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Milliarden-Debakel: Boeing 777X kommt sieben Jahre zu spät

Boeings größtes Zweistrahler-Projekt entwickelt sich zum teuersten Projekt der Konzerngeschichte. Die 777X sollte 2020 ausgeliefert werden – nun ist 2027 angepeilt.
/ Andreas Donath
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Boeing 777X (Bild: Boeing)
Boeing 777X Bild: Boeing
Inhalt
  1. Milliarden-Debakel: Boeing 777X kommt sieben Jahre zu spät
  2. Technische Spezifikationen der beiden Varianten
  3. Das GE9X: größtes und effizientestes Triebwerk der Welt
  4. Kulturprobleme und Whistleblower

Boeings 777X wird erst 2027 erscheinen – und die Airlines warten weiter. Aktuell sind 622 Bestellungen bekannt; Emirates allein orderte 270 Maschinen. Doch was kann das Flugzeug?

Der steinige Weg zur Zertifizierung

Die FAA-Zulassung durchläuft derzeit Phase 3 von fünf Stufen des Type Inspection Authorization-Prozesses. Diese dritte Phase gilt als die anspruchsvollste: Sie umfasst intensive Prüfungen unter direkter FAA-Aufsicht, umfangreiche Dokumentation und erweiterte Flugtests. Im November 2025 erteilte die Luftfahrtbehörde die Genehmigung für diesen entscheidenden Abschnitt – ein Signal, dass das Programm Fortschritte macht.

Und die Testflotte hat bereits beeindruckende Zahlen aufzuweisen: über 4.100 Flugstunden und mehr als 1.500 Testflüge – mehr als bei jedem anderen Boeing-Flugzeug vor der Zertifizierung. Fünf Testflugzeuge absolvierten Extremtests: in der Hitze Arizonas bis zur Kälte Alaskas, Crosswind-Tests in Texas bei Windgeschwindigkeiten bis 60 Knoten und Bremstests in Oklahoma.

Doch Ende November 2025 kam ein neuer Rückschlag: Bei einer Borescope-Inspektion wurde ein Problem am GE9X-Triebwerk entdeckt. Die Testflüge wurden vorübergehend ausgesetzt, während GE Aerospace(öffnet im neuen Fenster) und Boeing untersuchen, ob es sich um einen isolierten Fertigungsfehler oder einen fundamentalen Konstruktionsmangel handelt.

Eine Chronologie der Verzögerungen

Doch noch mal zum Anfang zurück. Hier die Übersicht der Verzögerungen:

2013 erfolgte der Programmstart auf der Dubai Airshow mit geplanter Auslieferung 2020. Im September 2019 brach eine Frachttür beim Belastungstest. Im Januar 2020 folgte der erste erfolgreiche Testflug, doch im Dezember 2020 trat ein unkontrolliertes Nicken im Flugtest auf, was die Prognose auf 2023-2024 verschob. Im April 2022 wurde die Produktion dann pausiert, die Prognose auf 2025 korrigiert. Im August 2024 entdeckte Boeing Risse in Triebwerkshalterungen, was eine weitere Verschiebung auf 2026 bedeutete. Im Oktober 2025 erfolgte schließlich die offizielle Verschiebung um ein weiteres Jahr auf 2027.


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