Mobilfunknetz: 1&1 kann keinen Richtfunk einsetzen
1&1 braucht bei seinem neuen Mobilfunknetz für jeden Antennenstandort eine Glasfaseranbindung. Das sagte Firmenchef Ralph Dommermuth am 21. März 2024 bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen(öffnet im neuen Fenster) für das Jahr 2023. "Da haben wir mit unserer Topologie einen Nachteil, dass wir keinen Richtfunk nutzen können."
Man könne eine Mobilfunkantenne standardmäßig mit Richtfunk anschließen, dann könne der Betreiber sich die Verkabelung mit Glasfaser als Backhaul sparen. "Unsere Architektur, die Echtzeitanwendungen, sehen zwingend Glasfaser vor" , betonte Dommermuth. Offenbar muss man Open RAN für Richtfunk umrüsten.
Glasfaser oder Richtfunk-Technik im Mobilfunk
Voraussetzung für günstigere Richtfunkverbindungen ist immer eine direkte Sichtverbindung zwischen beiden Endstellen. Atmosphärische Störungen wirken einschränkend. Deshalb sind Glasfaseranbindungen im Mobilfunkbereich für die schnelle und zuverlässige Signalübertragung zwischen den Mobilfunkstandorten und dem Kernnetz immer leistungsfähiger. Mit bis zu 100 GBit/s ist die Glasfaseranbindung deutlich schneller und leistungsfähiger als herkömmliche Richtfunkverbindungen, die bei rund 10 GBit/s perspektivisch an Grenzen stoßen. Neuere Mikrowellenausrüstung arbeitet im Bereich 70 bis 80 GHz und bietet über eine Distanz von fünf Kilometern eine garantierte Datenrate von 20 GBit/s im E-Band.
Dabei kann 1&1 für die Anbindung auf das Festnetz von 1&1 Versatel mit 61.500 Kilometer Glasfaser in 350 deutschen Städten zurückgreifen . "Wir brauchen dann noch Tiefbau, damit man den jeweiligen Standort an Glasfaser anschließen kann. Wenn der Standort nah an unseren Trassen liegt, dann geht das schnell" , erklärte der Milliardär. Wenn eine weitere Entfernung oder Straßen und Bachläufe zu queren sind, dauere es länger. Dazu kämen Genehmigungsverfahren in den Kommunen oder die Zusammenarbeit mit Stadtnetzen beim Backhaul.
Ergebnis von 1&1 ging zurück
1&1 habe im Geschäftsjahr 132,4 Millionen Anlaufkosten für den Aufbau des Mobilfunknetzes gehabt. Der Umsatz von United Internet stieg 3,4 Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) brach jedoch um 14,8 Prozent auf 456 Millionen Euro ein. United Internet hat nach eigenen Angaben 11.000 Beschäftigte, davon rund 3.800 in Produktmanagement, Entwicklung und Rechenzentren, in denen 100.000 Server stehen.
12,25 Millionen Mobilfunkverträge hatte 1&1 zum 31. Dezember 2023. Im Festnetz hatte 1&1 insgesamt 4,01 Millionen Kundenverträge, zumeist im Netz von Telekom , M-net oder Net Cologne. Beim mobilen Internet gab es ein Plus von 570.000, im Festnetz (Breitband) einen Rückgang von 90.000, sagte Dommermuth.
Open RAN bedeute "Standardrechner" , bei denen das Netz "über Software und offene Schnittstellen" gesteuert werde. Man plane vier Core Rechenzentren, 24 dezentrale Edge-Rechenzentren und rund 500 regionale Far-Edge-Rechenzentren. Bisher liefen aber erst zwei Core Rechenzentren, die dezentrale Edge-Rechenzentren seien alle in Betrieb und von den Far-Edge-Rechenzentren "über 100" , berichtete Dommermuth.
Das eigene Mobilfunknetz verfügte Ende vergangenen Jahres über 1.062 Antennenstandorte. "Ende des ersten Quartals erwarten wir 1.350 Antennenstandorte" , sagte er. Doch hier redete Dommermuth über passive Infrastruktur, also im wesentlichen Stahlgerüste für Antennen. Ende vergangenen Jahres hatte man 243 Basisstationen, Ende des ersten Quartals erreichte man rund 600. Doch davon waren nur 200 bereits an Glasfaser angeschlossen und funktionierten.
Wie bedeutungslos das eigene Netz von 1&1 ist, zeigen aktuelle Angaben der Bundesnetzagentur vom Januar 2024 . Das eigene 4G-Netz von 1&1 deckt danach eine Fläche von rund 0,1 Prozent von Deutschland ab, das 5G-Netz erreicht rund 0,2 Prozent.
Das Mobilfunknetz von 1&1 ist im wesentlichen Roaming von Telefónica, ab Sommer wechselt 1&1 zu Vodafone.
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