Abo
  • Services:
Anzeige
Frankreichs Innenminister Cazeneuve (l.) und sein deutscher Amtskollege de Maizière
Frankreichs Innenminister Cazeneuve (l.) und sein deutscher Amtskollege de Maizière (Bild: bmi.bund.de)

Ministertreffen: Kryptische Vorschläge zur Entschlüsselung von Kommunikation

Frankreichs Innenminister Cazeneuve (l.) und sein deutscher Amtskollege de Maizière
Frankreichs Innenminister Cazeneuve (l.) und sein deutscher Amtskollege de Maizière (Bild: bmi.bund.de)

Die Regierungen von Deutschland und Frankreich wollen Kommunikationsdienste verpflichten, verschlüsselte Nachrichten der Nutzer zu entschlüsseln. Es bleibt unklar, wie das ohne Hintertüren gehen soll.

Wie lässt sich auf Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zugreifen, ohne die gesamte Kryptographie mit Backdoors und Masterkey schwächen zu müssen? Die Regierungen von Deutschland und Frankreich planen eine europäische Initiative, um dieses seit Jahrzehnten diskutierte Problem zu lösen. Dabei sollen die Anbieter verpflichtet werden, auf Anforderung der Behörden verschlüsselte Kommunikation von Terrorverdächtigen zu entschlüsseln. Wie das gehen soll, ließen die Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bernard Cazeneuve bei einem Treffen am Dienstag in Paris offen.

Anzeige

Vor allem de Maizière dürfte in Erklärungsnöte geraten, wenn er Hintertüren in Verschlüsselungsprogrammen offen verlangen würde. Schließlich hatte er früher gefordert, dass "Deutschland Verschlüsselungs-Standort Nr. 1" werden müsse. Entsprechend kryptisch liest sich die Pressemitteilung seines Ministeriums. Darin heißt es: "Es müssen Lösungen gefunden werden, die effektive Ermittlungen mit Blick auf verschlüsselte Daten im Zusammenhang mit terroristischen Aktionen ermöglichen und zugleich der Notwendigkeit des Schutzes digitaler Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger durch Gewährleistung der Erhältlichkeit starker Kryptographie-Systeme sowie dem Grundsatz der Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit, den Grundrechten und dem Rechtsstaat Rechnung tragen." Selbst die NSA hätte wohl ihre Schwierigkeiten, diesen Satz zu entschlüsseln.

Pflicht zur Entschlüsselung gefordert

Klarer äußerte sich dagegen sein Amtskollege Cazeneuve. In der Mitteilung seines Ministeriums wird die Europäische Kommission aufgefordert, die Rechte und Pflichten von Kommunikationsdienstleistern zu regeln. Unabhängig davon, ob sie ihren Sitz in der EU haben oder nicht. Unkooperative Anbieter sollten verpflichtet werden können, "illegale Inhalte zu entfernen oder im Rahmen von Ermittlungen Nachrichten zu entschlüsseln".

Allerdings räumte Cazeneuve ein, dass das Prinzip der Verschlüsselung nicht in Frage gestellt werden dürfe. Denn es ermögliche sichere Kommunikation und finanzielle Transaktionen. Allerdings müsse verschlüsselte Kommunikation als Beweismittel bei Ermittlungen und Gerichtsverfahren verwendet werden können.

Finanztransaktionen sollen sicher bleiben

Das heißt: Wenn Anbieter wie Telegram oder Whatsapp tatsächlich verpflichtet werden sollen, verschlüsselte Kommunikation ihrer Nutzer herauszugeben, ist das nur über eine Schwächung der Verschlüsselung möglich. Eine Neuauflage der Crypto Wars der 1990er Jahre wäre unvermeidlich. Bislang heißt es beispielsweise bei Whatsapp: "Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp stellt sicher, dass nur du und die Person, mit der du kommunizierst, lesen kann, was gesendet wurde, und niemand dazwischen, nicht einmal WhatsApp."

Cazeneuve erwähnte in seiner Rede, dass es auf nationaler Ebene "gute Gespräche" mit den Anbietern gebe und Sicherheitsbehörden schneller und effektiver an Daten gelangten. Allerdings kooperierten nicht alle Anbieter nicht auf gleiche Weise mit den Behörden. Vor allem dann nicht, wenn es dafür keinen Ansprechpartner gebe.

Behörde soll Kommunikation entschlüsseln

De Maizière hatte vor zehn Tagen selbst einen umfangreichen Maßnahmenkatalog "zur Erhöhung der Sicherheit in Deutschland" präsentiert. Dazu gehört auch die Schaffung einer Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis). Diese Behörde soll der Bundespolizei, dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Verfassungsschutz dabei helfen, verschlüsselte Nachrichten zu dechiffrieren, die beispielsweise über Apples iPhone oder Messengerdienste wie Whatsapp, Signal oder Threema verschickt werden.

De Maizière hatte sich im vergangenen Jahr mehrfach gegen Überlegungen gewandt, Hersteller von Handys oder Anbieter von Messengerdiensten zur Einrichtung von Backdoors zu zwingen. Stattdessen setzt er eher auf technische Maßnahmen und will die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung durch Trojaner. Der nun gewählte Weg hat für ihn allerdings den Vorteil, dass nun die EU-Kommission am Zug ist und sein Ministerium nicht selbst einen Vorschlag erarbeiten muss. Ob der Kommission die berühmte Quadratur des Kreises auf diesem Gebiet gelingen wird, ist eher zweifelhaft. Bürgerrechtsorganisationen wie die EFF gehen davon aus, dass es immer genug freie Verschlüsselungssoftware geben werde, die sich nicht abhören lasse.


eye home zur Startseite
idiotikum 24. Aug 2016

Nicht jeder ist ein "Computer-Profi" und hat bock das ganze (zum Teil kompliziert...

NanuBrot 24. Aug 2016

Mit denen kann man nicht mal Monopoly Spielen. Nicht wegen Falsch- sondern Schwarzgeld...

NobodZ 24. Aug 2016

... nicht nur in den letzten Tagen...

unbuntu 24. Aug 2016

Wenn man Kryptographie verbietet kann man auch gleich ein Schild aufstellen, dass IT...

hyperlord 24. Aug 2016

Haha, das wärs noch. Oder Bücher ala "1000 ganz legale Verschlüsselungstricks"... Mir...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Strautmann, Bad Laer
  2. L. STROETMANN Lebensmittel GmbH & Co. KG, Münster
  3. Bertrandt Services GmbH, Hannover
  4. cadooz GmbH, Hamburg


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Logan Blu-ray 9,97€, Deadpool Blu-ray 8,97€, Fifty Shades of Grey Blu-ray 11,97€)
  2. (u. a. Hacksaw Ridge, Deadpool, Blade Runner, Kingsman, Arrival)

Folgen Sie uns
       


  1. Fertigungstechnik

    Intel steckt Kobalt und 4,5 Milliarden US-Dollar in Chips

  2. Homepod im Test

    Smarter Lautsprecher für den Apple-affinen Popfan

  3. Microsoft

    Xbox One bekommt native Unterstützung für 1440p-Auflösung

  4. Google

    Pixel 2 XL lädt langsamer unterhalb von 20 Grad

  5. Wikipedia Zero

    Wikimedia-Foundation will Zero-Rating noch 2018 beenden

  6. Konami

    Metal Gear Survive und Bildraten für Überlebenskünstler

  7. Markenrecht

    Microsoft entfernt App von Windows Area aus Store

  8. Arbeitsrecht

    Google durfte Entwickler wegen sexistischer Memos entlassen

  9. Spielzeug

    Laser Tag mit Harry-Potter-Zauberstäben

  10. Age of Empires Definitive Edition Test

    Trotz neuem Look zu rückständig



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Fujitsu Lifebook U727 im Test: Kleines, blinkendes Anschlusswunder
Fujitsu Lifebook U727 im Test
Kleines, blinkendes Anschlusswunder
  1. Palmsecure Windows Hello wird bald Fujitsus Venenscanner unterstützen
  2. HP und Fujitsu Mechanischer Docking-Port bleibt bis 2019
  3. Stylistic Q738 Fujitsus 789-Gramm-Tablet kommt mit vielen Anschlüssen

Kingdom Come Deliverance im Test: Mittelalter, Speicherschnaps und klirrende Klingen
Kingdom Come Deliverance im Test
Mittelalter, Speicherschnaps und klirrende Klingen
  1. Kingdom Come Deliverance Von unendlich viel Rettungsschnaps und dem Ninja-Ritter
  2. Kingdom Come Deliverance Auf der Xbox One X wird das Mittelalter am schönsten
  3. Kingdom Come Deliverance angespielt Und täglich grüßt das Mittelalter

Chargery: 150 Kilo Watt auf drei Rädern
Chargery
150 Kilo Watt auf drei Rädern
  1. Europa-SPD Milliardenfonds zum Ausbau von Elektrotankstellen gefordert
  2. Elektromobilität China subventioniert Elektroautos mit großer Reichweite
  3. Elektromobilität Dyson entwickelt drei Elektroautos

  1. Re: Playstation bitte nachrücken

    highfive | 15:01

  2. Re: XBox One X ist ein Totalflop :-)

    timmphy | 15:00

  3. ++

    teenriot* | 14:59

  4. Re: Was soll "Elektronenmigration"

    schily | 14:58

  5. Re: Problem sitzt in den USA und nicht in Russland

    teenriot* | 14:56


  1. 12:20

  2. 12:01

  3. 11:52

  4. 11:49

  5. 11:39

  6. 10:58

  7. 10:28

  8. 10:13


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel