Mobilität: Das 9-Euro-Ticket ist gekommen, um zu bleiben

Ist eine Idee erst in der Welt, wird man sie nicht wieder los. Die Erfahrungen des 9-Euro-Tickets werden den Nahverkehr auf Jahrzehnte ändern.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Eine U-Bahn in Berlin.
Eine U-Bahn in Berlin. (Bild: DAVID GANNON/AFP via Getty Images)

Nach nur drei Monaten endet heute das eigentlich als einmaliges Entlastungspaket geplante 9-Euro-Ticket zunächst noch ohne eine Nachfolgelösung. Doch, dass es dabei auch langfristig bleibt, erscheint ob des riesigen Erfolgs des Tickets, der damit verbundenen Effekte und auch der immer stärker werdenden politischen Debatte sehr unwahrscheinlich.

Inhalt:
  1. Mobilität: Das 9-Euro-Ticket ist gekommen, um zu bleiben
  2. Breite Unterstützung für Nachfolge

Denn anders als die sonst oft übliche Klientelpolitik bei Entlastungspaketen wie etwa die als Mövenpick-Steuer verspottete Herabsetzung der Umsatzsteuer im Hotelgewerbe sind die Effekte eben nicht auf einen kleinen Benutzerkreis beschränkt. Und jetzt, wo ein großer Teil der Bevölkerung das Ticket nutzen konnte, ist ein Leben ohne einfach nicht mehr vorstellbar - im Gegensatz zum Leben ohne Mövenpick-Steuer.

Kein Tarifdschungel mehr

Das fängt schon bei der Einfachheit der Tarifgestaltung an: ein einziges Ticket für den Nahverkehr, das überall in Deutschland gilt. Das Ticket kann ohne Rücksicht auf Tarifzonengrenzen, Verkehrsverbünde oder auch Länder- und Gemeindegrenzen genutzt werden. Denn das 9-Euro-Ticket überwindet schlicht derartig willkürliche Grenzen auf einer Landkarte und vereinfacht den Fahrkartenkauf zudem massiv.

Vergleichbar waren bisher nur primär für Ausflüge gedachte Tickets, wie die Ländertickets, das Wochenendticket oder das Quer-durchs-Land-Ticket. Mit dem 9-Euro-Ticket gab es diesen denkbar einfachsten Weg hinaus aus dem Tarifdschungel - aber zu einem phänomenal günstigen Preis.

Ein Preis, der alle überzeugt und hilft

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Der Preis führte unter anderem zu einer riesigen Entlastung bei bestehenden Kunden, die für ihre Monatskarten in Großräumen wie Hamburg, München, dem Ruhrgebiet, aber auch in der tiefsten Provinz teilweise rund 200 Euro oder gar noch mehr bezahlen müssen. Darüber hinaus führte der niedrige Preis zu mehr sozialer Teilhabe und Gerechtigkeit.

Dazu gehören etwa nachgeholte Urlaube und Ausflüge in die Umgebung oder längst überfällige Familientreffen, ebenso wie für Besserverdiener vermeintliche Banalitäten wie notwendigen Facharztbesuche am anderen Ende der Stadt, die manche Menschen allein aus Kostengründen vermieden haben. Dank des 9-Euro-Tickets kommt wohl auch niemand mehr wegen Schwarzfahrens in Gefängnis, wodurch der Staat selbst sogar noch Geld spart.

In vielen Fällen hat der günstige Preis wohl auch den restlichen Verkehr verändert. Einige Autofahrer sind ganz oder teilweise auf die Öffis ausgewichen, was zu weniger Staus und einer Reduzierung der CO2-Emissionen geführt hat. Das zumindest legen erste vorläufige Datenauswertungen etwa von Tomtom sowie aus der Marktforschung abgeleitete Zahlen nahe.

9-Euro-Ticket zeigt Investitionsstau

Sicher, der deutliche Zuspruch führte völlig vorhersehbar zu überfüllten Zügen und damit verbundenen Problemen wie Verspätungen, die viele sonst nur von reisestarken Feiertagswochenenden kennen. Der Zuspruch zeigt letztlich aber auch, dass der Nahverkehr und die damit gewünschte Mobilität in Deutschland wohl schlicht aus finanzpolitischen Erwägungen heraus künstlich verknappt worden ist.

Denn nicht nur die Reduzierung des Ticket-Preises muss finanziert werden, sondern auch der Ausbau und die Pflege der Nahverkehrsinfrastruktur selbst. Derartige Überlegungen prägen die aktuelle politische Debatte, grundsätzlich infrage gestellt wird eine Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket aber nicht ernsthaft.

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<break> 04. Sep 2022 / Themenstart

»Das Geld des Staates ist bei genauem Hinsehen nicht das Geld seiner Bürger, sondern das...

<break> 04. Sep 2022 / Themenstart

https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/erklaerfilme Vielleicht ne...

Potrimpo 02. Sep 2022 / Themenstart

Ich bedenke durchaus, dass offensichtlich Steuern auf Fortbewegungsmitteln bei Kfz am...

NaruHina 02. Sep 2022 / Themenstart

Die Betriebe hatten einen 40% fahrgastzuwachs bei rund 3% weniger Autoverkehr. Dürfte in...

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