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Missbrauchsverfahren: Vodafone will sich vor 1&1 und Bundeskartellamt schützen

Vodafone wirft dem Bundeskartellamt Voreingenommenheit im Rechtsstreit mit 1&1 vor. Es geht um die Antennenstandorte von Vantage Towers für den neuen Netzbetreiber.
/ Achim Sawall
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Einer der von Vantage Towers errichteten Antennenstandorte in Frankfurt (Bild: Vantage Towers)
Einer der von Vantage Towers errichteten Antennenstandorte in Frankfurt Bild: Vantage Towers

Vodafone will sich vor der Voreingenommenheit des Bundeskartellamts im Fall 1&1 schützen. Beim Düsseldorfer Oberlandesgericht stellte Vodafone daher einen Antrag auf vorbeugenden Rechtsschutz in einem Missbrauchsverfahren. Ein Vodafone-Sprecher sagte Golem auf Anfrage: "Wir haben beim 1. Kartellsenat einstweiligen Rechtsschutz gegen die mögliche Entscheidung des Bundeskartellamts beantragt, um diese aufzuhalten, bis der Senat über unseren Antrag entscheidet."

Vodafone und Vantage Towers hätten 1&1 bei der Bereitstellung von vertraglich zugesagten Antennenstandorten wahrscheinlich kartellrechtswidrig behindert, erklärte das Bundeskartellamt im April 2025. Das Infrastrukturunternehmen Vantage Towers gehört mehrheitlich nicht mehr Vodafone.

Das Bundeskartellamt habe zentrale Verfahrensregeln missachtet und während des gesamten Verfahrens mit deutlicher Voreingenommenheit zugunsten von 1&1 gehandelt, "wie sich klar aus den uns jetzt einsehbaren Akten ergibt" , erklärte Vodafone weiter. Wegen dieser "Verfahrensverstöße wäre jede Entscheidung der Behörde rechtswidrig" , argumentierte das Unternehmen. Vodafones Rechtsanwalt führt auch Treffen des Bundeskartellamtschefs Andreas Mund mit United-Internet-Chef Ralph Dommermuth an.

Vodafone: "Wenn nötig durch alle gerichtlichen Instanzen"

In einem "klaren Fall von Kompetenzüberschreitung" scheine das Bundeskartellamt eine politische Agenda zu verfolgen und einen vierten Netzbetreiber etablieren zu wollen. "Sollte eine rechtswidrige Entscheidung ergehen, wird Vodafone alle rechtlichen Schritte einleiten, wenn nötig durch alle gerichtlichen Instanzen. Eine solche Entscheidung wird einer umfassenden gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten" , betonte der Sprecher.

Branchenbeobachter wenden ein, dass 1&1 auch ohne angebliche Behinderung durch Vantage Tower sein eigenes Netz nur extrem schleppend aufbaut. Im dritten Quartal 2025 hatte der Netzbetreiber nach eigenen Angaben nur 1.500 eigene Antennenstandorte. Eigene Mobilfunkzellen von 1&1 zeigten bei den jüngsten Messungen von Umlaut/Connect(öffnet im neuen Fenster) nur einen niedrigen Anteil in den gesamten Crowd-Daten.

1&1 fühlt sich weiter benachteiligt

Das Kartellamt könnte Vantage Tower in einer jetzt anstehenden Entscheidung verpflichten, Antennenstandorte bereitzustellen. Die Behörde erklärte, das Verfahren gegen Vantage Towers und Vodafone "selbstverständlich unbefangen und unvoreingenommen" zu führen. "Der Vorwurf, dass die Verfahrensführung in diesem Verfahren einseitig oder ungewöhnlich und abweichend von anderen Verfahren gewesen sein soll, entbehrt jeglicher Grundlage" .

Laut 1&1 komme Vantage Towers seinen vertraglichen Verpflichtungen bis heute nicht nach. "Leider verzögert sich die Bereitstellung zugesagter Antennenstandorte weiterhin massiv", sagte eine Sprecherin.


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