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Wenn man die Stimme eines Freundes erkennt

"Ich erinnere mich noch an einen Audio-Schnipsel, der hat meine Sicht auf das Ganze verändert. Ich hatte die Aufnahme abgehört und war plötzlich überzeugt: Das ist die Stimme von einem Freund von mir, der Journalist ist. Es war ein kurzer Suchbefehl." Das habe etwas bei ihm ausgelöst. "Vorher waren es immer die anderen, die ich da abhöre. Nun hatte ich das Gefühl, das betrifft auch mich."

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Viel habe er im Auftrag von Google gearbeitet und er habe Tausende Sprachaufnahmen von Google-Nutzern abgehört. "Häufig waren es gesprochene Anfragen für die Google-Suche. Andere Audio-Schnipsel klangen wie Textnachrichten, die jemand in sein Handy spricht, um nicht tippen zu müssen."

Thomas kommt die Welt kaputt vor

Dabei habe es viel Belangloses gegeben, aber auch intime Dinge: "Liebesbotschaften, Hass, Suchanfragen für Pornos. Definitiv nichts, was für fremde Ohren bestimmt ist. Ich erinnere mich an einen Audio-Schnipsel, da hat jemand einer anderen Person Gewalt angedroht. Es gab auch viele Audio-Schnipsel, die ich rassistisch und sexistisch fand. Da denkt man echt, die Welt ist kaputt."

"An ein Angebot für psychologische Betreuung vonseiten der Firma kann ich mich nicht erinnern. Mit Kollegen konnte ich mich nicht austauschen, weil ich nicht einmal wusste, wie sie heißen." Der einzige Kontakt zum Unternehmen sei die Projektleitung gewesen. Dort habe Thomas einmal nachgefragt, was er tun solle, wenn er zum Beispiel Nazi-Inhalte höre. "Die Antwort ging in die Richtung: Ich soll das einfach ausblenden."

"Der Job hat mich am Ende wirklich runtergezogen. Ich habe mir in den Aufnahmen viel mehr aggressive Sprache, Rassismus und Beleidigungen anhören müssen, als ich der Gesellschaft zugetraut hätte."

Schlechte Arbeitsbedingungen

Die Sprachmitschnitte hat er als Freelancer zu Hause am PC angehört, für die Arbeit nutzte er eine spezielle Software, in der er Zugriff auf die Sprachaufnahmen erhalten hat. "Der Ablauf war simpel: zuerst den Audio-Schnipsel anklicken, dann den abgehörten Text in ein Fenster tippen. Dabei musst du dich aber extrem konzentrieren."

Der Grund dafür ist, dass eben nur Centbeträge für einzelne Aufnahmen bezahlt werden. "Machst du einen Fehler, wird dir die Aufnahme nicht bezahlt und zurückgeschickt." Manchmal habe er 30 bis 40 Stunden pro Woche gearbeitet, manchmal waren es nur einige Stunden - abhängig von der Auftragslage.

Er sei Teil von einem Team aus mehreren Freelancern gewesen, zwischen denen es keinen direkten Kontakt gegeben habe. "Wir konnten uns nicht schreiben und wir kannten auch nicht unsere Namen." Trotzdem habe es Konkurrenz im Team gegeben. Er konnte in der Software einsehen, wie gut die anderen bei der Arbeit abgeschnitten haben und wie viel die anderen leisten.

"Für meinen Job kann man sich online bewerben. Dann muss man - unbezahlt - eine Reihe von Tests machen, darin geht es zum Beispiel um das Sprachniveau und Grammatikkenntnisse. Ein persönliches Gespräch hatte ich nie."

Er halte die Firma für einen Halsabschneider. "Sie hat mir einen Verdienst über Mindestlohn versprochen. Doch nur durch den Einsatz von selbst finanzierter Soft- und Hardware konnte ich den erreichen. Aber ich schätze, dass andere Freelancer nur einen Hungerlohn geschafft haben. Da die Firma nur pro transkribierter Aufnahme bezahlt, zählt jede Sekunde. Das halte ich für Ausbeutung."

Vice wurden nach eigener Aussage etliche Dokumente vorgelegt, mit denen die Schilderungen der Person überprüft wurden. So wurden Screenshots der Software eingesehen, mit der die Mitschnitte angehört und als Text eingegeben wurden. Zudem liegen dem Magazin umfangreiche Anleitungen zum Transskribieren vor sowie E-Mails der entsprechenden Projektleitung und Belege für die Bezahlung der geleisteten Arbeit.

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 Mitschnitte digitaler Assistenten: Mitarbeiter hört einstündiges Telefonat, beklagt Ausbeutung
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Colorado 31. Aug 2019

Und nun? Die Pöbelei für den Tag abgefrühstückt oder kommt da noch was relevantes?

unbuntu 30. Aug 2019

Was machen die eigentlich bei Sachsen und Ur-Bayern? ^^

MrSkeeseem 30. Aug 2019

Dafür müssten einige aber auch erst lernen wie man Kritik so formuliert das der...

bazoom 29. Aug 2019

Dann müsste auch drin stehen, das alle Kontakte im eigenen Adressbuch damit einvertanden...


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