Kein App Store im App Store

In Konkurrenz zu Apple Arcade steht Netflix vorerst aber ohnehin nicht, auf iOS ist keines der Spiele bisher verfügbar. Das liegt am ungewöhnlichen Weg, über den die Spiele installiert werden.

Da Netflix auf das umstrittene Sideloading vorbei an den Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems verzichtet, wählt man ein Spiel in der Netflix-App aus und wird von dort in den Google Play Store gelenkt. Im Spiel muss man sich wiederum mit seinem Netflix-Account einloggen, damit das Spiel auch startet.

  • Netflix präsentiert seine Spiele mit großen Trailervideos und versteckt so, dass es nur fünf sind. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Mit der Retrografik bleibt Stranger Things 3 seinem Vorbild treu. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Card Blast erinnert optisch an bunte Free-to-Play-Hits wie Candy Crush. Dafür ist es komplett werbefrei. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Shooting Hoops auf Netflix: Das minimalistische Design passt zum minimalistischen Gameplay. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Stranger Things 1984 ist kein völlig neuer Titel, sondern wurde passend zur dritten Staffel der Serie auch auf PC und Konsolen veröffentlicht. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Teeter ist vom Design her ähnlich minimalistisch wie Shooting Hoops. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
  • Google bietet mit dem Play Pass selbst ein Abo für Android-Spiele an. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)
Google bietet mit dem Play Pass selbst ein Abo für Android-Spiele an. (Quelle: Netflix/Screenshot: Golem.de)

Elegant ist dieser Umweg über mehrere Apps nicht und außerdem vorerst nur auf Geräten mit Android möglich. IOS bleibt außen vor, ebenso Smart-TVs und Laptops. Die Übertragung eines Spiels per Videostream, wie etwa bei Geforce Now oder Stadia, könnte Abhilfe schaffen und das Spieleangebot von Netflix langfristig bequem auf alle Plattformen bringen. So lange fühlt sich das Spielen mit Netflix auch nach Ende der regional begrenzten Beta noch wie eine Testphase an.

Erste Versuche, erste Probleme

Erste Versuche mit interaktiven Inhalten hat der Streaminganbieter in der Vergangenheit schon mit seinen hauseigenen Produktionen gemacht. Die Episode Bandersnatch der Science-Fiction-Serie Black Mirror handelte nicht nur von einem Spieleentwickler, sondern ließ das Publikum in einem interaktiven Film mitbestimmen, wie die Handlung weitergehen soll. Im vergangenen Jahr wiederholte Netflix dieses Experiment mit dem Staffelfinale von The Unbreakable Kimmy Schmidt.

Dabei sammelte das Unternehmen auch erste negative Erfahrungen. Eine Kooperation mit dem Spieleentwickler Telltale Games endete im Jahr 2018 abrupt mit der Insolvenz des Studios. Gemeinsam mit den Machern von The Walking Dead und Tales from the Borderlands war nicht nur eine Portierung ihres Minecraft-Adventures geplant, sondern auch eine Adaption des Netflix-Hits Stranger Things. Aus beidem wurde nichts.

Die wertvollste Ressource ist unsere Aufmerksamkeit

Netflix hat eine enorme Kundschaft und entsprechend viel zu verlieren. Die Wachstumskurve bei den Neuanmeldungen ist über die vergangenen Quartale langsam abgeflacht. Die wertvolle Aufmerksamkeit der Kundschaft, die Netflix an Spiele verliert, will der Streaminganbieter nun zurückerobern. Das erklärt auch die kurzweiligen Spielchen auf dem Smartphone - womit sonst könnte man seine Kundschaft besser in die eigene App locken, wenn sie sich in der Warteschlange an der Supermarktkasse langweilen?

Vom Smartphone über die Spielekonsole bis zum Smart-TV ist Netflix auf allem vertreten, was einen Bildschirm hat und kämpft dennoch mit wachsender Konkurrenz. CEO Reed Hastings sieht diese aber weniger bei anderen Videoangeboten wie Disney+, sondern im Multiplayer-Shooter Fortnite - solche Zeitfresser seien es, die die Aufmerksamkeit der potenziellen Kundschaft wegschnappten.

Sicher ist, dass Netflix noch große Pläne hat und sich nicht mehr nur auf externe Partner wie Telltale oder Frosty Pop verlassen will. Erst im September kaufte Netflix Night School Studio, eine Firma ehemaliger Telltale-Mitarbeiter. Vor dem Kauf gab es Berichte darüber, deren Teenager-Grusel-Abenteuer Oxenfree solle als Serie umgesetzt werden. Jetzt wäre es verwunderlich, sollte diese irgendwo anders als exklusiv bei Netflix selbst erscheinen - oder zumindest die für 2022 angekündigte Fortsetzung.

Wird Netflix selbst das "Netflix für Spiele"?

Dass ein so dominanter Inhalteanbieter wie Netflix in die Gamesbranche einsteigt, gab schon im Vorfeld viel Anlass zur Spekulation. Umso ernüchternder ist das tatsächliche Angebot, jetzt, wo es endlich da ist. Statt wie ein mutiger Vorstoß wirken Stranger Things: 1984, Shooting Hoops und Card Blast wie ein übervorsichtiges Herantasten. Sollte Netflix seinen Ambitionen in Zukunft gerecht werden, wird sich bald niemand mehr an diese Pilotprojekte erinnern.

Aber anders als beim Streaming von Serien und Filmen ist Netflix diesmal kein Vorreiter, sondern muss ordentlich aufholen. Google und Apple bieten werbefreie Mobilegames an, Nvidia und Microsoft streamen Spiele aus der Cloud, Sony und Nintendo locken Spielerinnen und Spieler mit Abodiensten. Bis Netflix selbst das "Netflix für Spiele" wird, ist es noch ein langer Weg - und der erste Schritt in diese Richtung erweckt nicht den Eindruck, man habe es besonders eilig.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Mobilegames: "Das Netflix für Games" ist noch lange nicht Netflix
  1.  
  2. 1
  3. 2


superdachs 11. Nov 2021

im Klickbaukasten generierten Quatschspiele wie im Play-Store oder andere?

ElMario 03. Nov 2021

...und ich hatte tatsächlich soetwas "exklusives" wie Apple Arcade erwartet. :/

Dino13 03. Nov 2021

Na ja, was aber gut ist, ist auch für jeden unterschiedlich. Das muss man auch einfach...

Trollversteher 03. Nov 2021

Oh, das gibt es durchaus noch komplexeres - neben den unzähligen alten PC- und Konsolen...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Streaming
Netflix zieht Maßnahmen gegen Konten-Sharing zurück

Netflix wird vorerst wohl doch nichts unternehmen, wenn ein Netflix-Konto unerlaubterweise mit anderen geteilt wird.

Streaming: Netflix zieht Maßnahmen gegen Konten-Sharing zurück
Artikel
  1. Objekte in Javascript: Von Literalen, Konstruktoren und Klassen
    Objekte in Javascript
    Von Literalen, Konstruktoren und Klassen

    Objekte kennen alle Entwickler, in Javascript kann man dennoch leicht auf den Holzweg geraten. Wir zeigen, wo die Gefahren lauern und wie man auf dem richtigen Pfad bleibt.
    Eine Anleitung von Dirk Koller

  2. 343 Industries: Halo-Neustart offenbar mit Unreal Engine
    343 Industries
    Halo-Neustart offenbar mit Unreal Engine

    Das Projekt Tatanka wird zur Zukunft von Halo und dem Master Chief: Laut einem Bericht plant Entwickler 343 Industries einen echten Neustart.

  3. Aktionäre statt Angestellte: Intel spart beim Personal für die Dividende
    Aktionäre statt Angestellte
    Intel spart beim Personal für die Dividende

    Wer nicht entlassen wurde, bekommt weniger Gehalt: Intel spart beim Personal, versucht aber die Aktionäre bei Laune zu halten.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • 15% Extra-Rabatt auf Fernseher bei Otto • Roccat Kone Pro -56% • Xbox Series S + Dead Space 299,99€ • PCGH Cyber Week • MindStar: ASRock RX 7900 XT 949€ • AMD CPU kaufen, SW Jedi Survivor gratis dazu • Philips LED TV 65" 120 Hz Ambilight 999€ • KF DDR4-3600 32GB 91,89€ [Werbung]
    •  /