausnahme der Variante für den Classic. Bei anderen Displays können es anzulötende Kabel für die Stromversorgung des Displays oder die Helligkeits- und Farbregulierung sein.

Während beim Game Boy Classic für ein IPS-Display nur moderate Schnipseleien vorgenommen werden müssen, fällt das Schneiden und Fräsen bei einigen IPS-Display-Mods für den Game Boy Color am extremsten aus.

Der Game Boy Classic ist auch beim Display-Mod wieder ein Sonderfall: Hier wird das komplette Original-I/O-Board durch ein neues Board ersetzt. Keine Sorge: Das Board ist wie das Originalboard aufgebaut, etwa mit Kontakten für Steuerkreuz und die Knöpfe, so dass der Game Boy nach dem Displaywechsel wie gehabt funktioniert.

Lediglich der Lautsprecher muss von der bisherigen Platine auf die neue umgelötet werden.

Alternativ kann man für wenige Euro im Netz einen neuen Lautsprecher für den Game Boy kaufen und ihn einlöten. Über den Regler am neuen Board, der an der Stelle des ehemaligen Kontrastreglers sitzt, lässt sich die Helligkeit des Displays regeln und das OSD-Menü bedienen, ohne dass das Verlöten von Kabeln mit dem Game Boy nötig ist.

Gerade für den Game Boy Classic ist der Display-Mod daher sehr zu empfehlen, wenn man mehr Geld ausgeben kann: LCD- und IPS-Displays kosten circa 45 bis 90 Euro. Qualitativ gut, soweit ich das beurteilen kann, sind etwa die Displays von Funnyplaying oder Bennvenn, aber auch die No-Name-Displays von eBay und Co. sind in Ordnung.

Zum Schluss noch die Displayscheibe auf das Game-Boy-Gehäuse aufkleben – möglichst unter Ausschluss von Fingerabdrücken, Schmutz und Staubkörnern – und fertig ist der Display-Mod. Seit einiger Zeit gibt es für den Game Boy Pocket, Color und Advance sogenannte Laminated Displays, bei denen die Displayscheibe ab Werk mit dem Display verklebt ist, so dass man sich beim Einbau keine Gedanken über lästige Verschmutzungen zwischen Scheibe und Display machen muss.

Noch zwei Tipps in Sachen Display-Mods:

1. Display vor Einbau testen. Wenn es erst mal eingeklebt ist, bekommt man es nur noch schwer raus.

2. Die Steuerung des Displays verklebt man idealerweise mit einem Polyimid-Klebeband auf der Rückseite des Displays. Es haftet gut und ist isolierend und hitzebeständig.

Normales Klebeband tut es zur Not auch.

IPS vs. Back-/Frontlight-Mod: Beides hat Vorteile
IPS-Display Back-/Frontlight-Mod
sehr klares und blickwinkelstabiles Bild originales Retrobild mitunverwechselbarem Pixelcharme hellausgeleuchtet
kein „Basteln“ beim Einbau kleines Bastelprojekt beim Einbau
je nach Display-Mod-Kit wesentlich preisgünstiger als IPS (abacht statt 55 Euro)
unterschiedliche Helligkeitsstufen,Farbfilter & ein Pixeleffekt möglich:

Power Regulator, Akku – und weitere Mods

Insbesondere im Anschluss an den Display-Mod oder wenn die Spannungsregelung von Haus aus schwächelt, wie es beim Game Boy Classic bevorzugt vorkommt, was etwa durch spontanes Abschalten sichtbar wird, kann der Austausch des Boards für die Spannungsregelung (Power Regulator) sinnvoll sein. Retrosix hat neue Spannungsreglerboards für die Game Boys entwickelt, die je nach Game-Boy-Modell für zwischen 10 und 20 Euro erhältlich sind.

Während der neue Power Regulator für den Game Boy Classic sowohl in Verbindung mit dem Original- als auch einem IPS-Display funktioniert, sind die Power Regulators für die anderen Game Boys nicht in Verbindung mit den Originaldisplays geeignet.

Oder Funktionen wie die Helligkeitsregelung bei LCD- und IPS-Displays funktionieren nicht, wie bei manchen Funnyplaying-Displays. In diesen Fällen lötet man den neuen Power Regulator zum originalen hinzu.

Was einen Game Boy selbstverständlich auch gleich etwas moderner macht: ein Akku, insbesondere, wenn er über USB-C aufgeladen werden kann. Von Retrosix gibt es Fertig-Akku-Mods (um die 30 Euro), bei denen Ladeplatine und Akku so in das Batteriefach des Game Boy gesteckt werden, dass die Kontakte der Ladeplatine die Batteriekontaktflächen des Game Boy berühren.

Das funktioniert ohne Löten, allerdings muss das Batteriefach zurechtgeschnitten und ein Ladeloch in den Deckel des Batteriefachs gebohrt werden – oder man kauft ein entsprechendes Gehäuse. Statt USB-C gibt es auch Induktionsladevarianten. Bei der Installation eines Akku-Mods von Retrosix sollte man tunlichst die Anweisungen des Anbieters befolgen, sonst sind Wackelkontakte mit spontanem Abschalten des Game Boy die Folge.

Ich persönlich habe die Induktionsladevariante von Retrosix für den Game Boy Color ausprobiert und kam damit nicht gut klar. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl, um den Lader so am Induktionsladegerät zu platzieren, dass er tatsächlich aufgeladen werden kann. Vielleicht ist mein Induktionslader aber auch nicht so gut für den Batteriebuckel des Game Boy Color geeignet.

Zudem gefällt es mir besser, die Ladeplatine für den Akku fest mit dem Game Boy zu verlöten. So sind bei fachgerechter Installation Wackelkontakte nahezu komplett ausgeschlossen. Nachteil der Akku-Mod-Variante per Löten ist jedoch, dass man nicht spontan wieder auf Batterien umsteigen kann.

Bei einigen Gehäusen kann der feste Akku-Mod auch zwingend erforderlich sein, da die Gehäusebauweise kein Batteriefach vorsieht: Zuerst werden die Batteriekontakte von der Platine des Game Boy ausgelötet (gegebenenfalls mit Entlötpumpe arbeiten) und die Kontaktflächen im Batteriefach entfernt (mit Pinzette oder Spitzzange herausziehen).

Dann die beiden Batteriekontakte des Game Boy über Kabel mit den Ausgangskontakten der Ladeplatine verlöten (Polung beachten). Den Akku mit seinen beiden Kabeln an den Batteriekontakten der Ladeplatine anlöten (auch hier Polung beachten).

Zum Schluss Akku, Ladeplatine und Kabel sicher im Game Boy verstauen und sicherstellen, dass der USB-C-Anschluss zum Aufladen von außen über ein Loch erreichbar ist.

Oder man entscheidet sich für die Service-Techniker-Variante, bei der man den Batteriefachdeckel zum Laden abnehmen muss. Den Deckel dann am besten mit einem Sticker mit der Aufschrift "Authorized service personnel only" versehen. ;)

Als Ladeplatine eignet sich eine für Dev Boards für 3,7-Volt-Akkus, zum Beispiel diese hier(öffnet im neuen Fenster) . Als Akku eignet sich ein Lithium-Polymer-Akku mit 3,7 Volt, etwa dieser hier(öffnet im neuen Fenster) .

Kostenpunkt für beides: circa 10 bis 15 Euro. Es empfehlen sich Akkukapazitäten ab mindestens 800 mAh, für den Classic besser ab 1.200 mAh, damit sich der Akku-Mod von den Laufzeiten her lohnt. Noch besser sind Akkukapazitäten ab 1.500 mAh.

Von den Abmessungen sollten Akku und Ladeplatine natürlich in den entsprechenden Game Boy passen. Der Akku soll rutschfest sitzen, aber noch mit etwas Luft. Es darf keinerlei Druck vom geschlossenen Gehäuse auf den Akku ausgeübt werden, da sich der Akku mit der Zeit etwas ausdehnen wird.

Bei Akku und Ladeplatine aus Sicherheits- und Versicherungsgründen unbedingt auf Vorhandensein von Schutzschaltungen wie Überladungsschutz und CE-Kennzeichnung achten. Keine beschädigten oder aufgeblähten Akkus verwenden.

Andere Mods, die wir hier nicht mehr alle beschreiben können

Es gibt auch noch Mods für: eine Tastenbeleuchtung für Knöpfe und Steuerkreuz in Verbindung mit transparenten Knöpfen und einem transparenten Steuerkreuz; einen Audio-Mod für besseren Ton und einen HDMI-Ausgang zum Zocken auf dem Fernseher.

Und – zwar kein richtiger Mod, dennoch hilfreich – wenn ein Game-Boy-Spiel keinen Spielstand speichert oder keine zeitbasierten Events funktionieren ( "die Beeren wachsen nicht mehr" ), obwohl das Spiel das früher einmal konnte: Dann ist wahrscheinlich die Speicherbatterie leer und man sollte das Spiele-Modul mit dem sogenannten Game Bit öffnen, die alte Batterie aus- und eine neue einlöten.

Die Spiele für den Classic/Pocket und Color verwenden meist Knopfzellen vom Typ CR2025. Die Spiele für den Advance CR1616. Dabei tun sich Nutzer einen Gefallen, wenn sie Knopfzellen mit Lötfahnen kaufen, statt die Batterien mit Klebeband zu befestigen. Für CR1616 gibt es auch brauchbare Knopfzellenhalterungen mit Lötfahnen, die in das Gehäuse der GBA-Cartridges passen.

Das Modding-Angebot für den Game Boy ist riesig und wird voraussichtlicher weiter zunehmen. Es ist eine gute Möglichkeit, den in Jahre gekommenen Game Boy optisch aufzuhübschen und mit technischen Spielereien wie einem IPS-Display oder ganz praktischen Verbesserungen wie einem Akku auszustatten.

Natürlich darf man nicht zu viel erwarten. Trotz der hier vorgestellten Mods bleibt die Hardware des Game Boy überwiegend die gleiche – und damit auch die für heutige Maßstäbe sehr begrenzte Leistungsfähigkeit des Game Boy für Spiele.

Darum geht es aber beim Modden ohnehin nicht. Das Schöne am Modden, Aufhübschen und Reparieren ist, dass man alte Technik würdigt, sie für jüngere Generationen erhält und damit zugänglich macht – und eigene schöne Erinnerungen an vergangene Gaming-Zeiten weckt.

Vielleicht war der Game Boy, verglichen mit Konkurrenten wie dem Sega Game Gear (Tipp: Suchen nach Game Gear Commercial), nicht die technisch beste portable Konsole seiner Zeit. Aber für mich persönlich hatte und hat der Game Boy das beste Gesamtkonzept und die besten Spiele.


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