Mobilfunknetz: Ericsson will als wichtiger Open-RAN-Akteur gelten

Open RAN würde das bisherige Geschäftsmodell der großen Mobilfunkausrüster beenden. Bei Ericsson weiß man das, betont aber, man sei führend daran beteiligt.

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Technik von Ericsson in Schweden
Technik von Ericsson in Schweden (Bild: Ericsson)

Nach kritischen Aussagen in der Vergangenheit hat Ericsson seine volle Unterstützung für den umstrittenen Mobilfunkstandard Open RAN erklärt. "Heute stellen wir weitere Details zu unserem bereits angekündigten Übergang zur Einführung von Open-RAN-Unterstützung in unserem gesamten Portfolio vor", sagte Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Head of Networks bei Ericsson, am 25. September 2023. Ericsson habe bereits mehr als eine Million Radioeinheiten in Betrieb genommen, die hardwareseitig für offene Fronthaul-Technologie geeignet seien.

"Mit den neuen Radioplattformen, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, verfügt das Unternehmen über ein komplettes Open-RAN-fähiges Angebot für sein Massive MIMO- und Remote-Radio-Portfolio. Darüber hinaus wird Ericsson ab 2024 die Unterstützung für Open Fronthaul in seinem Cloud-RAN-Portfolio einführen", erklärte der schwedische Mobilfunkausrüster. "Ericsson übernimmt die Führung bei der Industrialisierung von Open RAN."

Mit dem spanischen Telefónica-Konzern unterzeichnete Ericsson in dieser Woche auch eine Absichtserklärung, um "Cloud-native Netze, die auf standardisierten ORAN-Schnittstellen aufbauen, mit (...) kosteneffizientem Cloud RAN in Form von Testinstallationen in Europa zur Geltung bringen".

Open RAN: Huawei-Antenne könnte mit der Software von Ericsson laufen

Open RAN bedeutet Cloud, virtualisierte Netzwerkelemente, White-Box-Hardware, Software zur Integration und standardisierte Schnittstellen. Auf proprietäre, hochentwickelte Chips der Ausrüster und die entsprechende Software muss verzichtet werden, weshalb man nicht auf dem aktuellsten Stand der Technik ist.

Die Netzbetreiber wollen mit dem Einsatz und der Entwicklung der Me-Too-Technologie Open RAN die Macht der großen Netzausrüster brechen. Wenn Open RAN breit eingeführt würde, wäre ein Betreiber in der Lage, verschiedene Anbieter, auch Huawei, Nokia und Ericsson und Open RAN aus den USA, an einem Mobilfunkstandort zu vereinen, statt alle Komponenten von einem Unternehmen kaufen zu müssen. Eine Huawei-Antenne könnte dann mit der Software von Ericsson eingesetzt werden.

Open RAN wird jedoch weitgehend von US-Firmen dominiert und durch die dortige Regierung  massiv gefördert. Hardwareseitig ist es abhängig von Intel, dessen x86-Technik fast allen Servern zugrunde liegt. Außerdem setzen alle Open-RAN-Systeme auf die Cloud von US-Anbietern wie Amazon Web Services, die Google Cloud Platform oder Microsoft Azure. Rakuten aus Japan ist der führende Automatisierer oder Integrator in der Branche.

Ericsson in Open-RAN-Community der USA sehr umstritten

Im Februar 2022 griff ein führender Manager des US-Unternehmens Mavenir Nokia und Ericsson wegen ihres Engagements bei Open RAN an.

"Auf dem Markt herrscht viel Verwirrung, weil die Anbieter, insbesondere die Konkurrenz, versuchen, die Definition von Open RAN auf unterschiedliche Weise zu untergraben. Wir sehen nicht, dass Ericsson und Nokia echtes Open RAN machen, es sind meist Lippenbekenntnisse ihrerseits", sagte Bejoy Pankajakshan, Chief Technology and Strategy Officer bei Mavenir, der indischen Economic Times. Man habe begonnen, Ericsson und Nokia nicht mehr als Teil der Open-RAN-Branche zu behandeln.

Früher agierte Ericsson zurückhaltend beim Thema Open RAN und sprach sich in einem Beitrag sehr deutlich gegen eine regulatorische Privilegierung von Open RAN aus.

Im Februar 2023 sagte Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Head der Business Area Networks bei Ericsson, dem Fachmagazin Light Reading, er fürchte eine Aufzweigung in zwei bis drei Äste durch Open RAN und dränge auf eine stärkere Harmonisierung zwischen der O-RAN Alliance und der 3GPP. "Wir wollen eine Bifurkation oder Trifurkation dieser Schnittstellen vermeiden, da sonst die gesamte Prämisse der Skalierbarkeit für die Branche reduziert wird."

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