Autonome Taxis nicht teurer als heutige Tickets

Der Preis hängt laut Huber beispielsweise davon ab, wie lange die Kunden bei einem On-Demand-System auf das Fahrzeug warten müssen. Die Bahn habe anhand bestimmter Landkreise durchgerechnet, wie viele Fahrzeuge benötigt würden, um den Bewohnern versprechen zu können, nicht länger als zehn Minuten zu warten. "Wir haben festgestellt, dass wir spätestens dann, wenn wir autonom fahren können, dass wir dann zu Preisen kommen, die mit dem heutigen ÖPNV durchaus vergleichbar sind", sagte Huber. Dann könnte ein solches Angebot möglicherweise auch in bestehende ÖPNV-Tarifsysteme integriert werden.

Während die autonomen Testbusse in Bad Birnbach vorerst kostenlos genutzt werden können, ist für das Testprojekt in Hamburg eine Art Aufschlag zum Tarifpreis geplant. Langfristig sei auch ein komplettes Mobilitätsbudget denkbar, in das das Ioki-Angebot fest integriert sei. Möglicherweise könnten die Kosten auch davon abhängig sein, welche Pooling-Quote erreicht werde. Bahnvorstand Huber hat auch kein Problem damit, ein solches Angebot längerfristig zu subventionieren. Schließlich könnten die On-Demand-Dienste dazu führen, dass mehr Menschen die Bahn nutzten und lukrativere Fernstrecken buchten.

Viele weitere Projekte in Planung

Damit könnte die Deutsche Bahn möglicherweise mit Konkurrenzangeboten mithalten, wie sie Firmen wie Uber oder Lyft planen. Allerdings nehmen sich die Investitionssummen noch sehr bescheiden aus. In diesem Jahr steckt die Bahn nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag in die Firmentochter Ioki, die derzeit über ein 40-köpfiges Team verfügt. Die Ausgaben für 2018 stünden noch nicht fest, sagte Huber im Gespräch mit Golem.de. Möglich sei zudem, andere Beteiligungspartner dazuzuholen.

Nach Angaben von Barillère-Scholz sind bereits "sehr viele weitere Pilotprojekte in der Planung". Man wolle das Konzept "sukzessive weiter in Deutschland skalieren". Die entsprechende Plattform lasse sich in wenigen Stunden aufsetzen. Sowohl der Fahrer als auch die Kunden erhielten dann eine jeweilige App. Der Fahrer finde mit Hilfe von Echtzeitalgorithmen darüber die beste Route, der Kunde wiederum sehe in der App, wie sich das gebuchte Fahrzeug nähere.

E-Tuk-Tuks werden getestet

Allerdings könne die offene On-Demand-Plattform auch in bestehende Angebote integriert werden, so dass der Nutzer nicht für jede Region eine zusätzliche Ioki-App installieren müsse. So werde die Testphase in Hamburg über die Switchh-App des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) laufen. Jeder App-Nutzer könne daher die Testfahrzeuge ausprobieren.

Ebenfalls in Hamburg soll es "ein Testfeld mit Bahnhofsanschluss für autonom verkehrende Elektrobusse" geben. Neben dem EZ-10 von Ligier will die Bahn auch sogenannte E-Tuk-Tuks des schwedischen Anbieters Clean Motion einsetzen. So baue Ioki mit der Bahn derzeit "einen der größten On-Demand-Werkverkehre Deutschlands" in Frankfurt am Main auf, wo die Elektroroller zum Einsatz kommen sollen. Allerdings sollen sie auch in weiteren Gebieten getestet werden. Zudem zeigte die Bahn in Berlin den Elekro-Van E-NV 200 von Nissan im Ioki-Design, der für den On-Demand-Dienst in Hamburg genutzt wird.

Sollte sich das Konzept der Deutschen Bahn durchsetzen, könnte daraus ein konkurrenzfähiges Angebot auf dem Land und im Umkreis von Ballungsräumen entstehen. Bis die Anrufsammeltaxis tatsächlich autonom auf dem Land unterwegs sind, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Die private Konkurrenz von Uber oder traditionellen Taxifirmen hätte dank des günstigen Ioki-Angebotes dann aber nur noch wenig zu lachen.

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 Mobilitätsprojekt Ioki: Bahn macht Sammeltaxi zum autonomen On-Demand-Shuttle
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