Modernisierung: Deutschland unterstützt Ukraine bei Militär-IT

Deutschland und die Ukraine haben nach Angaben aus Kiew einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei der Digitalisierung des Militärs geschlossen. Der Vertrag gelte von 2026 bis 2028 und sehe die Finanzierung von drei zentralen IT-Projekten für die Streitkräfte vor, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium(öffnet im neuen Fenster) mit. Vizeministerin Oksana Fertschuk bezeichnete die Vereinbarung als ein Signal dafür, dass "die Unterstützung für die Digitalisierung des Verteidigungssektors wächst" .
Ein Schwerpunkt der Kooperation ist das Gefechtsführungs- und Lageinformationssystem Delta. Es wurde in der Ukraine entwickelt und 2023 offiziell in die Streitkräfte integriert. Das System sammelt Daten aus verschiedenen Quellen – etwa von Drohnen, Sensoren, Satellitenbildern und zivilen Meldungen – und führt sie in Echtzeit auf einer digitalen Karte zusammen. So entsteht ein gemeinsames Lagebild, das Einheiten bei der Koordination im Einsatz unterstützt.
Delta basiert auf einer Cloudinfrastruktur und wurde für den Einsatz unter NATO-Bedingungen entwickelt. Das System wurde auf Übungen wie CWIX(öffnet im neuen Fenster) erprobt, um seine Kompatibilität mit westlichen Gefechtsführungsnetzen sicherzustellen. Teile der Plattform werden außerhalb der Ukraine betrieben, um sie besser vor Cyber- und Raketenangriffen zu schützen und die Ausfallsicherheit zu erhöhen.
Digitale Infrastruktur und Cyberabwehr
Durch Systeme wie Delta erhält die Ukraine einen technologischen Vorteil, der im andauernden Krieg zunehmend an Bedeutung gewinnt. Denn der von Russlands Präsident Wladimir Putin vor mehr als dreieinhalb Jahren begonnene Angriff hat sich inzwischen auch zu einer technologischen Auseinandersetzung entwickelt. Gerade die Ukraine ist auf Innovationen in der Kommunikation und Waffentechnik angewiesen, um den an Feuerkraft und Mannstärke überlegenen russischen Truppen Widerstand leisten zu können.
Die Modernisierung beschränkt sich jedoch nicht auf Delta. Ziel der Vereinbarung ist es, eine umfassende digitale Infrastruktur zu schaffen, die Verwaltung, Logistik und Gefechtsführung miteinander verknüpft. Gefördert wird unter anderem die Weiterentwicklung der Anwendungen Armija+ und Reserw+, die für Personal- und Reservistenverwaltung genutzt werden.
Deutschland unterstützt aber auch den Aufbau digitaler Systeme, die über interne Verwaltungsprozesse hinausgehen. Dazu gehört das im Juli 2025 gestartete System DOT-Chain Defence(öffnet im neuen Fenster) , eine Art digitaler Marktplatz für Waffenlieferungen. Jede Einheit kann über das System direkt die für ihre Einsätze erforderliche Ausrüstung auswählen, Bestellungen absetzen, Reservierungen einsehen und Rückmeldungen geben.
Neben der Digitalisierung logistischer Abläufe spielt auch der Schutz der dahinterliegenden IT-Infrastruktur eine wichtige Rolle. Daher unterstützt Deutschland die Ukraine beim Ausbau eines nationalen Zentrums zur Reaktion auf Cybervorfälle im Verteidigungsministerium. Damit soll die digitale Widerstandsfähigkeit des Landes weiter gestärkt werden.