Mitarbeiter und KI: SAP setzt auf Umschulung statt Kündigung
In der SAP-Zentrale hat künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag vieler Ingenieure grundlegend verändert. Software, für die früher ganze Programmierteams nötig waren, entwirft heute selbstständig Code, testet ihn und weist sogar auf Wettbewerbsrisiken hin.(öffnet im neuen Fenster), wie die New York Times berichtete.
SAP-Softwareentwickler verbringen mittlerweile mehr Zeit damit, die Ergebnisse von KI-Systemen zu steuern und zu prüfen, als Routinecode von Grund auf zu schreiben.
Europas größtes Softwareunternehmen nach Marktwert erprobt damit einen Ansatz, der einem verbreiteten Branchenmuster widerspricht. Statt Automatisierung vor allem als Grund für Stellenabbau zu behandeln, will das Unternehmen, dass Mitarbeitende ihre Rollen rund um die Technologie neu definieren.
Neue Berufsbezeichnungen, veränderte Belegschaft
Die Bilanz des Konzerns ist derweil widersprüchlich. Vor zwei Jahren strich SAP im Zuge einer Restrukturierung fast 10.000 Stellen, die das Management teilweise mit künstlicher Intelligenz begründete. Wie viele Positionen konkret durch Automatisierung wegfielen, oder welche Bereiche am stärksten betroffen waren, legte das Unternehmen nicht offen.
Gleichzeitig gibt SAP an, seit 2023 letztlich mehr als 3.500 Stellen geschaffen zu haben. Manche davon tragen neue Berufsbezeichnungen, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab, etwa Rollen, die direkt mit Kunden an KI-Werkzeugen arbeiten.
Vorstandschef Christian Klein deutete gegenüber der New York TImes(öffnet im neuen Fenster) an, dass Programmieren als eigenständiger Beruf in seiner heutigen Form nicht mehr lange bestehen könne. Die Belegschaft werde künftig "sehr, sehr anders" aussehen, nicht einfach nur kleiner.
Funktioniert der Ansatz?
Viele Technologiekonzerne führen KI-Effizienzgewinne direkt als Begründung für Stellenabbau an. Die SAP-Führung hingegen präsentiert die Technologie zumindest vorerst als Anlass, die interne Arbeitsorganisation umzugestalten.
Beobachter sind uneins, ob dieser Ansatz auf Dauer funktioniere. Einige Arbeitsmarktökonomen argumentieren, Unternehmen, die auf KI setzten, gerieten früher oder später ohnehin unter Kostendruck, unabhängig von Umschulungsbemühungen, da Automatisierung tendenziell den gesamten menschlichen Arbeitsaufwand für eine Aufgabe reduziere.
Andere weisen darauf hin, dass SAPs Geschäftsmodell, das auf langfristigen Verträgen mit Unternehmenskunden beruhe, dem Konzern mehr Spielraum zum Experimentieren verschaffen könnte als Firmen, die unter schärferem Wettbewerbsdruck stünden. Kundenbeziehungen, die über Jahre gewachsen seien, ließen sich nicht ohne Weiteres durch Automatisierung ersetzen.
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