Mobility: Uber testet Überland-Fahrdienst in Bayern

New York und Berlin haben neuerdings eine Gemeinsamkeit mit Kirchheim und Poing in Oberbayern: Die Bürger können dort den Fahrdienstleister Uber nutzen. Ob sich das rentiert, ist angesichts der Erfahrungen mit bestehenden Angeboten fraglich.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
In Deutschland liegen Taxiverbände und Uber immer noch im Streit miteinander.
In Deutschland liegen Taxiverbände und Uber immer noch im Streit miteinander. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

In sechs deutschen Großstädten ist der Fahrdienstvermittler Uber bereits unterwegs - jetzt wagt er sich zum ersten Mal auch aufs Land: In fünf Kleinstädten östlich von München bietet der US-Konzern Fahrten zum Festpreis von 5 Euro an, auch in den Nachbarort. Und nachts fahre Uber für 15 Euro nach München oder zurück, kündigte Deutschlandchef Christoph Weigler am 4. November 2019 in Kirchheim an.

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Das neue Angebot sei ein Test für ein neues Geschäftsfeld außerhalb der Metropolen: "Mit dem Pilotprojekt wollen wir verstehen, wie ein On-demand-Fahrservice auch in weniger dicht besiedelten Regionen (...) funktionieren kann." Damit die Bürger das Angebot ausprobieren, gibt's Schnäppchenpreise: "Zum Start investieren wir dafür quasi in Marktforschung", sagt der Manager. "Wie eine wirtschaftliche Kalkulation im Regelbetrieb aussehen könnte, wollen wir bei dem Projekt lernen."

Modell für Uber

Weltweit ist der Fahrdienst in gut 700 Städten aktiv. "Das Kirchheim-Projekt hat auch für Uber absoluten Modell-Charakter", sagt Weigler. Der Test soll drei Monate laufen. Öffentliche Zuschüsse gebe es nicht, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Kirchheim liegt im Speckgürtel der bayerischen Landeshauptstadt direkt am Autobahnkreuz München-Ost. Die fünf Test-Orte haben zusammen 51.000 Einwohner, zwei S-Bahn-Stationen, Bushaltestellen und ein Taxiunternehmen. Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl sagt, der Fahrdienstleister könne für manchen eine Alternative zum eigenen Auto sein oder eine Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), für "eine Fahrt zum Facharzt in der Nachbarschaft für die Älteren oder die Heimkehr von der Partynacht in München für die Jüngeren."

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Ähnliche Modellprojekte im Harz und im Bayerischen Wald zeigen allerdings mögliche Probleme auf. "Im Prinzip hat hier jeder sein Auto vor der Tür", sagt Markus Linkenheil, im niederbayerischen Freyung für den Klimaschutz zuständig. Seit gut einem Jahr ist ein Kleinbus auf Abruf in der 7.000-Einwohner-Stadt unterwegs. Per App gibt der Kunde sein Ziel ein, der Freyfahrt-Bus holt ihn ab und fährt hin, für 2,90 Euro, auch bis Ahornöd oder Hinterschmiding. "Wir haben etwa 40 Personen, die das regelmäßig buchen", sagt Linkenheil. Kein Geschäft: Ohne Förderung läge das "Defizit im Bereich von 10.000 Euro pro Monat".

Andere Angebote arbeiten nicht wirtschaftlich - trotz Pooling

Im Gegensatz zum Uber-Auto sammelt der Freyfahrt-Bus unterwegs gelegentlich weitere Fahrgäste mit gleicher Zielrichtung ein. Dieses Pooling senkt die Betriebskosten, kann aber neue Probleme schaffen, wie Michael Patscheke, Nahverkehrsexperte am Max-Planck-Institut für Dynamik in Göttingen, erklärt. Der On-demand-Ecobus im Harz hat Fahrgäste wegen der Umwege auch mal zu spät zum Bahnhof gebracht. Oder 45 Minuten zu früh.

Anders als Uber oder der Freyfahrt-Bus sei der Ecobus als Bestandteil des ÖPNV-Netzes angelegt worden, für die letzte Meile zur Haustür oder umgekehrt von der Haustür zur Haltestation. Mit Pooling den Bus oder Zug zu erreichen "just in time, das ist die große Kunst", sagt Patscheke. "Und das haben wir jetzt in Leipzig erstmals am Start."

In Leipzig arbeiten die Max-Planck-Forscher mit den Verkehrsbetrieben (LVB) zusammen. Im Norden der sächsischen Großstadt, wo der Stadtbus nur im Stundentakt fährt, bringen Flexa-Kleinbusse die Kunden seit Oktober auf Abruf zur gerade günstigsten Bus-, Tram- oder Bahnhaltestelle, je nach Fahrplan. Das LVB-Ticket reicht.

Kann man damit auch Geld verdienen? "Nein", sagt Patscheke. "Dass das ein profitables Geschäftsmodell wird, würde ich ausschließen. Schon gar nicht auf dem platten Land." Zumal Pooling bis heute verboten und nur mit Sondergenehmigung möglich ist. Allerdings erwägt die Bundesregierung gerade, das Gesetz zu ändern.

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