Mobilfunk: Die Revolution mit 5G ist ausgeblieben

Die Mobilfunktechnologie der fünften Generation hat viele Versprechen nicht erfüllen können, diese Auffassung vertritt der südkoreanische Netzbetreiber SK Telecom. In einem Whitepaper(öffnet im neuen Fenster) mit dem Titel 5G Lesson Learned, 6G Key Requirements, 6G Network Evolution, and 6G Spectrum analysiert der Netzbetreiber die bisherigen Erfolge der Mobilfunktechnologie.
5G habe bei der Umsetzung von Anwendungen wie autonomes Fahren oder digitale Zwillinge enttäuscht, andere versprochene Dienste wie 3D-Videos oder Telemedizin seien nie richtig zur Realität geworden. Es existieren verschiedene Gründe für das Scheitern von 5G-Anwendungen. Es gäbe laut SK Telecom Einschränkungen bei verfügbaren 5G-Geräten und technische Unzulänglichkeiten, dazu hätten Konsumenten in der Vergangenheit wenig Interesse an einzelnen 5G-Anwendungen gezeigt.
Zu viele Versprechen bei 5G
SK Telecom kritisiert, dass bei der Mobilfunktechnologie der fünften Generation zu hohe Erwartungen bei den Verbrauchern geweckt wurden. So war die Rede von Übertragungsraten von bis zu 20 GBit/s, was heute weit von der Realität entfernt ist. Nutzer haben bei 5G einen massiven Schub wie beim Umstieg von 3G auf 4G erwartet. LTE bot wenige Jahre nach dem Marktstart deutlich höhere mobile Geschwindigkeiten als 3G.
Das Whitepaper von SK Telecom hebt ebenso positive Entwicklungen bei 5G hervor. Der Netzbetreiber wies auf um 70 Prozent reduzierte Datenkosten pro GByte im Vergleich zu LTE hin. Weiterhin sei der Datenverkehr dank 5G in den Mobilfunknetzen stark angestiegen.
Hohe Erwartungen an 5G auch in Deutschland
Die Einschätzungen von SK Telecom lassen sich auch auf den deutschen Mobilfunkmarkt übertragen. Vor dem Marktstart der Mobilfunktechnologie waren die Erwartungen an 5G in Deutschland hoch. Im August 2018 veröffentlichte das Handelsblatt einen umfangreichen Beitrag(öffnet im neuen Fenster) mit dem Titel Die Netz-Revolution – wie der neue Mobilfunkstandard 5G den Alltag verändern wird.
Im Artikel heißt es: "Dank 5G entstehen neue Industrien und Dienstleistungen." In dem Beitrag werden zukünftige Anwendungen im Bereich Automobile, Energie, Medizintechnik, Logistik und Umwelt genannt. Viele dieser aufgezeigten Szenarien wie selbstfahrende Autos mit 5G sind bisher kaum zur Realität geworden.
Ähnlich optimistisch wie das Handelsblatt zeigten sich vor dem 5G-Start andere Medien. In den Berichten schwingen auch kritische Töne mit. So schrieb das Handelsblatt 2018 zugleich, dass bei 5G durchaus Vorsicht geboten sei, und erinnert an die hohen Erwartungen an UMTS im Jahr 2000.
SK Telecom setzt auf 6G
Der südkoreanische Netzbetreiber setzt nun die Hoffnung auf 6G. Es sei notwendig, aus den Fehlern bei 5G zu lernen und bei 6G klare erreichbare Ziele zu formulieren und diese den Verbrauchern zu vermitteln. SK Telecom rechnet mit einem Netzstart von 6G für das Jahr 2030. Der südkoreanische Netzbetreiber möchte eine führende Rolle bei der Entwicklung der Mobilfunktechnologie der sechsten Generation übernehmen.