Miniplatine: Ist das Raspberry Pi jetzt offene Hardware?

Die Definition von offener Hardware scheint einfach: Sie muss von jedem nachgebaut werden können. Tatsächlich entscheidet aber die dazugehörige Software, ob Hardware offen ist oder nicht.

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Ist das Raspberry Pi jetzt offene Hardware oder nicht?
Ist das Raspberry Pi jetzt offene Hardware oder nicht? (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)

Dass Broadcom die Spezifikationen und den Quellcode für den bauähnlichen SoC im Raspberry Pi veröffentlicht hat, ist ein wichtiger Schritt. Aber erfüllt der kleine Rechner damit die Anforderungen offener Hardware? Nach wie vor gibt es zahlreiche unterschiedliche Auslegungen darüber, was Open-Source-Hardware ist und was nicht.

Inhalt:
  1. Miniplatine: Ist das Raspberry Pi jetzt offene Hardware?
  2. Für die FSF ist die Software wichtig

Die wesentlichen, recht einfachen Kriterien für Open Hardware: Jeder Anwender kann das Gerät nachbauen. Der Hersteller ist für eine Zertifizierung dazu verpflichtet, die Spezifikationen des Geräts offenzulegen. Außerdem sollen die Komponenten frei erhältlich sein.

Keine offene Hardware ohne offene Software

Tatsächlich spielt aber die Software oftmals eine entscheidende Rolle dafür, ob Hardware wirklich offen ist. Denn ohne sie laufen die meisten IT-Geräte nicht. Veröffentlicht ein Hardwarehersteller beispielsweise das Layout eines SoC, erschließt sich für viele Programmierer daraus nicht unbedingt ein möglicher Code, um den SoC korrekt anzusprechen. Erst mit der Veröffentlichung des Quellcodes der dazugehörigen Treiber kann das Gerät ordentlich und in vollem Umfang genutzt werden.

Daher gibt es auch unterschiedliche Auslegungen, was denn genau offene Hardware sein soll. Die Definition der Open Source Hardware Association (OSHA) ist ziemlich knapp gehalten: Die Software, die für den Betrieb der Hardware benötigt wird, muss unter einer Open-Source-Lizenz stehen, die von dem Open Source Institute (OSI) gutgeheißen wird. Und die Hardware muss mit dieser Software vollkommen funktionsfähig sein. Die Software darf also auch unter Lizenzen wie MIT oder BSD gestellt werden, die nicht immer mit der strikteren GPL und dem Copyleft vereinbar sind.

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Software, die unter die BSD-Lizenz gestellt ist, kann später von anderen in proprietäre Software verwandelt werden. Das verbietet die GPL explizit. Außerdem muss veränderter BSD-Code nicht in den ursprünglichen Code zurückfließen, Code, der unter der GPL steht, muss hingegen dem ursprünglichen Projekt wieder zur Verfügung gestellt werden. Theoretisch könnte also auch die Hardware mit zusätzlichen Funktionen in solcher Software genutzt werden, die dann nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss. Denn laut OSHWA-Text muss die Software lediglich die "essenziellen" Funktionen der Hardware unterstützen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zusätzliche Funktionen, etwa die 3D-Beschleunigung von Grafikchips, nicht durch die Kriterien der Open-Source-Hardware-Lizenz abgedeckt sein müssen, sofern der Hersteller oder die Community sie nicht als essenziell erachtet, etwa bei Grafikkarten von Nvidia unter Linux.

Das wirft die Frage auf, ob nicht vielleicht das Raspberry Pi tatsächlich nach Auslegung der OSHWA bereits Open-Source-Hardware ist. Ohne den Binär-Blob ist das Raspberry Pi nicht startfähig. Dieser ist gleichzeitig das BIOS für den gesamten SoC. Selbst ein Framebuffer-Treiber muss über den proprietären Binärblog auf die Hardware zugreifen.

Ohnehin sind die Regeln der Open Source Hardware Alliance nur als Gesellschaftsvertrag gedacht, wie die neue OSHWA-Chefin Alicia Gibb schreibt. Sie verweist auf die Open Source Hardware and Design Alliance (OHANDA), die mit ihren vier Grundregeln eine deutlich engere Definition von offener Hardware postuliert.

Regel 2 besagt, dass Anwender die Gelegenheit haben müssen, Hardware genau zu studieren und auch nach eigenen Wünschen zu verändern. Dazu müsse das komplette Design offenliegen. Und sämtliche in der neuen Hardware verwendete Komponenten müssten ebenfalls offene Hardware sein, wenn auch nicht von OHANDA abgesegnet. Das ist beim SoC im Raspberry Pi nicht der Fall, denn Broadcom hat Dokumentation und Sourcecode für ähnliche SoCs veröffentlicht, nicht aber für das SoC auf der Miniplatine.

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Für die FSF ist die Software wichtig 
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Anonymer Nutzer 09. Mär 2014

Du redest von einer schematischen Darstellung? Wo ist sie? Es wird dazu kein Link bereit...

Anonymer Nutzer 07. Mär 2014

Wenn die Festplatte wirklich abschalten sollte, dann hört man das in der Regel an der...

MarioWario 06. Mär 2014

nie und nimmer wird das je Open-Hardware ! HDMI mit Copyright-Verschlüsselung und USB mit...

Pwnie2012 06. Mär 2014

vllt eine verwechslun mit dem arduino?



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