Mobilfunk: 5G - (k)eine Gefahr für die Gesundheit

Die Angst vor Handystrahlung ist fast so alt wie der Mobilfunk selbst. Nun gibt es 5G - und wieder die Frage: Bestehen Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk?

Eine Analyse von Jan Rähm veröffentlicht am
Ob 2G, 4G, 5G oder 6G: Es gibt immer Menschen, die Angst davor haben, durch Handystrahlung krank zu werden. Ist die Sorge berechtigt?
Ob 2G, 4G, 5G oder 6G: Es gibt immer Menschen, die Angst davor haben, durch Handystrahlung krank zu werden. Ist die Sorge berechtigt? (Bild: Pixabay)

Der neue Mobilfunkstandard 5G setzt sich immer mehr durch und mit ihm kommt bei manchen Menschen eine alte Sorge wieder: die vor der Kraft elektromagnetischer Felder (EMF). Mitunter gibt es Proteste gegen 5G aus Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dabei sagen Fachleute, dass 5G nur eine Weiterentwicklung und die Auswirkungen auf Organismen mit denen von LTE vergleichbar seien. Was die Intensität der EMF angeht, gehen sie sogar eher von sinkenden als steigenden Werten aus.

Und doch gibt es zumindest in gewissen Kreisen noch immer starken Widerstand gegen 5G. Vor allem die neu genutzten Frequenzbänder im Millimeterwellenbereich bei 30 bis 100 GHz machen einige Menschen unsicher. Gefordert werden weitreichende Studien.

Wieder und wieder Proteste

Die Proteste und Diskussionen um den Mobilfunk sind bei Weitem nicht neu. Bereits in der 1990er Jahren gab es Aufregung um die Einführung des GSM-Mobilfunks (2G). Das wiederholte sich um die 2000er Jahre herum, als 3G startete, und 2010 bei der Einführung von 4G alias LTE.

Damals wie heute befürchten Kritiker und Kritikerinnen vor allem, dass die elektromagnetische Strahlung Krebs auslösen könnte. Seit 2011 sehen sie sich von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) bestätigt. Sie setzte elektromagnetische Wellen auf die Liste der wahrscheinlich krebserregenden Stoffe - unter anderem zusammen mit ganzen Aloe-Vera-Blättern und traditionell asiatisch eingelegtem Gemüse. Doch die Einstufung in diese Gruppe 2B durch die IARC ist umstritten.

Wissenschaftlicher Konsens: Mobilfunk nicht schädlich

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Der aktuelle Konsens in der Wissenschaft ist: Elektromagnetische Wellen innerhalb beziehungsweise unterhalb der bestehenden Grenzwerte haben keine krebserregenden oder sonstige über einen minimalen thermischen Effekt hinausgehende Auswirkungen.

Die Wissenschaft stützt sich in ihrem Konsens auf zahlreiche Untersuchungen und einige Langzeitstudien, die aktuell in klarer Mehrheit keine oder lediglich minimale Auswirkungen unterhalb der Schwelle belegbarer Evidenz aufzeigen. Will schlicht heißen: Bisher konnten keine Gesundheitsgefahren reproduzierbar und belegbar nachgewiesen werden.

Vor allem zwei Langzeitstudien sind bedeutsam. Eine 2012 veröffentlichte Studie in Dänemark zu Hautkrebs erbrachte über einen Beobachtungszeitraum von 1987 bis 1995 zuzüglich einer Nachbeobachtung bis 2007 das Ergebnis, dass weder für Männer noch für Frauen ein erhöhtes Risiko bestehe. Die dänische Studie ist eine von wenigen Langzeitstudien unter Realbedingungen. Auch die bereits etwas früher veröffentlichte Langzeitstudie des internationalen Forschungsprojekts Interphone konnte keine Gesundheitsgefahren nachweisen.

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Gefahr: Krebs?

In späteren Studien gab es vereinzelte Hinweise auf Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung. Diesen wurde in der Folge nachgegangen, ohne jedoch auf klare Evidenz beziehungsweise klare Kausalitäten zu stoßen. So auch bei einer jüngst veröffentlichten Studie aus England.

Diese untersuchte, wie häufig verschiedene Krebsarten in einem bestimmten Zeitraum vorkamen und ob die Mobilfunknutzung ein Risikofaktor sein könnte. Sie kam zu dem Schluss: "Derzeit gibt es - in Übereinstimmung mit den Daten aus anderen Ländern - kaum Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und Hirn- oder Ohrspeicheldrüsenkrebs, während die Hypothese eines Zusammenhangs mit Schilddrüsen- oder Darmkrebs ähnlich schwach ist."

Eine der umfangreichsten Untersuchungen der letzten Jahre dürfte die groß angelegte Metastudie der U.S. Food and Drug Administration aus dem Jahr 2020 sein. Unter dem Titel Review of Published Literature between 2008 and 2018 of Relevance to Radiofrequency Radiation and Cancer betrachtet die peer-reviewte Studie 125 andere peer-reviewte Studien zwischen 2008 und 2018. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass keine der Studien zeigen kann, dass Hochfrequenzstrahlung mit Intensitäten, die bei der Nutzung von Mobiltelefonen auftreten, zu negativen Gesundheitseffekten führt.

Eine der umfassendsten Übersichten über die verschiedenen Aspekte und Bereiche, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten untersucht wurden, haben die Betreiber und Beteiligten des EMF-Portals zusammengetragen. Die Informationsplattform wird von der RWTH Aachen betrieben und fasst nicht nur wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder von unter anderem Mobilfunk bis Höchstspannungsleitungen systematisch zusammen, sondern hilft mit zahlreichen Einordnungen und Bewertungen der Ergebnisse beim Verständnis der wissenschaftlichen Fachliteratur.

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Effekte des Mobilfunks auf den menschlichen Körper 
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snboris 16. Jan 2022 / Themenstart

Da hast Du völlig recht. Aber mittlerweile ist doch soviel Wissen (und Unwissen) im...

Cerdo 12. Jan 2022 / Themenstart

Richtig. Man kann auch durch den Boden fallen weil gerade zufällig der Platz zwischen den...

Cerdo 12. Jan 2022 / Themenstart

2G + 3G = 5G Denk mal drüber nach.

Mnt 10. Jan 2022 / Themenstart

Das wird der missverständliche Punkt sein: Gesundheit steht heutzutage - und auch vorher...

unterhosendieb 10. Jan 2022 / Themenstart

Bitte bleib mit deinem whataboutism fern. Bezieht sich mal eines deiner Postings nicht...

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