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Mobilfunk: Deutsche Telekom will Open RAN flächendeckend einsetzen

Doch der Starttermin für mehr Open RAN wird immer wieder verschoben, und ein erster Testlauf ist enttäuschend verlaufen.
/ Achim Sawall
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Claudia Nemat auf dem Netzetag 2022 im Dezember in Bonn (Bild: Deutsche Telekom)
Claudia Nemat auf dem Netzetag 2022 im Dezember in Bonn Bild: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom verfolgt Open RAN nach eigenen Angaben "mit Volldampf" . Das sagte Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Technologie & Innovation, am 2. Dezember 2022 auf dem Netzetag der Telekom in Bonn(öffnet im neuen Fenster) , räumte allerdings ein: "Bei einem flächendeckenden Einsatz kommen wir eher in die zweite Hälfte des Jahrzehnts."

Im November 2021 ging Nemat noch davon aus , dass "Open RAN bis 2023 einsatzfähig ist" . Trotz vieler Probleme werde man "2023/24 O-RAN im Wirknetz einsetzen und zwar in einer ausreichenden Zahl von Antennen, um die Skalierung auszutesten" .

Sie gab zugleich zu, dass "das Ökosystem sich etwas langsamer entwickelt hat, als wir ursprünglich alle gehofft haben. Wir setzen natürlich nur Dinge ein, die total performant und energieeffizient sind, und wo die Automatisierung auch klappt. Man muss ja unterschiedliche Teile miteinander integrieren, bei so einem riesigen Netz mit 35.000 Antennenstandorten, macht es nur Sinn, wenn es automatisiert ist."

Bisher setzte die Telekom Open RAN in Neubrandenburg in einem nicht öffentlichen Feldversuch ein und erzielte dabei ein enttäuschendes Ergebnis. In Mobilfunknetzen auf dem Land gebe es mit Open RAN noch Probleme mit der Energieeffizienz und der Performance der Antennen, sagte Petr Lédl, Vice President und Chief O-RAN Architect, im April 2022. Laut Nemat funktionierte offenbar auch das Einbuchen und die Orchestrierung der Komponenten mit Netz nicht befriedigend.

Technische Daten zu seinen ersten O-RAN-Standorten hatte der Netzbetreiber nie veröffentlicht. Golem.de fragte an, welche Performance das Netzwerk biete, und welche Datenraten erreicht worden seien. Auch nach der Energieeffizienz und der Größe der RAN-Ausrüstung im Vergleich zu Antennen von etablierten Ausrüstern fragten wir.

In Neubrandenburg kam die O-RAN-Hardware und -Software von den US-Konzernen Dell, Mavenir, Intel und Supermicro. Die Remote-Radio-Units (O-RU) wurden von Fujitsu und NEC aus Japan bereitgestellt. Die LTE- und 5G-NR-O-RUs von Fujitsu und die 32T32R 5G Massive MIMO (mMIMO) Radio Units (RU) von NEC waren mit Beamforming ausgestattet.

"Bei den Open Radio Access Netzen geht es darum, dass man unterschiedliche Teile von unterschiedlichen Herstellern kaufen kann" , sagte Nemat. Doch die Telekom setzt bereits auf zwei verschiedene Ausrüster: Die Technik an den Funkmasten, RAN, kommt von Huawei (70 Prozent) und Ericsson (30 Prozent). Im Kernnetz setzt die Telekom Huawei auf Druck der USA nicht mehr ein.

Bei O-RAN will man vor allem Geld sparen. Open RAN ist im Einkauf günstiger als professionelle Mobilfunkausrüstung und soll so die Vormachtstellung von Huawei, Nokia, Ericsson, ZTE und anderen brechen. Open RAN bedeutet Cloud, virtualisierte Netzwerkelemente, White-Box-Hardware, Integrationssoftware und standardisierte Schnittstellen. Auf proprietäre, hochentwickelte Chips der Ausrüster und die entsprechende Software muss verzichtet werden, weshalb man nicht auf dem aktuellen Stand der Technik ist, was auch Nutzer merken.


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