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Militärisches Logistiksystem: Schweizer Armee erteilt SAP-Lösung eine Absage

Für die Logistik der Schweizer Armee sollte ursprünglich eine Lösung von SAP eingeführt werden. Kurz vor dem Ziel ergaben sich jedoch neue Anforderungen.
/ Marc Stöckel
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Logo auf SAP-Firmengebäude (Symbolbild) (Bild: Thomas Lohnes/Getty Images)
Logo auf SAP-Firmengebäude (Symbolbild) Bild: Thomas Lohnes/Getty Images

Eigentlich wollte die Schweizer Armee zwecks Digitalisierung ihrer Logistik eine neue ERP-Lösung des Softwarekonzerns SAP einführen. Wie das SRF(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf Parlamentsprotokolle berichtet, wird aus diesem im Jahr 2020 bewilligten 240-Millionen-Franken-Projekt nun aber doch nichts. Die Armee habe die vollständige Einführung der SAP-Lösung im letzten Jahr abgebrochen, heißt es.

Die Lösung sollte die Schweizer Armee unter anderem dabei unterstützen, Soldaten zu mobilisieren, ihre Munition zu verwalten, die Bereitstellung von Kampfjets zu koordinieren und Essensrationen auszuliefern.

Die Schweizer Armee ging dem Bericht zufolge ursprünglich davon aus, das SAP-Modul Disconnected Operations(öffnet im neuen Fenster) sei eine Lösung für ein "robustes und resilientes militärisches Logistiksystem" . Dies habe sich jedoch "nach mehreren Architekturiterationen mit Unterstützung von Drittfirmen und SAP" nicht bewahrheitet, so die Begründung. Die Einführung sei daher nur bis zur siebten und vorletzten "Realisierungseinheit" fertiggestellt worden.

Keine krisensichere Logistik bis 2035

In den kommenden Jahren will die Armee daher eine alternative Lösung finden, die auf ihrer neuen Digitalisierungsplattform (NDP) aufbaut – was erwartungsgemäß mit zusätzlichen Kosten und entsprechendem Zeitaufwand verbunden ist. Laut Schweizer Chef Armeestab und Divisionär Alexander Kohli soll das Thema aber aufgrund knapper Mittel erst nach 2035 angegangen werden.

Nach Angaben des SRF scheint die Schweizer Armee bis dahin nun keine krisensichere und kriegstaugliche Logistik zu haben. Infolgedessen steht seitens der Finanzkommissionen berechtigterweise die Frage im Raum, ob die derzeitige Situation ein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstellt. Dem Bericht zufolge ist es nun Aufgabe der Sicherheitspolitiker, dies zu beantworten.

Auch die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates (SiK-N) fordert den Angaben zufolge Antworten. Bis Juni 2025 verlangt sie vom Schweizer Bundesrat die Vorlage eines Berichtes zum Abbruch der Einführung der Lösung von SAP.

Nachtrag vom 25. Oktober 2024, 19:28 Uhr

Die Schweizer Gruppe Verteidigung hat inzwischen auf die Berichterstattung des SRF reagiert. In einer Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) betont die Gruppe, die Angabe, die Armee habe die SAP-Lösung abgebrochen, sei falsch. Eine gründliche Prüfung habe lediglich gezeigt, "dass die nach 2022 hinzugekommenen neuen Anforderung an eine Kriegslogistik mit SAP nicht vollständig abgedeckt werden können" .

Das zivile SAP-System werde daher wie geplant eingeführt. Lediglich die Kriegslogistik werde mit einem separaten Projekt angegangen. Letzteres soll zudem über den Rüstungskredit 2027 finanziert werden. Für das SAP-Projekt fielen die Kosten aufgrund des reduzierten Umfangs letztendlich sogar geringer aus als ursprünglich geplant, heißt es in der Mitteilung.

Die Gruppe bestätigt zudem, dass die Schweizer Armee vorläufig über keine krisengesicherte Logistik verfügt und "die Umsetzung des ersten Schrittes zur Erreichung der Verteidigungsfähigkeit ca. bis Mitte 2035 andauern" wird. Angegangen werden soll das Folgeprojekt für die Kriegslogistik aber schon im Jahr 2025 und nicht, wie vom SRF dargelegt, erst in 2035.


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