Mitnutzung: Regulierer will Preise für Telekom-Leerrohre massiv senken
Die Bundesnetzagentur will die vorgeschlagenen Preise der Deutschen Telekom für die Mitnutzung der Leerrohre erheblich senken. Das gab die Regulierungsbehörde am 10. April 2024 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Laut Angaben eines Sprechers liegen die Preise zwischen 30 und 89 Prozent unter den von der Telekom beantragten Entgelten.
"Wir wahren dabei einerseits die berechtigten Interessen der Telekom und ermöglichen andererseits den Wettbewerbern, ihre Geschäftsmodelle zu realisieren" , sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.
Der veröffentlichte Beschlussentwurf der Bundesnetzagentur ist aber lediglich ein Zwischenschritt bei der Festlegung der Bedingungen für den Leerrohrzugang. Die Branche und die EU-Kommission werden nun dazu Stellung nehmen.
Die Telekom kritisiert den Entwurf. Die Kürzung "widerspricht dem Ziel, Investitionen in den Glasfaserausbau – insbesondere die teuren Tiefbauarbeiten zur Verlegung von Rohren – durch angemessene Entgelte zu unterstützen" , sagte Unternehmenssprecherin Sandra Rohrbach Golem.de auf Anfrage.
Auch wenn die Entgelte sich zunächst nur auf die Leerrohre der Telekom bezögen, sei zu erwarten, dass dieses Preisniveau auf den gesamten Markt ausstrahlt. "Das sind schlechte Nachrichten für alle, die in den Glasfaserausbau in Deutschland investieren. Denn niedrige Entgelte dienen nur denen, die keinen Spaten in die Hand nehmen wollen" , betonte Rohrbach.
Breko und Telekom sind sich einig
Auch der Branchenverband Breko sieht eine Leerrohrzugangsverpflichtung kritisch, da sie die Geschäftsmodelle derjenigen Unternehmen entwerte, die seit Jahren Investitionen in den Glasfaserausbau tätigen und Investitionsanreize schmälert. "Ein reguliertes Entgelt könnte und würde vermutlich zudem einen Richtwert für Leerrohrentgelte bilden. Da ein Standardangebot noch nicht abschließend genehmigt ist, ist eine Diskussion über konkrete Preispositionen aus unserer Sicht hinfällig" , sagte Breko-Sprecher Lorenz Vossen Golem.de.
Anders sieht das der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM: Die starke Absenkung der Entgelte für den Zugang zum Leerrohrnetz der Telekom um 30 bis zu fast 90 Prozent sei ein wichtiger Schritt, um die Investitionsanreize für die Wettbewerber zu stärken und die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser voranzutreiben. Deren Geschäftsführer Frederic Ufer erklärte: "Die von der Telekom beantragten Entgelte waren so stark überhöht und auf Wettbewerbsbehinderung ausgerichtet, dass der Markt auf ein starkes Signal von der Bundesnetzagentur gewartet hat."
ANGA-Geschäftsführerin Andrea Huber sagte: "Ein wesentliches Element sind regulierte Mietpreise, die die Wettbewerber an die Telekom zahlen. Der jetzt von der Regulierungsbehörde vorgelegte Entwurf der Leerrohrentgelte zeigt: Die Bundesnetzagentur hat die Relevanz der Telekom-Leerrohre für den schnellen, erfolgreichen Gigabitausbau erkannt." Jetzt müssen man dafür sorgen, dass die Pflöcke richtig eingeschlagen werden, damit die bisher weitgehend ungenutzte Leerrohrinfrastruktur auch tatsächlich genutzt werden kann.
Dagegen hält die Telekom , dass sie im Grunde zwei Festnetze habe: ein älteres kupferbasiertes Netz aus der Zeit vor der Privatisierung der Telekom und ein brandneues Glasfasernetz. Die Leerrohre, um deren Entgeltfindung es aktuell geht, sind vor allem die neuen Infrastrukturen für Glasfaserkabel. Sie werden seit 2006 bundesweit verlegt und umfassen inzwischen 750.000 Kilometer. Die alten Kabelkanalanlagen des Kupfernetzes seien nur in Einzelfällen für den FTTH-Ausbau nutzbar.
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