Mobilfunk: Daimler fordert 5G entlang aller Verkehrswege

Mit Blick auf das automatisierte und vernetzte Fahren macht sich der designierte Daimler-Chef Ola Källenius für ein grenzüberschreitendes, anbieterneutrales und zuverlässiges Mobilfunknetz mit über 500 MBit/s auf allen Straßen stark.

Artikel von Stefan Krempl veröffentlicht am
5G überall - so lautet die Forderung der Automobilindustrie.
5G überall - so lautet die Forderung der Automobilindustrie. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Mit einem strammen Wunschzettel hat sich jetzt auch Daimler-Vorstandsmitglied Ola Källenius in die Debatte über den Ausbau des Mobilfunknetzes im Vorfeld der geplanten Auktion erster Frequenzen für den kommenden Standard 5G eingebracht. "Voraussetzung für eine intelligente und vernetzte Mobilität in der Zukunft ist eine Mobilfunknetzabdeckung entlang aller Verkehrswege", erklärte der designierte Chef des Autobauers, der derzeit die Konzernforschung verantwortet. Der Schwede betonte: "Dafür müssen Politik und Industrie jetzt gemeinsam die Weichen stellen."

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Konkret fordert Daimler ein grenzüberschreitendes, anbieterneutrales, zuverlässiges Netzwerk auf allen Straßenverkehrswegen bis hinunter auf Gemeindeebene. Eine leistungsstarke Versorgung von Städten und entlang Autobahnen reiche nicht aus. Das Netz müsse niedrige Latenzzeiten von unter zehn Millisekunden und zugleich hohe Datenraten von über 500 MBit/s aufweisen, konstatieren die Stuttgarter. 4G mit Geschwindigkeiten bis 150 MBit/s in höheren Frequenzbereichen reicht ihnen damit genauso wenig aus wie die weitere, auf einem Mix aus Frequenzbereichen basierende Ausbaustufe LTE Advanced mit Datenraten bis zu 300 MBit/s.

5G-Standards müssen laut dem Unternehmen in diesem Sinne schnell entwickelt werden, auch im Interesse einer "sicheren und zuverlässigen Datenübertragung". Nicht zuletzt sollten der Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer gewährleistet werden.

Ohne Car-to-X läuft nix beim autonomen Fahren

"Wesentliche Anwendungen des neuen Mobilfunkstandards in Deutschland werden in der Automobilbranche stattfinden", begründet Daimler die Initiative. Die umrissene digitale Infrastruktur werde "sowohl auf der Straße für das automatisierte und vernetzte Fahren als auch bei der industriellen Fertigung von Fahrzeugen" benötigt. Der bisherige, auf die Versorgung möglichst vieler Haushalte ausgerichtete Schwerpunkt des Mobilfunkausbaus reiche daher nicht mehr aus. 5G werde etwa auch bei der Kommunikation zwischen Autos untereinander sowie mit der Verkehrsinfrastruktur ("Car-to-X-Communication") eine entscheidende Rolle spielen.

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Derlei Fähigkeiten seien zwar bereits in allen seit 2016 verkauften Mercedes-Modellen integriert, heißt es in Stuttgart. Um die Technik flächendeckend nutzen zu können, müssten aber alle Fahrzeuge fähig sein, unabhängig von ihrer Position "mit der Cloud" zu kommunizieren. Nur so seien sie in der Lage, etwa eigene relevante Informationen Dritten verfügbar zu machen oder umgekehrt Verkehrsinformationen und Warnungen, Straßeninformationen über Baustellen oder Wettereinflüsse sowie Kartenupdates zu beziehen.

Den Kommunikationsfluss zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur via 5G bezeichnet Daimler als wichtig, um etwa automatisiertes Überholen, Einfädeln und Bremsen sowie durchgängige Verkehrswarndienste zu ermöglichen. Diese Komponente erweitere die individuellen Fahrzeugsensoren wie Radar, Kamera und bald auch Lidar erheblich und könne so die Sichtweite autonomer Autos noch einmal deutlich erhöhen.

Lokale Netze für die Industrie 4.0

Für Anwendungen im Bereich Industrie 4.0 und rund ums Internet der Dinge ruft der Konzern nach der lokalen Zuteilung eines eigenen Frequenzbereichs im Bereich 3,7 bis 3,8 GHz. Damit könnte der Betrieb "eines lokalen Funknetzes in Produktionsanlagen unabhängig von einer bundesweiten Bereitstellung von Breitbanddiensten durch Mobilfunknetzbetreiber ermöglicht" werden. Eine Abdeckung sei für Produktionsanlagen nötig, "um Echtzeit-, Zuverlässigkeits- und Cyber-Security-Anforderungen sicher erfüllen zu können".

Die Daimler-Liste geht weit hinaus über die Überlegungen der Bundesnetzagentur für die baldige 5G-Frequenzversteigerung. Bis 2020 sollen laut den geplanten Vorgaben der Regulierungsbehörde 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 MBit/s versorgt werden. Dafür reicht LTE prinzipiell bereits aus. Dazukommen soll die Auflage zum Ausbau entlang von Autobahnen und Bahnstrecken; weiße Flecken sollen geschlossen werden. Den Netzbetreibern gehen schon diese skizzierten Verpflichtungen viel zu weit, Politiker schier aller Fraktionen drängen dagegen auf umfassendere Versorgungsziele.

Verbraucherschützer machen weiter Druck

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat seine Kritik an dem Entwurf zu den Vergaberegeln für die 2019 vorgesehene 5G-Auktion noch einmal erhärtet und sich in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme enttäuscht gezeigt über das Vorhaben. Bessere die Bundesnetzagentur nicht nach, "werden Funklöcher auf dem Land auch in Zukunft leidige Realität bleiben", warnen die Verbraucherschützer. Bis Ende 2022 müssten flächendeckend im Bundesgebiet mindestens 100 MBit/s im Download zur Verfügung gestellt werden.

Inhaber bundesweiter Frequenzzuteilungen sollten über die Auktion laut dem Verband verpflichtet werden, Diensteanbietern und virtuellen Mobilfunknetzbetreibern (MVNO) einen diskriminierungsfreien Zugang zu ihren einschlägigen Infrastrukturen zu ermöglichen. Nationales Roaming müsse ferner "zumindest zeitweise verpflichtend vorgeschrieben werden", plädiert der VZBV für die Möglichkeit eines flexiblen Netzwechsels im Inland. Allen Wettbewerbern sollten gleiche Chancen bei der Frequenzvergabe eingeräumt und Spektrum für neue Marktteilnehmer reserviert werden. Die Versorgungsauflagen müssten zudem gegebenenfalls mit "effektiven Sanktionsmaßnahmen" durchsetzbar sein.

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FreiGeistler 25. Okt 2018

Naja, die Passagiere wollen doch getrackt, ich meine, unterhalten werden. Kann man den...

Oh je 24. Okt 2018

au to nom! Thats different from need external services which need to track me all the...

macray 24. Okt 2018

einfach mal fordern - irgendeiner wird es schon machen... So ein bullshit. Wieso nicht...



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