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Mission Baltic Sentry: Reaktionszeit bei Seekabelbruch auf eine Stunde verkürzt

Die Nato will ihre Reaktionszeiten auf die Zerstörung von Seekabeln deutlich verbessert haben. Die Reparatur ist zeitaufwendig und teuer.
/ Achim Sawall
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Die deutsche Marine ist auch an der Standing Maritime Group 1 in Nord- und Ostsee beteiligt, hier der Einsatzgruppenversorger A 1413 im Dezember 2025 im norwegischen Nordmeer. (Bild: Bundeswehr/Daniel Angres)
Die deutsche Marine ist auch an der Standing Maritime Group 1 in Nord- und Ostsee beteiligt, hier der Einsatzgruppenversorger A 1413 im Dezember 2025 im norwegischen Nordmeer. Bild: Bundeswehr/Daniel Angres

Ein Jahr nach dem Start der Nato-Mission Baltic Sentry zum Schutz von Pipelines und Unterseekabeln in der Ostsee zieht der Inspekteur der Deutschen Marine, der Vizeadmiral Jan Christian Kaack, eine positive Bilanz. Das sagte Kaack der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . Die Reaktionszeit bei verdächtigen Ereignissen sei von 17 Stunden auf eine Stunde verkürzt worden.

Ein Sprecher der Deutschen Marine sagte Golem: "Es geht um die Reaktionszeit, insbesondere bei verdächtigen Ereignissen, hinter denen beispielsweise Sabotageakte vermuten werden können. Mit Baltic Sentry reagiert die NATO darauf in der Ostsee und es gelingt immer besser, mögliche Verursacher schnell zu identifizieren und einer Strafverfolgung zu zuführen. Diese Schnelligkeit braucht es, um wirksam abschrecken zu können."

Immer wieder hatte es in der Ostsee Sabotageakte gegeben. Schiffe mit Verbindungen zu Russland sollen dabei mehrfach vorsätzlich mit Schiffsankern Seekabel zerstört haben. Seit 2025 gab es mindestens fünf größere Vorfälle, bei denen Russland-nahe Schiffe Glasfaserkabel in der Ostsee beschädigten.

Hybride Auseinandersetzung um Gotland und den Finnischen Meerbusen

Besonders die Region um Gotland und der Finnische Meerbusen haben sich zu Brennpunkten einer hybriden Auseinandersetzung entwickelt. Diese geht weit über bloße Unfälle hinaus und dient der Machtdemonstration und Aufklärung über die Reparaturgeschwindigkeiten der Nato-Staaten. Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ergaben zudem, dass ein ukrainisches Geheimkommando im September 2022 die Ostsee-Pipelines Nord Stream von Russland nach Deutschland gesprengt hat.

Seekabelbetreiber rund um die Uhr im Einsatz

Google erklärte auf einer Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion ITU , dass die technischen Zentren der einzelnen Seekabelbetreiber rund um die Uhr besetzt seien: "Dort kommen die Meldungen zu Störungen zuerst an."

Nach der ungefähren Feststellung der Schadensstelle würden Reparaturschiffe losgeschickt. "Das entscheidet man nicht leichtfertig, weil es mehrere Millionen US-Dollar kostet, ein Reparaturschiff zu entsenden" , erklärte Google.

Russische Streitkräfte sind kampferprobt

Kaack warnte vor einer zunehmenden Bedrohung durch Russland auf See. "Die Bedrohung ist real und weit entfernt von statisch" , sagte er. Die russischen Streitkräfte wüchsen sowohl an Menschen als auch an Fähigkeiten, die im Ukraine-Krieg täglich erprobt würden.

Besonders in der Ostsee habe die Aggressivität in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Man beobachte vermehrt tief anfliegende russische Flugzeuge über Nato-Schiffen und aggressivere Annäherungen. "Das ist gefährlich, denn dadurch kann es leicht zu einer Eskalation durch Zufall kommen" , sagte Kaack.

Um das zu verhindern, würden die Kommandantinnen und Kommandanten gezielt auf solche Situationen vorbereitet. Es gebe klare Verhaltensregeln. Zudem würden diese Szenarien in militärischen Planspielen regelmäßig durchgespielt.


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