Mobilfunk: Bahn will statt 5G-Repeatern lieber alle Scheiben lasern

Die Versorgung in den Zügen bleibt weiter oft ungenügend. 5G im schnellen C-Band will man dennoch nicht per Repeater ermöglichen.

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Funksignal willkommen
Funksignal willkommen (Bild: Deutsche Giga Access)

Das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn wollen die Repeater in den Fernzügen der Deutschen Bahn nicht für 5G austauschen, weil man auf "neue technische Entwicklungen, die andere Möglichkeiten bieten" setze, erklärte eine Bahn-Sprecherin Golem.de auf Anfrage. Mobilfunkdurchlässige Scheiben seien "im Vergleich zu den aktuell verwendeten Repeatern eine dauerhafte Lösung, weil sie nicht nur für die aktuelle, sondern auch für alle künftigen Mobilfunkgenerationen - wie 5G oder auch alle Frequenzen im Ausland - geeignet ist".

Die Bahn statte aber nicht nur neue Züge mit mobilfunkdurchlässigen Fensterscheiben aus: Es sei auch möglich, die Fensterscheiben von vorhandenen Zügen nachträglich per Laser zu bearbeiten.

Zunächst seien Repeater für 2G-Mobilfunk, später für 3G und seit 2016 für 4G-Mobilfunk in die ICE-Züge eingebaut worden. Die aktuelle Repeater-Generation sei von den Mobilfunknetzbetreibern spezifiziert und durch die DB Fernverkehr in die ICE-Züge verbaut worden. Mit spezifiziert umschreibt die Sprecherin, dass die Bahn erst seit einigen Jahren Repeater einsetzt, die multi-MNO-fähig sind, also die Funksignale von allen drei Netzbetreibern verarbeiten können.

Hier beginnt dann die gegenseitige Schuldzuweisung, denn technisch wäre die Versorgung mit 5G im C-Band längst möglich. Das Intrain-Mobilfunk-Repeater-System bei der Bahn kommt von dem Schweizer Unternehmen Comlab. Pro Zugverband wird ein Icomera-X6i-Router installiert, Access Points und Wi-Fi-Antennen bringen die Konnektivität zu den Fahrgästen in anderen Waggons. Router-Hersteller Icomera verfügt mindestens seit April 2021 auch über 5G-Technik. Die schwedische Firma installiert bisher Multi-Provider-Systeme in den Zügen der Bahn. Icomera liefert die Hardware wie Antennen und Router und virtuelle Anwendungsserver für Entertainmentdienste. Dabei ist ein Zug 30 bis 35 Jahre in Betrieb und Innovation ein langwieriger Prozess.

Telekom: Kein 5G wegen fehlenden Repeatern

Der damalige Technikchef der Telekom Deutschland, Walter Goldenits, hatte im Februar 2022 erklärt, dass die Repeater in den Zügen der Bahn nur LTE beherrschen, weshalb man kein schnelles 5G (N78) entlang der Strecken ausbaut. Zudem seien hohe Geschwindigkeiten und 3,6 GHz extrem schwer zusammenzubringen, meinte er.

Laut Telekom-Sprecherin Nicole Schmidt können nur die Bahnbetreiber "Fragen zur Lebensdauer und zu Umrüstungsplänen von Repeatern beantworten". Bei der Mobilfunkversorgung im deutschen Bahnnetz sei derzeit das vordringliche Problem, dass man mit wichtigen 900er-Frequenzen nicht arbeiten könne, was einen besseren Mobilfunkempfang entlang von Schienenwegen verhindert.

Weiteres Drama bei 900er-Frequenzen

Ursprünglich sollte mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 die zusätzliche 4G-Funkfrequenz in Betrieb genommen werden. Doch das wurde von der Bundesnetzagentur untersagt und auf Dezember 2024 verschoben. Durch deren Einbau würde in Zügen in Summe circa 250 MBit/s zusätzliche Bandbreite zur Verfügung gestellt.

"Als Telekommunikationsanbieter sorgt O2 Telefónica für ein umfassendes 2G/GSM-, 4G/LTE- und 5G-Mobilfunknetz entlang der Schienenwege", betonte Konzernsprecher Florian Streicher. "In großen Teilen der ICE-Flotte setzen die Netzbetreiber gemeinsam mit der Bahn Repeater nach den aktuell technisch machbaren Maßstäben ein." Für Details seien die zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen zuständig. Vodafone hat unsere Anfrage nicht beantwortet.

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M.P. 30. Okt 2023

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Potrimpo 11. Feb 2023

Wer hat das behauptet? Ich jedenfalls nicht.



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