Im Notfall die Ladeleistung drosseln

Golem.de: Gab es denn mal einen Fall, in dem ein Kunde losfahren wollte, aber der Akku nicht bereit war?

Stellenmarkt
  1. Software Produkt Owner (m/w/d)
    BSH Hausgeräte GmbH, München
  2. BI-Manager (w/m/d)
    VGH Versicherungen, Hannover
Detailsuche

Eric Junge: Soweit uns bekannt ist, musste kein Teilnehmer aufgrund des Lastmanagements auf eine Fahrt verzichten. Für dringende Fälle gab es übrigens in der App einen roten Knopf, der im Notfall die Ladebegrenzung aufgehoben hätte.

Golem.de: Wurde der genutzt?

Eric Junge: In der ersten Woche relativ häufig, um zu testen, ob der funktioniert. Später dann fast gar nicht mehr, weil die Kunden gemerkt haben, dass es ihnen egal sein kann, ob das Auto um 23.00 Uhr oder weit nach Mitternacht vollgeladen ist. Nach wenigen Tagen gab es ein sehr großes Vertrauen in das Lademanagement. Spannend war auch, dass die meisten Leute gar nicht gemerkt haben, wenn wir mal kurz die Leistung gedrosselt haben. Wir hatten zwar keinen Ernstfall, haben so was aber immer mal wieder getestet.

Golem Akademie
  1. Apache Kafka Grundlagen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    21.–22. März 2022, Virtuell
  2. Cinema 4D Grundlagen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.–16. März 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Golem.de: Hat Lademanagement in Privathäusern aus ihrer Sicht Potenzial?

Eric Junge: Ja. In unserem Versuch haben die Kunden die Autos in der Regel zwischen sieben bis acht Stunden pro Nacht an die Ladesteckdose gesteckt. Geladen wird aber nur knapp zwei bis drei Stunden. Das bietet ein technisches Potenzial, Ladevorgänge über die Nacht hinweg zu optimieren und zu verschieben. Das ist der Unterschied zu Schnellladestationen im öffentlichen Bereich. Da möchte der Kunde in der Regel nur kurz aufladen und nach einer gewissen Zeit auch schnell wieder weg.

Golem.de: Benötigen wir also gar keinen Netzausbau, um E-Mobilität zu bewältigen?

Eric Junge: Elektromobilität erhöht die Belastung des Stromnetzes. Aber es lässt sich keine pauschale Aussage treffen. Jedes Netz ist anders: Städtische Netze sind anders ausgelastet als ländliche. Es gibt sicher Gegenden, wo wir noch sehr viele Fahrzeuge aufnehmen können, weil das Netz stark ist. In anderen Fällen müssen wir ausbauen. Es hängt sehr stark vom Einzelfall ab. Für uns ist die Herausforderung zu erkennen, wo die kritische Ballung der Fall sein wird.

Golem.de: Wie gehen Sie das an?

Eric Junge: Wir erstellen Prognosen, wo mit welcher Wahrscheinlichkeit in unserem Netzgebiet Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren gebaut wird. Darauf aufbauend schätzen wir ab, wie viel Leistung wirklich benötigt wird. Dadurch können wir die Netzauslastung ausrechnen und bestimmen, wo das Netz an seine Grenzen kommt. Diese Prognose müssen wir natürlich regelmäßig aktualisieren. Ganz wichtig ist für uns die Meldepflicht, damit wir rechtzeitig erfahren, wo Ladeinfrastruktur aufgebaut wird. Die Vorgabe lautet, dass die Meldung immer an den örtlichen Netzbetreiber gehen muss. Bei uns gilt, dass man ab einer Anschlussleistung von 4,6 kVA (20 A) melden muss.

Golem.de: Zehn Haushalte sind ein sehr kleiner Versuchsaufbau. Kann man überhaupt ein generelles Fazit daraus ableiten?

Eric Junge: Sie haben Recht, diese Stichproben in zehn Haushalten sind nicht repräsentativ für ganz Baden-Württemberg oder gar das ganze Land. Parallel dazu laufen wissenschaftliche Untersuchungen, bei denen Fahrprofile in ganz Deutschland und große Fahrstrecken betrachtet werden. Die decken sich sehr stark mit dem, was wir jetzt auch hier erlebt haben. Theorie und Stichprobe passen sehr gut zusammen. Zudem haben wir weitere Netzlabore in Planung. Wir werden einen ähnlichen Feldtest im ländlichen Raum durchführen, wo es eine andere Netzstruktur gibt. Parallel dazu werden wir ein Mehrparteienhaus mit Ladeinfrastruktur ausstatten, in dem dann knapp 60 Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Und wir sind in einem Neubaugebiet aktiv, wo wir gemeinschaftlich die Struktur so planen, dass sie für E-Mobilität leicht nachgerüstet werden kann.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Mobilität: Überlasten zu viele Elektroautos die Stromnetze?
  1.  
  2. 1
  3. 2


Reverse 12. Nov 2019

alle bisherigen tests/modelle inklusive diesem sind eigentlich schwachsinn. mMn bräuchte...

smonkey 07. Nov 2019

Völlig richtig. Lithium ist eine endliche Ressource. Freilich werden die Minenvorkommen...

gadthrawn 05. Nov 2019

Bei deiner Wasserleitung ist bei festem Druck der maximale Durchfluß durch die Rohrdicke...

tco 05. Nov 2019

Das glaube ich und das muss man immer auf die persönlichen Umstände beziehen, das ist...

berritorre 01. Nov 2019

Sie dürfen das bei uns im Wohngebäude machen. Da können sie 84 Parteien mit einem...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Pluton in Windows 11
Lenovo will Microsofts Sicherheitschip nicht aktivieren

Die neuen Windows-11-Laptops kommen mit dem Chip Pluton. Lenovo will diesen aber noch nicht selbst aktivieren.

Pluton in Windows 11: Lenovo will Microsofts Sicherheitschip nicht aktivieren
Artikel
  1. DE-CIX: Spitzenwerte im Datenvolumen gab es beim Gaming
    DE-CIX
    Spitzenwerte im Datenvolumen gab es beim Gaming

    In der Jahresbilanz des DE-CIX ist das Datenvolumen erwartungsgemäß deutlich gestiegen.

  2. Probefahrt mit BMW-Roller CE 04: Beam me up, BMW
    Probefahrt mit BMW-Roller CE 04
    Beam me up, BMW

    Mit futuristischem Design und elektrischem Antrieb hat BMW ein völlig neues Fahrzeug für den urbanen Bereich entwickelt.
    Ein Bericht von Peter Ilg

  3. Corona-Warn-App: Hohe Kosten, halbherzige Umsetzung
    Corona-Warn-App
    Hohe Kosten, halbherzige Umsetzung

    Die digitalen Tools zur Pandemiebekämpfung wie die Corona-Warn-App sind nicht billig. Gerade deshalb sollten sie sinnvoll und effektiv genutzt werden.
    Ein IMHO von Friedhelm Greis

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3070 989€ • The A500 Mini Retro-Konsole mit 25 Amiga-Spielen vorbestellbar 189,90€ • RX 6800 16GB 1.129€ • Intel Core i9 3.7 459,50€ Ghz • WD Black 1TB inkl. Kühlkörper PS5-kompatibel 189,99€ • Switch: 3 für 2 Aktion • RX 6700 12GB 869€ • MindStar (u.a. 1TB SSD 69€) [Werbung]
    •  /