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Mitarbeiterschwund: Arbeitsagentur investiert Millionen in KI

Weil zehntausende Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente gehen, will die Bundesarbeitsagentur massiv auf KI setzen und investiert viel Geld.
/ Michael Linden
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Verwaltungszentrum der BA in Nürnberg (Bild: Nicohofmann/Wikipedia)
Verwaltungszentrum der BA in Nürnberg Bild: Nicohofmann/Wikipedia / CC-BY-SA 3.0

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) plant, bis zu 19 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz (KI) zu investieren. Dies geht aus einem kürzlich geschlossenen Rahmenvertrag mit dem Heidelberger Start-up Aleph Alpha(öffnet im neuen Fenster) hervor, von dem das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Der Vertrag, der über vier Jahre läuft, soll die BA bei der Bewältigung der Herausforderungen unterstützen, die aus dem Arbeitskräfteabgang resultieren.

Stefan Latuski, Chief Information Officer der BA, betonte gegenüber dem Handelsblatt die Dringlichkeit dieser Investition. Bis 2032 könnten bis zu 35 Prozent der derzeit rund 115.000 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen oder die Behörde verlassen. Eine vollständige Neubesetzung dieser Stellen erscheint laut Latuski unrealistisch.

KI soll bei der Arbeitsagentur in drei Hauptbereichen zum Einsatz kommen: bei der Teilautomatisierung von Behördenprozessen, bei der Dokumentation von Mitarbeiterwissen und in der Kundenberatung. Latuski betont jedoch, dass die KI weder Jobs ersetzen noch eigenständige Entscheidungen treffen werde.

Aleph Alpha stellt der BA das KI-System Pharia OS zur Verfügung. Dieses ermöglicht das Management der KI-Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum oder in der Cloud. Zudem können Mitarbeiter die KI mit ihrem individuellen Wissen anlernen.

Die Wahl fiel auf Aleph Alpha, da die BA die Technologie in Deutschland betreiben und die Entscheidungen der KI nachvollziehen können will, heißt es in dem Bericht. Dies sei besonders wichtig, um eine mögliche Diskriminierung von Kunden zu verhindern, so Latuski. Kunden nennt die Arbeitsagentur diejenigen, die ihre Leistungen beanspruchen.

KI-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung

Die Investition der BA in KI-Technologie ist Teil eines größeren Trends in der öffentlichen Verwaltung. Auch andere Behörden, wie der Bundeswehr-IT-Dienstleister BWI, haben bereits ähnliche Verträge mit Aleph Alpha geschlossen, heißt es in dem Bericht des Handelsblatts.

Thilak Mahendran, Digitalexperte der Denkfabrik Agora Digitale Transformation, bewertet die Investition grundsätzlich positiv. Er kritisiert jedoch, dass oft der Aufbau der nötigen digitalen Infrastruktur vernachlässigt werde. Die Politik solle zunächst diesen Weg ebnen, bevor KI eingesetzt werde.

Für Behörden, die noch am Anfang ihrer KI-Projekte stehen, bietet Aleph Alpha ab sofort die App F13 an. Diese Software mit Grundfunktionen für die Verwaltung wurde gemeinsam mit der Landesverwaltung Baden-Württemberg entwickelt. Sie ermöglicht unter anderem die Recherche in Behörden-Drucksachen und bietet eine Zusammenfassungsfunktion.

Erwartungsmanagement und interne Tests

Experten warnen jedoch vor überhöhten Erwartungen. Es sei schwierig zu beurteilen, ob die KI-Assistenz den qualitativen Anforderungen gerecht werde. Dies könne zu Enttäuschungen bei allen Beteiligten führen, berichtet das Handelsblatt.

Die BA plant, die neue Beratungs-KI zunächst intern zu testen, um die Qualität zu sichern und die Akzeptanz zu stärken. Erst nach einer Testphase und möglichen Anpassungen soll die Öffentlichkeit Zugang erhalten.


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