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Synthetischer Treibstoff ist ineffizient und teuer

Da ist zunächst die Effizienz: Schon die Bereitstellung von Wasserstoff aus grünem Strom als Kraftstoff für Brennstoffzellen ist verlustbehaftet. Jeder weitere Bearbeitungsschritt macht die Nutzungskette noch ineffizienter. So kommen beispielsweise bei P2L-Kraftstoffen nur noch etwa 30 bis maximal 50 Prozent der hineingesteckten Energie als Kraftstoff wieder heraus. Der Wirkungsgrad lässt sich möglicherweise noch etwas steigern. Aber signifikant besser als 50 bis 60 Prozent wird er voraussichtlich nicht.

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Dabei ist noch nicht die Gewinnung des Kohlendioxids berücksichtigt. Die beste Lösung ist, es aus der Luft abzuscheiden, wie Climeworks das plant. Doch trotz der wachsenden Belastung mit Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt unterstützt, ist dessen Konzentration relativ gering: Der Anteil beträgt nur 400 Parts per Million (ppm). Entsprechend aufwendig und energieintensiv ist die Abtrennung.

Alternativ könnte das Kohlendioxid aus Biomasse gewonnen werden, was ein bewährtes Verfahren ist. Aber die Flächen sind knapp und werden primär dafür gebraucht, Nahrungs- und Futtermittel anzubauen. "So viel Biomasse können wir - vor dem Hintergrund der gegebenen Nutzungskonkurrenzen - gar nicht erzeugen, dass wir unser Mobilitätsverhalten von heute damit darstellen können", sagt Kaltschmitt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, das Kohlendioxid aus industriellen Prozessen zu gewinnen, in Stahlwerken, Chemieanlagen oder Zementwerken. Gerade die Baustoffindustrie emittiert große Mengen davon. Aber aus den verschiedenen Branchen sollen die fossilen Kraftstoffe ebenfalls verschwinden.

Schließlich wird für die verschiedenen Verfahrensschritte regenerativer Strom gebraucht - und zwar deutlich mehr, als aktuell verfügbar ist. Abgesehen davon wollen wir auch unseren - weiter wachsenden - Strombedarf mit Ökostrom decken. "Diesen Strom haben wir heute auch noch nicht", analysiert Kaltschmitt. Der müsste dann woanders herkommen, beispielsweise importiert werden.

Außerdem gibt es eine politische Dimension: Treibstoffe auf synthetischer Basis sind ein direkter Angriff auf das Geschäftsmodell der erdölexportierenden Länder. Für die geht es um ihre wichtigste Devisenquelle. "Die Volkswirtschaften der großen Erdöl- und Erdgas-exportierenden Länder sind auf Einkommen aus dem Verkauf fossiler Energieträger so sehr angewiesen, dass sie den Preis so weit reduzieren, damit sie im Vergleich zu klimaneutralen Optionen keine Marktanteile verlieren", sagt Kaltschmitt. Dass sie das können, hat der Preisverfall vor einigen Monaten gezeigt.

Erdöl ist immer günstiger

Dann aber ist der synthetische Kraftstoff, der laut Sunfire in der Anfangszeit noch 3,50 Euro pro Liter kosten wird, nicht konkurrenzfähig. "Solange die Klimagasemissionen - und damit der Klimaeffekt - nicht merklich pönalisiert wird, werden Erdöl-basierte Kraftstoffe immer billiger sein", sagt Kaltschmitt. "Der Markt wird es an der Stelle nicht richten."

Das alles spricht dafür, dass es keine realistische Lösung ist, ausschließlich anzustreben, vorhandene Fahrzeugflotten mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral weiter zu betreiben - abgesehen von Flugzeugen, deren durchschnittliche Nutzungsdauer 30 bis 40 Jahre beträgt. Viele der heutigen Flugzeuge werden also auch in 20 Jahren noch fliegen. Für die wird es sich der synthetische Kraftstoff sicher lohnen.

Aber sonst? "Das ist die Crux", sagt Kaltschmitt: Den Fuhrpark zu belassen, wie er ist, bedeutet, sehr viel Aufwand für die Herstellung von klimaneutralen Kraftstoffen zu betreiben. Mehr Strom im Mobilitätssektor zu nutzen, heißt, die Fahrzeuge und die Infrastruktur zu verändern.

Das Fazit des Wissenschaftlers: "In diesem Spannungsfeld spricht schon viel für Wasserstoff", sagt Kaltschmitt. "Wenn wir aus Klimaschutzgründen mehr fluktuierenden Strom wollen, ist es an der Stelle schon konsequent, dass man auch verstärkt in Richtung Wasserstoff denkt - und für bestimmte Verkehrssektoren auch an die daraus herstellbaren Flüssigkraftstoffe." Kaltschmitt ist deswegen überzeugt, dass es im Mobilitätssektor in den kommenden Jahren eine deutlich größere Bandbreite an Kraftstoffen und Mobilitätsoptionen als in der Vergangenheit geben wird.

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chefin 30. Jun 2020

@ Workoft Nun musst du nur noch das Motivationsproblem lösen. Wieso soll man so viel...

elf 29. Jun 2020

:D:D:D Ich hab zwar keine Ahnung zum Aufwand bzgl. CO2, aber den Spruch muss ich mir merken!

Ach 29. Jun 2020

Das machen die Leute mit sich selber. Die Kippen das Gift in sich selber rein und nicht...

ulink 29. Jun 2020

Die nichts weiter als eine dahergelogene Raeubergeschichte ist, um die Stinker zu...

Eheran 28. Jun 2020

Billig nicht, nein. Jedenfalls nicht die Investkosten, danach wird es sehr billig. Und...


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