Militärsimulationen: Rotes Kreuz fordert Kriegsrecht in Games
Nicht nur in GTA 5, auch sonst kommt es in Actionspielen immer wieder mal zu Folterszenen und zu Angriffen auf Verwundete oder medizinisches Personal oder andere zivile Einrichtungen. Und das auch in Games, die sich Mühe geben, als möglichst authentisch zu gelten, etwa Reihen wie Call of Duty oder Battlefield. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in Genf hat jetzt auf seiner Webseite einen Artikel(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, in dem es mehr Realismus in Kriegsspielen fordert. Konkret sollen auch die Grundsätze des humanitären Völkerrechts simuliert werden.
Grund: Die Organisation "sorgt sich, dass bestimmte Spieleszenarios zu einer Bagatellisierung von ernsten Verletzten des Kriegsrechts führen". Solche Verstöße könnten dann auf echten Schlachtfeldern einfacher als akzeptables Verhalten wahrgenommen werden. Das IKRK betont, dass es nicht um die generelle Gewaltdebatte oder gar um Verbote gehe, und auch zu Fantasy- oder Science-Fiction-Szenarios will sich das Komitee ausdrücklich nicht äußern.
Es arbeitet bereits mit Entwicklern zusammen, um sie für das Thema zu sensibilisieren und sie bei der Umsetzung zu beraten. In einem parallel veröffentlichten Video kommen vor allem Mitarbeiter von Bohemia Interactive zu Wort, die derzeit mit der Fertigstellung von Arma 3 beschäftigt sind. Das Studio aus Prag beliefert nach eigenen Angaben das Militär von mehreren Nato-Staaten, die damit ihre Soldaten trainieren lassen. Das Kriegsrecht spielt in dem Game aber bislang kaum eine Rolle. Ivan Buchta, Kreativchef von Arma 3, sieht die Initiative positiv: "Wir lernen etwas Neues, was wir in das Spiel einbauen können, wir werden authentischer."
Das Thema Kriegsrecht in Militärsimulationen spielt immer wieder mal eine Rolle: So haben 2009 zwei Schweizer Verbände herausgefunden, dass so gut wie jedes Spiel gegen die internationalen Vorgaben verstößt. Und das auch an Stellen, die weniger offensichtlich sind als etwa eine Foltermission: Bereits das Schießen aus einem Helikopter bei Nacht ist problematisch, weil dabei auch Zivilisten in Gefahr geraten könnten.
Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes ist übrigens nur locker mit dem Deutschen Roten Kreuz verbunden, gehört aber ebenso der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung an. Das IKRK kümmert sich auch in anderen Bereichen darum, die Regeln des Völkerrechts bekanntzumachen, und berät immer wieder die Produzenten etwa von Kriegsfilmen.