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Mini-PC: Intel NUC 12 Enthusiast mit Intel Arc A770 im Test

Wir haben uns den kleinen Computer mit Intel Grafikchip angesehen und sehen gerade für den Profi-Bereich und Mediacenter viele Optionen. Die gute Leistung lässt man sich wie üblich bezahlen.
/ Martin Böckmann
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Der kompakte Gaming-PC ist der erste seiner Art mit Intel Arc Alchemist GPU (Bild: Nina Völkel/Golem.de)
Der kompakte Gaming-PC ist der erste seiner Art mit Intel Arc Alchemist GPU Bild: Nina Völkel/Golem.de

Der Intel NUC 12 Enthusiast (Serpent Canyon)(öffnet im neuen Fenster) ist der erste seiner Art mit einer dedizierten Intel GPU. Längst sind die kleinen PCs von Intel nicht mehr nur Kleinstgeräte für den Bürobedarf, sondern auch für Gaming und als Workstation einsetzbar. Unser getestetes Modell mit Intel Core i7-12700H 14-Kern-CPU und Arc A770M mit 16 GByte Grafikspeicher sollte hier ebenfalls eine gute Figur machen.

Optisch gefällt uns der NUC gut, Intel hat hier eine Mischung aus schlichter Funktionalität sowie etwas futuristischer Gamer-Optik samt Beleuchtung geschafft. Der NUC kann entweder liegend, oder in einem mitgelieferten Standfuß vertikal aufgestellt betrieben werden. Das schwarze Plastik scheint allerdings Staub recht schnell anzuziehen.

Die Anschlüsse sind unserer Ansicht nach für einen Desktop-Computer vollständig. Es gibt insgesamt 6x USB 3.1 Typ-A, davon einer mit einer Handy-Ladefunktion. Zweimal Thunderbolt 4 Typ-C mit DisplayPort Alternate Mode, ebenfalls zwei Klinkenanschlüsse für Kopfhörer/Headsets und einen SD-Kartenleser an der Vorderseite. Außerdem einen 2,5 GBit/s LAN-Anschluss. Bildschirme werden über die beiden DisplayPort 2.0 Anschlüsse , sowie HDMI 2.1a verbunden.

Thunderbolt-Displays werden immer per iGPU durchgeschleift

Der Arbeitsspeicher ist in zwei SO-DIMM DDR4 Modulen verbaut, es werden maximal 64 GByte unterstützt. Die Platine hat außerdem drei M.2-Anschlüsse, wovon zwei PCIe Gen4 und einer PCIe Gen3 und SATA unterstützen. Was RAM und Massenspeicher angeht, dürften diese Möglichkeiten die meisten Wünsche abdecken.

Als erste Besonderheit ist dabei zu erwähnen, dass die beiden Thunderbolt 4 Typ-C-Anschlüsse ihr Displaysignal über die integrierte Xe-iGPU des Prozessors erhalten. Dies hat den Vorteil, dass sich so in Kombination mit den dedizierten Displayanschlüssen bis zu fünf 4K-Displays zeitgleich verbinden lassen. Da können selbst ausgewachsene Desktop-Systeme nicht immer mithalten. Nachteilig ist jedoch, dass an den Thunderbolt-Ports nicht die volle Grafikleistung zur Verfügung steht.

Durchschleifen ist zwar möglich und funktioniert auch automatisch, sodass die Arc A770M die Rechenaufgaben übernimmt, dennoch ist die Performance im 3DMark FireStrike mit 19.000 statt knapp 24.000 Punkten etwa 20 Prozent geringer, auch in Spielen haben wir hier eine niedrigere Bildrate. Wo möglich sollten daher die drei Anschlüsse auf der Rückseite zuerst verwendet werden, um die volle Leistung nutzen zu können.

CPU und GPU-Performance auf Desktop-Niveau

Die CPU ist mit 14 Kernen (6P+8E)(öffnet im neuen Fenster) durchaus leistungsfähig. Wir messen knappe 20.000 Punkte im Cinebench R23, was durch ein höheres Powerlimit für die eigentlich mit 45 Watt spezifizierte CPU erreicht wird. Der Prozessor kommt damit fast an eine Desktop-CPU heran, was auch das mitgelieferte und recht große 330 Watt Netzteil erklärt. Wir fühlten uns ein wenig an das Netzteil der Xbox-360 erinnert.

Im Desktop-Betrieb ist der Computer stets leise und praktisch nicht hörbar. Die ändert sich jedoch unter Last und im Gaming-Betrieb spürbar. Spielen wir etwa World of Warcraft Shadowlands, steigt die Leistungsaufnahme auf knapp über 200 Watt und die Lüfter drehen deutlich hörbar auf. In 1440p und mit Grafikvoreinstellung sieben schaffen wir es auf durchschnittlich über 120-Fps außerhalb Städten. Für das DX12-Spiel scheint der Intel-Treiber gut geeignet zu sein.

Die Leistungsaufnahme ist durchwachsen. Durch Mobilhardware schafft man es, im Desktopbetrieb mit 20 Watt auszukommen. Für einen leistungsfähigen Gaming-PC durchaus beachtlich. Dies gilt jedoch nur, wenn der Bildschirm per Thunderbolt 4 verbunden ist. Schließen wir ein oder mehrere Displays an einen der Ausgänge unserer Arc A770M direkt an, stehen fast 40 Watt auf der Messuhr. Dies ist zwar für einen Desktop-PC immer noch ein guter Wert, zeugt aber von weiterhin nicht ausgereiften Stromsparmechanismen.

Hoher Preis für den Formfaktor

Fazit: Generell gefällt uns der Computer in diesem Formfaktor sehr gut. Durch den mittlerweile auch für Directx 9 gut optimierten Treiber ist auch die Arc-GPU endlich in beliebten E-Sport-Titeln nutzbar. Kombiniert mit der leistungsfähigen CPU ergibt sich ein gutes Gesamtpaket, welches sich einfach im Rucksack transportieren lässt. Leider ist die Zeit der kleinen LAN-Partys im Freundeskreis vorbei, dafür hätte sich ein solches Gerät perfekt geeignet.

Wer mit vielen Bildschirmen arbeitet, wird die Anschlussmöglichkeiten an dieser Stelle besonders mögen. Fünf Bildschirme gleichzeitig schaffen die meistens PCs hauptsächlich mangels vorhandener Anschlüsse schon nicht. Ob sich die Zahl per Displayport-Splitter noch weiter erhöhen lässt, haben wir nicht getestet. Eine externe GPU dürfte dank Thunderbolt aber in jedem Fall eine Option sein.

Der Preis für den kompakten PC ist hoch. In der von uns getesteten Konfiguration mit 16 GByte RAM und 512 GByte SSD kostet das Gerät rund 1.600 Euro. Das Barebone-System ohne Speicher und SSD gibt es ab 1.429 Euro. Die Konkurrenz von Zotac ist mit einem Einstiegspreis von 1.200 Euro für vergleichbare Systeme etwas günstiger, bietet jedoch weniger Displayanschlüsse und keine Intel Arc GPU.


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