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Miranda: Uranus-Eismond könnte einen gigantischen Ozean beherbergen

Ein Forschungsteam hat sich die Daten der Raumsonde Voyager 2 genauer angeschaut: Eismond Miranda könnte heute noch einen flüssigen Ozean besitzen.
/ Patrick Klapetz
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Miranda: Der Eismond des Uranus aufgenommen von der Nasa-Raumsonde Voyager 2 am 24. Januar 1986. (Bild: Nasa, Jet Propulsion Laboratory-Caltech)
Miranda: Der Eismond des Uranus aufgenommen von der Nasa-Raumsonde Voyager 2 am 24. Januar 1986. Bild: Nasa, Jet Propulsion Laboratory-Caltech

Neue Erkenntnisse der Raumsonde Voyager 2 deuten darauf hin, dass der kleine Uranus-Mond Miranda einen tiefen Ozean aus flüssigem Wasser unter der Oberfläche beherbergt haben könnte. Ein US-Forschungsteam geht davon aus(öffnet im neuen Fenster) , dass noch heute Überreste dieses Ozeans existierten. Uranus ist einer der ältesten Planeten in unserem Sonnensystem.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte Voyager 2 im Jahr 1986 auch auf einen Vorbeiflug zum Uranus geschickt. Dabei entstanden Aufnahmen von der Südhalbkugel Mirandas. Diese zeigen auf dessen Oberfläche verschiedene geologische Merkmale wie zerklüftetes Gelände, raue Steilhänge und Kratergebiete.

Auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen

Das Team erstellte nun zunächst eine Karte der verschiedenen Oberflächenmerkmale des Mondes, dazu gehörten Risse und Grate (scharfer Bergrücken im Hochgebirge). Anschließend konstruierte es ein Computermodell. Damit wurden mögliche Zusammensetzungen des Mondinneren simuliert, um die auf der Mondoberfläche sichtbaren Spannungsmuster verständlich zu erklären.

Ein Ozean unter der Oberfläche von Miranda lieferte die plausibelste Erklärung für die heutige Oberflächenbeschaffenheit des Eismondes. Dieser soll vor 100 bis 500 Millionen Jahren existiert haben und könnte einst 100 Kilometer tief gewesen sein – verborgen von 30 Kilometer dickem Oberflächeneis.

Da Miranda nur einen Radius von 235 Kilometern hat, hätte der Ozean fast die Hälfte des gesamten Mondkörpers eingenommen. Vermutlich waren die Gezeitenkräfte zwischen Miranda und anderen nahegelegenen Monden dafür verantwortlich, dass genug Reibungsenergie erzeugt wurde. Dadurch blieb das Innere von Miranda warm genug, um einen flüssigen Ozean – weit außerhalb der habitablen (bewohnbaren) Zone der Sonne – zu erhalten.

Einst flüssig, heute gefroren – aber vollständig?

Doch Miranda geriet durch einen anderen Uranus-Mond aus dem Takt. Dadurch verlangsamte sich der Erwärmungsprozess und das Innere des Mondes kühlte ab und erstarrte schließlich zu Eis.

Die Forschungsgruppe glaubt aber nicht, dass der Ozean vollständig zufror. Dafür hätte er sich ausdehnen müssen, und das hätte zu Rissen in der Oberfläche geführt, erklärten die Wissenschaftler. Diese seien aber nicht vorhanden.

"Es ist unglaublich überraschend, in einem kleinen Objekt wie Miranda Hinweise auf einen Ozean zu finden" , teilte Tom Nordheim vom Johns Hopkins Applied Physics Laboratory APL mit(öffnet im neuen Fenster) . "Wir holen das letzte bisschen Wissenschaft aus den Bildern von Voyager 2 heraus." Ob es tatsächlich einen Ozean auf Miranda gibt, wird man erst wissen, wenn eine neue Raumsonde weitere Daten sammelt.

Ein möglicher Ozean auf Miranda dürfte heute nur noch sehr flach sein. Von seiner Zusammensetzung und Größe ähnelt der Trabant dem Saturnmond Enceladus . Dieser besitzt aktive Kryovulkane, die Material ins Weltall abgeben . Das könnte theoretisch auch bei Miranda der Fall sein. Jedoch heißt das nicht, dass es dort auch Leben geben kann . Dafür gebe es noch zu viel, das man über Miranda und die anderen Uranus-Monde nicht wisse, sagte Nordheim.

Zur Studie

Constraining Ocean and Ice Shell Thickness on Miranda from Surface Geological Structures and Stress Modeling(öffnet im neuen Fenster) (Einschränkung der Dicke von Ozean- und Eisschalen auf Miranda durch geologische Oberflächenstrukturen und Spannungsmodellierung) erschien am 15. Oktober 2024 in der Fachzeitschrift The Planetary Science Journal.


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