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Das GE9X: größtes und effizientestes Triebwerk der Welt

Das Herzstück der 777X sind die GE9X-Triebwerke – mit einem Fan-Durchmesser von 3,4 Metern die größten je für ein Passagierflugzeug gebauten Antriebe. Sie liefern 470 kN Schub (zertifiziert) und erreichten im Test sogar 597 kN – ein Guinness-Weltrekord.

Die technologischen Innovationen sind bemerkenswert: Keramikmatrix-Verbundwerkstoffe (CMC) in Brennkammer und Hochdruckturbine ermöglichen Temperaturen von über 1.300 Grad Celsius bei nur einem Drittel des Gewichts konventioneller Metallteile. Der spezifische Treibstoffverbrauch liegt 10 Prozent unter dem des Vorgängers GE90 und 5 Prozent unter dem konkurrierenden Rolls-Royce Trent XWB.

Das revolutionäre Klappsystem der Flügelspitzen

Die klappbaren Flügelspitzen sind eine Premiere in der kommerziellen Luftfahrt. Ein hydraulisch-elektrisches Scharniersystem von Liebherr Aerospace faltet die äußeren 3,5 Meter jedes Flügels nach oben – die Spannweite reduziert sich von 71,75 auf 64,82 Meter. Der Vorgang dauert etwa 20 Sekunden.

Der Grund: Die ausgefahrene Spannweite würde die 777X in die ICAO-Kategorie F einordnen, dieselbe Klasse wie der A380. Die meisten Flughäfen weltweit haben jedoch nur Code-E-Gates (maximal 65 Meter). Das Klappsystem vermeidet Milliardeninvestitionen der Flughäfen und ermöglicht der 777X die Nutzung bestehender 777-Infrastruktur.

Bestellungen und Airlines: Emirates dominiert

Die 622 Bestellungen verteilen sich auf 13 Kunden, wobei ein Carrier heraussticht: Emirates allein hält 43 Prozent aller Aufträge mit insgesamt 270 Maschinen (235 x 777-9, 35 x 777-8).

Weitere Großkunden sind Qatar Airways mit 94 Bestellungen (60 x 777-9, 34 x 777-8F), Cathay Pacific mit 35 Stück, Singapore Airlines mit 31, die Lufthansa Group mit 27 (20 x 777-9, 7 x 777-8F), Etihad Airways mit 25, Korean Air und ANA mit je 20, British Airways mit 18, China Airlines mit 14, Air India mit 10, Ethiopian Airlines mit 8 und Cargolux mit 10 Frachtern.

Der Emirates-Rekordauftrag vom November 2025

Am ersten Tag der Dubai Airshow 2025 unterschrieb Emirates einen Vertrag über 65 zusätzliche Boeing 777-9 im Wert von 38 Milliarden US-Dollar (Listenpreis). Die Gesamtbestellung der Golf-Airline umfasst nun 270 Maschinen – der größte Einzelauftrag der 777X-Geschichte. Entscheidend: Emirates sicherte sich vertraglich das Recht, Bestellungen in eine mögliche 777-10 umzuwandeln, wenn Boeing diese baut.

Lufthansa als Launch Customer unter Druck

Lufthansa war 2013 der erste europäische Kunde und sollte ursprünglich 2020 die erste 777-9 erhalten. Nun plant die Airline mit einer Auslieferung frühestens 2027. Die Flotte wird die neue Allegris-Kabine erhalten, doch auch hier gab es Verzögerungen bei der Sitzzertifizierung. Die 20 Boeing 777-9 sollen die alternden Boeing 747-400 und Airbus A340-600 auf Langstrecken ab Frankfurt ersetzen. Sieben 777-8F-Frachter gehen an Lufthansa Cargo.

Vergleich mit dem Hauptkonkurrenten Airbus A350-1000

Die A350-1000 ist seit 2018 im Liniendienst, mit einem siebenjährigen Vorsprung gegenüber der 777-9. Die 777-9 bietet 426 Passagiere bei 13.500 Kilometern Reichweite zum Listenpreis von 442 Millionen US-Dollar. Der Airbus A350-1000 fasst 366 Passagiere bei 16.112 Kilometern Reichweite und kostet 367 Millionen US-Dollar.

Der Airbus A350-1000 ist pro Sitz etwa 11 Prozent treibstoffeffizienter und 75 Millionen US-Dollar günstiger. Die Boeing 777-9 kontert mit 60 zusätzlichen Sitzen und der breitesten Kabine ihrer Klasse. Bei voller Auslastung erreicht die 777-9 vergleichbare Sitzkosten – doch sie benötigt hohe Auslastungsraten, um wirtschaftlich zu sein. Das war schon ein Problem beim Airbus A380, der ebenfalls nur bei sehr hoher Auslastung profitabel ist.

Der fundamentale Wettbewerbsvorteil des Airbus A350: Sie ist sofort verfügbar. Für Airlines, die heute Flugzeuge brauchen, bleibt der Airbus daher die sichere Wahl.

Die Phantomstudie: Kommt eine Boeing 777-10?

Im Rahmen der Dubai-Bestellung verpflichtete sich Boeing zu einer Machbarkeitsstudie für eine gestreckte 777-10. Emirates drängt seit Jahren auf ein Flugzeug, das näher an die A380-Kapazität heranreicht.

Die vorläufigen Eckdaten: etwa 82 Meter Länge, 450 bis 470 Passagiere in zwei Klassen und die Nutzung des bestehenden GE9X-Triebwerks. Boeing-Ingenieure bestätigten, dass die GE9X-Reserven für ein Stretch ausreichen – die kritische Frage ist die Startstrecke bei Triebwerksausfall.

Die Realität: Boeing ist sieben Jahre im Verzug mit der 777-9. Analysten erwarten frühestens 2031 bis 2032 einen möglichen 777-10-Programmstart. Airbus reagierte prompt und kündigte eigene Studien für eine gestreckte A350-2000 an.

Die 777X-Geschichte ist also eine Chronik technischer Rückschläge und struktureller Probleme bei Boeing.


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