Mitschnitte digitaler Assistenten: Mitarbeiter hört einstündiges Telefonat, beklagt Ausbeutung

Unter welchen Bedingungen müssen Menschen arbeiten, die für die großen IT-Unternehmen Mitschnitte der digitalen Assistenten anhören? Darüber berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter, der lange Unterhaltungen belauschen musste und ausbeuterische Arbeitsbedingungen unterhalb des Mindestlohns beklagt.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Arbeit beim Belauschen digitaler Assistenten wird schlecht bezahlt.
Die Arbeit beim Belauschen digitaler Assistenten wird schlecht bezahlt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Sie hören sehr viele private Dinge von anderen Menschen und nicht jedem ist dabei so ganz wohl, wenn sie die Mitschnitte digitaler Assistenten oder aber von Telefonaten anhören. Anfang des Monats wurde über die Erfahrungen beim Abhören von Siri-Mitschnitten berichtet, jetzt folgt eine Schilderung von jemandem, der auch im Auftrag von Google Sprachmitschnitte des Google Assistant ausgewertet hat. Darüber berichtet Vice und hat die Angaben der Person anonymisiert.

Inhalt:
  1. Mitschnitte digitaler Assistenten: Mitarbeiter hört einstündiges Telefonat, beklagt Ausbeutung
  2. Wenn man die Stimme eines Freundes erkennt

Die Person gibt an, als Freelancer für ein Unternehmen tätig gewesen zu sein, das sich darauf spezialisiert hat, Sprachaufnahmen für große IT-Unternehmen anzuhören und das Gesprochene als Text einzugeben. Die von Vice als Thomas bezeichnete Person hat dabei auch mal ungewollt ein einstündiges Telefonat belauscht, eine Suchanfrage eines Freundes bearbeitet und vermutet aufgrund der vielen intimen Details, dass keinem Nutzer bewusst gewesen ist, dass dies fremde Menschen zu Gehör bekommen könnten.

Neben den psychischen Belastungen durch die Arbeit beklagt er eine ausbeuterische Bezahlung. Er wurde nicht für die geleistete Arbeitszeit bezahlt, sondern pro Mitschnitt. Selbst wenn er schnell gearbeitet hat, war kein Stundensatz auf Niveau des Mindestlohns möglich. Und er durfte sich keinen Fehler erlauben. Denn dann wurde die geleistete Arbeit nicht mehr bezahlt.

Einstündiges privates Telefonat belauscht

Er berichtet, wie er ein etwa einstündiges privates Telefonat belauscht und nie erfahren habe, für welches Unternehmen er hier tätig gewesen sei. "Die Gespräche waren in Schnipsel aufgeteilt und durcheinandergewürfelt. Aber ich kann mir gut Stimmen merken und konnte einige Schnipsel im Kopf verbinden." Am Ende war er sich sicher, dass es ein echtes Gespräch unter sehr engen Freundinnen war. "Es ging um Probleme mit dem Partner und den Kindern." Als er das abgehört habe, habe er sich "schlecht gefühlt. Ich kam mir vor, als würde ich für einen Geheimdienst arbeiten."

Stellenmarkt
  1. SAP-ABAP-Entwickler (m/w/d) SAP PP und PP/DS (APO) - Produktionsplanung und Supply Chain
    MTU Aero Engines AG, München
  2. IT-Mitarbeiter (m/w/d) Technik und Support
    Hardware Express Computervertriebsgesellschaft mbH, Göppingen
Detailsuche

Aber auch an anderer Stelle fühlte er sich immer wieder unwohl mit seinen Aufgaben. "Ich war geschockt, weil ich das Gefühl hatte, den Menschen ist nicht bewusst, dass Fremde ihre Aufnahmen abhören dürfen. Ich spürte, da wird ganz stark in die Privatsphäre eingegriffen. Vor allem bei privaten Nachrichten, die per Speech-to-Text-Funktion aufgenommen wurden", beklagt Thomas.

IT-Unternehmen sollten Nutzer für die Sprachdaten bezahlen

"Meiner Meinung nach sollten Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis gefragt werden, ob sie ihre Aufnahmen weitergeben wollen." Firmen wie Google und Apple würden die Hinweise darauf irgendwo in der Datenschutzerklärung verstecken, so dass die meisten Nutzer nicht wüssten, dass ihre Sprachbefehle abgehört werden können. "Wenn Firmen das trotzdem tun, ist das Diebstahl für mich." Er fände es gut, wenn die Nutzer dafür Geld bekommen. "Schließlich helfen sie dabei, dass die Spracherkennung besser wird."

Einmal hat er unfreiwillig einen Freund belauscht.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Wenn man die Stimme eines Freundes erkennt 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Colorado 31. Aug 2019

Und nun? Die Pöbelei für den Tag abgefrühstückt oder kommt da noch was relevantes?

unbuntu 30. Aug 2019

Was machen die eigentlich bei Sachsen und Ur-Bayern? ^^

MrSkeeseem 30. Aug 2019

Dafür müssten einige aber auch erst lernen wie man Kritik so formuliert das der...

bazoom 29. Aug 2019

Dann müsste auch drin stehen, das alle Kontakte im eigenen Adressbuch damit einvertanden...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Corona-Warn-App
Jede geteilte Warnung kostete 100 Euro

Die Bundesregierung hat für die Corona-Warn-App bisher mehr als 130 Millionen Euro ausgegeben. Derzeit gibt es besonders viele rote Warnungen.

Corona-Warn-App: Jede geteilte Warnung kostete 100 Euro
Artikel
  1. Activision Blizzard: Was passiert mit Call of Duty, Diablo und Xbox Game Pass?
    Activision Blizzard
    Was passiert mit Call of Duty, Diablo und Xbox Game Pass?

    Playstation als Verlierer und Exklusivspiele für den Xbox Game Pass: Golem.de über die bislang größte Übernahme durch Microsoft.
    Eine Analyse von Peter Steinlechner

  2. Dice: Update-Roadmap für Battlefield 2042 vorgestellt
    Dice
    Update-Roadmap für Battlefield 2042 vorgestellt

    Ob das reicht? Das Entwicklerstudio Dice hat seine Pläne für Battlefield 2042 vorgestellt. Der Shooter hat extrem niedrige Spielerzahlen.

  3. Energiespeicher: Große Druckluftspeicher locken Investorengelder an
    Energiespeicher
    Große Druckluftspeicher locken Investorengelder an

    Hydrostor bietet eine langlebige Alternative zu Netzspeichern aus Akkus, die zumindest in den 2020er Jahren wirtschaftlich ist.
    Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • LG OLED 55" 120Hz 999€ • MindStar (u.a. NZXT WaKü 129€, GTX 1660 499€) • Seagate Firecuda 530 1TB inkl. Kühlkörper + 20€ PSN-Guthaben 189,90€ • HP Omen Gaming-Stuhl 319€ • Sony Pulse 3D Wireless PS5 Headset 79,99€ • Huawei MateBook 16,1" 16GB 512GB SSD 709€ [Werbung]
    •  /