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Science-Fiction-Geschichten als Vorlage

Golem: Und welche Rolle spielen da Vorlagen für diese Narrative, zum Beispiel Science-Fiction-Geschichten?

Sönnichsen: Es ist sehr schwer herauszuarbeiten, inwiefern spezifische (SF-)Geschichten einen Einfluss auf diese Narrative nehmen. Dafür gibt es keinen kausalen Nachweis. Die Forschung zeigt, dass Science-Fiction-Geschichten eine nicht unerhebliche Rolle spielen, um Diskurse über zum Beispiel den Weltraum bereitzustellen. Sie liefern Bilder, um die sich diese Narrative drehen können.

Auch die Ikonografie spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Bestätigt ist das meines Wissens nach nicht, aber ich halte es für keinen Zufall, dass die US Space Force ein Badge hat, das dem der Sternenflotte aus Star Trek zum Verwechseln ähnlich sieht. Was nämlich Militärs durchaus nutzen, ist die Kraft der Science-Fiction, um über mögliche Zukünfte nachzudenken.

Golem: Wenn solche Geschichten doch irgendwie wirken, wo sehen Sie die größten Kontraste zwischen deren Narrativen über Konflikt im Weltraum oder Weltraumwaffen, im Kontrast zu der Realität dieser Themen?

Sönnichsen: Geschichten über Konflikte im Weltraum orientieren sich häufig an Konflikten, die wir von der Erde kennen. In Star Wars beispielsweise sehen die Weltraumkämpfe aus wie Dogfights zwischen Jagdflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg. Das war genau das, was die Macher von Star Wars intendiert haben, denn diese Bilder waren anknüpfungsfähig für das Publikum. Alles ist laut, schrill, hektisch, bunt.

In Star Trek dominiert hingegen maritime Kriegsführung: Die Raumschiffe sind groß und behäbig, und deutlich zäher. Es gibt es auch häufig Episoden, die sich bewusst an U-Boot-Jagden aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs orientieren.

Golem: Dabei entspricht das gar nicht dem, wie eine Schlacht im Weltraum wahrscheinlich aussehen würde.

Sönnichsen: Nein, so würde kein Krieg oder Konflikt im Weltraum aussehen. Wenn die Menschheit weiter in den Weltraum vordringt, werden militärische Konflikte eher so aussehen wie in The Expanse. Dort kommt es zu Situationen, in denen ein feindlich gesinntes Schiff einen Torpedo abfeuert, aber statt in Minuten bis Sekunden wird er erst in vielen Stunden eintreffen – und das anvisierte Raumschiff hat keine Chance, dem zu entkommen, einfach weil die Bahnbewegungen im All nicht zulassen, dass es ausweicht. Die einzige Hoffnung sind dann automatisierte PDC, also point defense cannons, die hoffentlich die Torpedos abschießen.

Golem: Bei The Expanse illustriert Science-Fiction also schon, wie die Zukunft aussehen könnte?

Sönnichsen: Aus astrophysikalischer Perspektive sind die Konflikte durchaus realistisch. Wobei bei The Expanse sehr viele menschliche Besatzungsmitglieder involviert sind – wie bei Star Trek. Ich schätze, dass das wohl noch stärker autonom ablaufen wird. Aber so ist das mit den Erzählungen – wir brauchen noch immer den Menschen in der Geschichte, um uns in die Handlung einfühlen zu können.


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