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Nach wie vor gibt es zu wenige weibliche Vorbilder

"Jungen orientieren sich in ihrer Berufswahl natürlich erst einmal an Männern und Mädchen an Frauen", sagt "Komm, mach MINT"-Projektleiterin Struwe. Während Jungen den Glauben an ihre technischen Fähigkeiten in einer Vielzahl von in der Öffentlichkeit präsenten MINT-Männern bestätigt sehen (von Mathematikern wie Pythagoras bis zu Galileo Galilei, Konrad Zuse und Bill Gates), können Mädchen nicht auf diese Ahnenreihe zurückblicken.

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Bis in das 20. Jahrhundert hinein war Frauen in Europa der Zugang zu Universitäten und damit naturwissenschaftlicher Forschung untersagt. Da ausschließlich Männer gefördert wurden, mangelt es noch heute an weiblichen Vorbildern, mit denen sich Mädchen identifizieren und somit ihren Glauben an die eigenen technischen Lösungsfähigkeiten stärken können. "Interessen und Neigungen werden durch geschlechtsstereotype Konnotationen verstärkt. Da viele Männer technische Berufe haben - Väter, Onkel, Bekannte - haben Jungen viele Vorbilder, um sich mit Technik auseinanderzusetzen und werden dadurch in ihrem Zugang bestärkt", sagt Struwe.

Es gibt hier keine Diskriminierung von Jungen, sagt der Ethiker

Georg Friedrich Hegel, im 19. Jahrhundert einer der einflussreichsten deutschen Philosophen und Lehrstuhlinhaber an staatlich finanzierten Universitäten, war selbst ein großer Förderer für "Jungen in MINT-Berufen". In den "Grundlinien der Philosophie des Rechts" vermittelte er seinen Studenten: "Frauen können wohl gebildet sein, aber für die höheren Wissenschaften sind sie nicht gemacht. Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist der des Tieres und der Pflanze; das Tier entspricht mehr dem Charakter des Mannes, die Pflanze mehr dem der Frau."

"Von einer Diskriminierung der Jungen durch geschlechtsspezifische Förderprogramme könnte man nur sprechen, wenn bereits ein paritätischer Ausgangszustand herrschen würde", sagt Speith. Sprich: Wenn annähernd die Hälfte aller Studienplätze in Informatik von Mädchen besetzt wären und sie weiterhin mit einem Extra-Programm gefördert würden, an dem Jungen nicht teilnehmen dürften.

Anders gesagt: Für Jungen existiert bereits ein riesiges "Förderprojekt". Es ist die Praxis, in der ihnen lange vermittelt wurde, im Gegensatz zu Frauen eine besondere naturwissenschaftliche Begabung zu besitzen. Diese historische Hypothek ist ein Förderprogramm für Jungen in Mammutgröße, dessen Effektivität durch keine staatliche Initiative für Mädchen aufgewogen werden kann.

Eine Diskriminierung wäre nur vorhanden, wenn es für historisches Unrecht ein "Strafprogramm" gäbe, in dem Jungen eingeredet würde, sie seien nicht für MINT-Berufe geeignet. "Eine solche 'Auge für Auge, Zahn um Zahn'-Begründung ist nicht zu rechtfertigen, da ein Unrecht niemals ein anderes wiedergutmachen kann und sollte", sagt der Ethiker Speith.

Unter den staatlichen Förderprogrammen für MINT-Berufe sind Projekte ausschließlich für Mädchen übrigens in der Unterzahl. Das Mentoring-Programm mit dem passenden Namen "MINTORING", in dem Studierende Abiturienten beraten, ist für Jungen wie Mädchen konzipiert. Das Projekt "Talent Take Off" der Fraunhofer-Gesellschaft, das Schüler und Schülerinnen mit in Naturwissenschaften und Technik arbeitenden Berufstätigen verbindet, ebenfalls.

Auch die Wettbewerbe "Jugend forscht", "Bundesweit Informatiknachwuchs fördern" mit dem "Informatik-Biber" oder der nanotechnologische Schülerwettbewerb "Invent A Chip" fördern Schüler-Teams mit allen Geschlechtern. Nicht zuletzt gibt es die Kampagne "Klischeefrei": Ihr Credo ist, dass Mädchen und Jungen die Wahl ihres Ausbildungswegs unabhängig von Geschlechterklischees treffen und sich nach ihren individuellen Stärken und Talenten für ihren Traumberuf entscheiden sollen.

Wer also davon ausgeht, dass Männer durch Förderprogramme für Frauen in der IT diskriminiert werden, der sieht nicht die Auswirkungen des jahrhundertelangFörderprogramms für Männer, das ihnen einredete, bessere Naturwissenschaftler aufgrund ihres Geschlechts zu sein. Moderne Förderprogramme begehen diesen Fehler nicht ein zweites Mal und vermitteln positive Selbstbestärkung für Frauen, ohne Männer abzuwerten.

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am (golem.de) 17. Sep 2019

Da in Bezug auf diesen Artikel offenbar die sachlichen Argumente zum Thema erschöpfend...

supergurki 17. Sep 2019

Nein, das ist es nicht. Der Artikel erklärt auch nicht warum, sondern schiebt Gründe vor.

LRU 17. Sep 2019

Ich glaube dir, dass du es ehrlich meinst. Wenn man aus eigenem Interesse den Weg...

arthurdont 17. Sep 2019

Kann ich nicht bestätigen. In der FH wurden bei uns fast alle Arbeiten mit "unbegrenztem...

ZuWortMelder 17. Sep 2019

Dass bestimmte Berufe besser bezahlt werden, als jene, die gesellschaftlich wichtiger...


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