Mobile Games: "Mit Furz-Apps wird man kein Millionär mehr"

Mit cleveren Kartenspielen wie Card Thief hat der Berliner Mobile-Games-Macher Arnold Rauers von Tinytouchtales seine gewinnbringende Nische gefunden. Im Gespräch mit Golem.de nennt er Zahlen - und gibt konkrete Empfehlungen für andere Entwickler.

Artikel von Rainer Sigl veröffentlicht am
Max Fiedler (Illustration/Animation), Arnold Rauers und Oliver Salkic (Sound/Music) bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2018 (v. l. n. r.)
Max Fiedler (Illustration/Animation), Arnold Rauers und Oliver Salkic (Sound/Music) bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2018 (v. l. n. r.) (Bild: Getty Images for Quinke Networks)

Für kleine Einzelentwickler ist der Traum von der Karriere als Mobile-Games-Entwickler oft so schnell ausgeträumt, wie ihr Spiel auf der 200 Mal täglich erweiterten Neuheitenliste nach unten wandert. "Sichtbarkeit ist das allergrößte Problem. Wenn dein Werk nicht vom Spieler gesehen wird, ist es extrem schwierig, erfolgreich zu sein", sagt Arnold Rauers. Der 34-jährige Berliner hat mit seinem Ein-Mann-Studio Tinytouchtales in den zurückliegenden Jahren etwas geschafft, wovon viele träumen: mit seinen Mobile-Spielen kommerziell erfolgreich zu sein.

Inhalt:
  1. Mobile Games: "Mit Furz-Apps wird man kein Millionär mehr"
  2. Spiele für sich selbst

Leicht ist das nicht. "Der Markt ist einfach zu groß und zu unübersichtlich geworden. Es war schon immer schwierig, aber in den letzten Jahren ist es einfach extremer geworden", sagt Rauers.

3,2 Millionen Apps gab es 2019 im App Store von Apple zum Download für iOS-Geräte. Rund 950.000 davon sind Mobile Games. Jeden einzelnen Monat kommen zwischen 3.000 und 6.000 weitere Spiele dazu - pro Tag also zwischen 100 und 200 Neuheiten, die um die Gunst der etwa 1,5 Milliarden iOS-Nutzer wetteifern.

Auch die 2,5 Milliarden Android-Nutzer haben die Qual der Wahl: Bei insgesamt rund 350.000 Games-Apps im Play Store kommen jeden Monat etwa 4.000 Spiele frisch in die virtuellen Regale.

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Kein Wunder: Der Markt für Mobile Games war 2019 rund 74 Milliarden US-Dollar schwer. Viel Geld verdienen längst nur große Firmen wie Supercell mit Clash of Clans, King mit Candy Crush oder Tencent, der mit Titeln wie Honor of Kings den chinesischen Heimmarkt dominiert.

Aller Anfang ist schwer

Rauers arbeitet seit 2011 in der Spielebranche, seit 2014 ist er selbstständiger Entwickler von Mobile Games. Sein Spezialgebiet sind Strategiespiele, oft mit Spielkarten: Mit Card Crawl hat Rauers 2015 unter dem Titel Tinytouchtales seine Erfolgsserie begonnen.

Es folgten Enyo (2016), Card Thief und Miracle Merchant (2017) sowie, erst vor kurzem, sein aktuelles Programm Maze Machina.

Anfangs waren Geduld und Beharrlichkeit gefragt. "Bevor ich Card Crawl im März 2015 veröffentlicht habe, hatte ich bereits rund zehn andere Spiele veröffentlicht, die alle von sehr wenig bis nichts verdient hatten", erzählt Rauers.

"Zukis Quest ist das Paradebeispiel, das im Jahr 2013 trotz 100.000 Downloads nur ca. 300 US-Dollar einbrachte", sagt der Entwickler. "Als ich Ende 2014 all meine Ersparnisse ausgeben hatte und bereits von meiner Frau durchgefüttert wurde, war mir klar, dass ich nur noch eine Chance hatte. Glücklicherweise hat sich meine Geschichte dann mit Card Crawl zum Besten gewendet. Seitdem sind alle meine Spiele profitabel geworden."

Die Nische macht's

Rauers veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu seinem Unternehmen auf seinem Blog, auch zu Umsätzen und Verkäufen. Seinen Angaben zufolge war 2017 das bislang kommerziell erfolgreichste Jahr für sein Studio Tinytouchtales . Rund 130.000 US-Dollar brachte Card Thief ein, Miracle Merchant kam auf 80.000 US-Dollar und Card Crawl immer noch auf rund 69.000 US-Dollar.

Für ein Entwicklerumfeld, in dem Tausende Kleinstudios nicht einmal die Unkosten der Produktion einspielen, ist das mehr als respektabel. Wegen der Geburt seiner Tochter hat Rauers seit 2018 den Arbeits-Output freiwillig etwas zurückgefahren.

"Card Thief war mein erfolgreichstes Spiel", sagt Rauers im Gespräch mit Golem.de. 2018 wurde er für das originelle Strategie-Puzzle auch mit dem Deutschen Computerspielpreis als Bestes Mobile Game mit 40.000 Euro Siegesprämie belohnt. "Allerdings ist Card Crawl noch immer mein wichtigster Titel im Portfolio. Card Crawl hat meinen Traum vom unabhängigen Spieleentwickler möglich gemacht und verkauft sich auch nach knapp fünf Jahren noch immer wie geschnitten Brot."

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Spiele für sich selbst 
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AciidAciid 01. Feb 2020

ja sieht man ja im Arikel oben ;-)

AciidAciid 01. Feb 2020

Die Antwort ist Beharrlichkeit. Schau dir dazu den Film THE FOUNDER an, gibt es aktuell...

Profi_in_allem 27. Jan 2020

Ich sag nur Plague Inc. hat gerade einen Boom :)

unbuntu 27. Jan 2020

Das finde ich gerade bei Android auch schlimm und hat eher dazu geführt, dass ich kaum...



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