Mobilfunk gesundheitsgefährdend? Ein Erklärungsversuch

Trotz der beschriebenen Studienlage hält sich in einigen Kreisen hartnäckig die Auffassung, dass Mobilfunk krebserregend und auch sonst gesundheitsgefährdend sei.

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In der Coronakrise verbreiteten sich zudem Aussagen, dass der Mobilfunk 5G an der Entstehung und Ausbreitung des Coronavirus schuld gewesen sein soll. Obwohl Letzteres nie auch nur ansatzweise belegt werden konnte, hatte die Verbreitung der Theorie drastische Folgen.

Dokumentiert sind zahlreiche Anschläge auf die Mobilfunk-Infrastruktur in ganz Europa, unter anderem in Großbritannien, in Deutschland, in der Schweiz, in den Niederlanden, in Frankreich und in Italien. Dabei lässt sich das Narrativ 5G und Corona ziemlich eindeutig dem Bereich der Verschwörungsmythen zuordnen. Belege oder gar Fakten gibt es keine - siehe Stellungnahmen des BfS, der WHO, der ICNIRP und der EU.

Das generelle Misstrauen gegenüber dem Mobilfunk und speziell gegenüber 5G fußt in weiten Teilen auf einer stark verunsichernden Berichterstattung durchaus auch in etablierten, aber vor allem in alternativen und sozialen Medien, die geeignet ist, Menschen Angst zu machen. Beispielsweise wird auf selbsternannten "Fakten"-Portalen stark abweichenden beziehungsweise wissenschaftlich widerlegten Einzelmeinungen großer Raum gegeben.

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Auch werden auffallend oft jene Studien bevorzugt und besonders hervorgehoben, die Effekte durch Mobilfunk nachweisen wollen. Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen und die meist in der Überzahl sind, werden ganz ignoriert. Man nennt dieses Vorgehen "Rosinenpicken".

Davor sind auch etablierte Medien nicht gefeit. Sie verfallen zudem mitunter der sogenannten False Balance, also der medialen Verzerrung, bei der zwei gegensätzliche wissenschaftliche Meinungen als gleichwertig dargestellt werden, um Ausgewogenheit zu suggerieren. Dabei wird beiden Seiten die gleiche Bedeutung zugemessen, auch wenn die eine auf Fakten basiert, die durch die Mehrheit der Forscher und Forscherinnen anerkannt und gestützt wird, und die andere eine Einzel- oder Minderheitenmeinung ist. So wird ein Zerrbild der aktuellen Erkenntnislage erzeugt.

Im Fachaufsatz A dangerous balancing act beschreibt Autor David Robert Grimes, wie unter anderem etablierte und soziale Medien, falsche Behauptungen, ideologische Konflikte und verhängnisvolle Rückkopplungsschleifen den Diskurs zahlreicher Themen von Impfungen bis eben hin zu 5G verzerren, ja geradezu vergiften: "Diese 'Feedback Loops' in Form eines falschen Gleichgewichts waren sicherlich die Ursache für eine Reihe von Impfstoff-Paniken in den letzten Jahren und hat auch die Ängste vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln und der 5G-Technologie geschürt."

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Fazit

Die Studienlage zum Mobilfunk im Allgemeinen und in Teilen auch bereits zu 5G kann als belastbar bewertet werden. Insgesamt liegen mehrere Tausend Untersuchungen, Experimente, Studien und Metastudien zu den Themen Mobilfunk und elektromagnetische Strahlung vor. Innerhalb der evidenzbasierten Wissenschaft ist keine kontroverse Diskussion erkennbar. Vielmehr zeigt sich ein sehr starkes Bemühen, noch offene Fragen und Hypothesen zu klären.

Das oft angeführte Vorsorgeprinzip wird im Fall von Mobilfunk durch regelmäßige Tests und Evaluation von Testergebnissen eingehalten, sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer und globaler Ebene. Davon zeugen nicht zuletzt jüngst aufgelegte Untersuchungen und neu entwickelte Methoden wie beispielsweise eine neue Art der Untersuchung von Gewebe, die das BfS im Oktober 2021 beschrieben hat.

Bei alldem gilt natürlich die Einschränkung: "nach aktuellem Stand der Forschung". Das umfasst auch die unumstößliche Tatsache, dass es nicht möglich ist, Unbedenklichkeit endgültig wissenschaftlich zu belegen. Wissenschaft und Forschung können grundsätzlich ausschließlich den aktuellen Stand der Forschung wiedergeben. Was heute als sicher gilt, kann in einigen Jahren mit Hilfe neuer Techniken und auf Basis neuer Erkenntnisse oder Forschungsansätze neu bewertet werden.

Was aber jetzt schon sicher ist: An den Nachfolgern der aktuellen Mobilfunktechnik wird bereits intensiv gearbeitet. Bis der nächste Mobilfunkstandard 6G an den Start geht, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Wenn es so weit ist, werden Mobilfunkgegner erneut mobilmachen - wie zuvor schon bei GSM, UMTS, LTE und zuletzt bei 5G.

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 Es besteht noch Forschungsbedarf
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snboris 13:49 / Themenstart

Da hast Du völlig recht. Aber mittlerweile ist doch soviel Wissen (und Unwissen) im...

Cerdo 12. Jan 2022 / Themenstart

Richtig. Man kann auch durch den Boden fallen weil gerade zufällig der Platz zwischen den...

Cerdo 12. Jan 2022 / Themenstart

2G + 3G = 5G Denk mal drüber nach.

Mnt 10. Jan 2022 / Themenstart

Das wird der missverständliche Punkt sein: Gesundheit steht heutzutage - und auch vorher...

unterhosendieb 10. Jan 2022 / Themenstart

Bitte bleib mit deinem whataboutism fern. Bezieht sich mal eines deiner Postings nicht...

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