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Mint-Allianz Wir bleiben schlau!: Wir bleiben unwissend!

Mit "Wir bleiben schlau!" experimentieren Schüler online. Nervig ist es, sich im Wirrwarr des MINT-Angebots der Regierung zurechtzufinden.
/ Oliver Nickel
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Beim Nutzen von "Wir bleiben schlau!" kommen Fragezeichen auf. (Bild: Pixabay.com)
Beim Nutzen von "Wir bleiben schlau!" kommen Fragezeichen auf. Bild: Pixabay.com / CC0 1.0

"Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor vollkommen neue Herausforderungen" , schreibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Vorstellung der MINT-Allianz. Die staatliche Institution und 50 Partner aus der freien Wirtschaft haben sich zusammengeschlossen, um für Schüler Lernangebote online zur Verfügung zu stellen. Unter dem Motto "Wir bleiben schlau!" fassen die Akteure diverse Aktivitäten zusammen, die sich vor allem mit MINT-Themen beschäftigen, also den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Die Idee ist spannend und kommt in diesen Zeiten genau richtig, allerdings ist die Seite derzeit eher unübersichtlich und sperrig als hilfreich. Schüler dürften sich schnell in einer Vielzahl von Domains verlieren – und damit schnell die Lust darauf. Schon im Eingangsvideo, das selbst auf einer separaten Seite eingebettet ist, werden drei verschiedene URLs genannt, die allesamt auf verschiedene Teilwebseiten führen: www.mintmagie.de(öffnet im neuen Fenster) , bildung-forschung.digital(öffnet im neuen Fenster) und wir-bleiben-schlau.de(öffnet im neuen Fenster) sind einige Beispiele. Letztere Domain leitet einfach auf die Seite bildung-forschung.digital(öffnet im neuen Fenster) weiter.

HTTPS wird überbewertet

Die Hauptanlaufstelle www.mintmagie.de(öffnet im neuen Fenster) ist leider nicht standardmäßig per HTTPS abgesichert, was einem Standard-Webbrowser und damit auch Eltern und Schülern auffallen dürfte. Die Verlinkungen von der Startseite der Initiative nutzen das Protokoll aber. Nur ein direkter Aufruf der URL ist ungesichert. Auf dieser Seite müssen Nutzer sehr lange scrollen, bis sie schlussendlich zu den relevanten Angeboten gelangen. Zuvor führt sie die Reise an Veranstaltungen wie Azubi-Studientagen und dem Robocup vorbei, die mit einem nicht mehr aktuellem Datum versehen sind. Kurz darauf folgen Angebote mit Links, die noch nicht funktionieren. Dabei versucht die Initiative mit Instagram-Beiträgen(öffnet im neuen Fenster) , auch eine junge Zielgruppe anzusprechen, was mit Illustrationen im Stil von Youtube-Kanälen wie Kurzgesagt untermauert wird – eine gute Idee.

Nachdem Nutzer einige Minuten nach der Angebotsübersicht suchen müssen – Spoiler: Sie ist an der rechten oberen Ecke in einem blauen Panel(öffnet im neuen Fenster) zu finden – werden sie mit einer weiteren Linksammlung konfrontiert. Die ist zumindest recht übersichtlich in ausklappbaren Menüs untergebracht und nach Kategorien sortiert.

Werbung für Kids

Einige Partner sind mit ihren Angeboten wirklich kreativ: So bietet die Vodafone-Stiftung(öffnet im neuen Fenster) etwa Bastelprojekte für zu Hause an, die Origami mit LED-Schaltkreisen oder Ostergrußkarten mit dem Low-Code-Programmiertool Scratch erklären. Die wissenschaftliche Institution Helmholtz(öffnet im neuen Fenster) stellt diverse Videos online, die Experimente für zu Hause zeigen. Für Schüler der Sekundarstufe 2 werden diverse Kurse und Informationen für die Vorbereitung auf den Universitätsalltag vorgestellt.

Andere Unternehmen nutzen die Gelegenheit, um für ihre Produkte Werbung zu machen. "Hallo Eltern! Die folgenden Übungen machen am meisten Spaß, wenn sie direkt an einem Calliope mini entwickelt werden." , schreibt der Hersteller Calliope.cc(öffnet im neuen Fenster) vor seine Übungen. Damit sollen diverse kleine Bastelprojekte möglich sein. Der Partner SAP verlinkt auf seine Webseite Young Thinkers(öffnet im neuen Fenster) , die komplett auf Englisch geschrieben ist und sich daher für jüngere Interessenten eher weniger eignet.

Die Initiative "Wir bleiben schlau!" Ist zu unübersichtlich und dezentral, als dass sie Schülern einen großen Vorteil bringt. Das gilt besonders mit Blick auf Plattformen wie Youtube, die Tausende Tutorialvideos, Experimente und andere Inhalte bieten. Sicherlich ist das Ergebnis auch der Hektik geschuldet, in der das Projekt als Reaktion auf die Coronakrise entstanden ist. Das müssen wir der Bundesregierung und den Partnern lassen: Schnell reagiert haben sie auf jeden Fall. Jetzt geht es daran, die an sich gut gemeinte Plattform stetig zu verbessern.


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