Militär-Expertise: Atombomben im Weltraum - zurück ins vordigitale Zeitalter?
Der Kreml dementiert, Atomwaffen im Weltraum zu stationieren. Dennoch warnt General Michael Traut, Kommandeur des Bundeswehr-Weltraumkommandos, im öffentlich-rechtlichen Sender BR24(öffnet im neuen Fenster) vor den Konsequenzen.
Bereits heute ist der Weltraum ein umkämpftes Gebiet, in dem Störsignale und Spionageflüge täglich erfolgen. Diese Angriffe beeinflussen auch unseren Alltag auf der Erde. "Sie brauchen in Ostpolen nicht versuchen, mit Google Maps Auto zu fahren, weil das GPS nicht funktioniert", sagte Traut. Der Grund dafür seien Störangriffe auf satellitengestützte Dienste im Baltikum. Mit Lasern könnte sogar die Optik eines Satelliten geblendet werden. "Es hört sich an wie Science-Fiction, ist es aber leider nicht mehr."
Spionagesatellit und Antisatellitenwaffen im Einsatz
Viele dieser Angriffe werden vom Boden ausgeführt. Sowohl die USA als auch China und Russland verfügen jedoch auch über Satelliten, die sich anderen Raumfahrzeugen nähern und sie sogar verfolgen können. Der russische Satellit Luch/Olymp ist ein Beispiel dafür. In der geostationären Umlaufbahn parkt er neben anderen Kommunikationssatelliten und hört die Kommunikation mit – egal ob es sich um kommerzielle oder militärische Satelliten handelt.
"Russland betreibt diese Aufklärung gegenüber westlichen Kommunikationssatelliten bereits seit vielen Jahren", erklärte Traut. Russland, China, Indien und die USA haben zur Demonstration sogar schon Satelliten mit Raketen von der Erde aus im All abgeschossen. Diese Waffensysteme werden Antisatellitenwaffen (ASAT, Anti-Satellite Weapons) genannt.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2024 wurde von amerikanischen Quellen veröffentlicht, dass Russland vermutlich an einer Technologie arbeite, mit der nukleare Sprengkörper im Orbit platziert werden können. Moskau dementiert dies und behauptet, es werde nur daran geforscht, aber nicht daran gearbeitet, teilte Traut mit. Laut dem Weltraumvertrag sind Massenvernichtungswaffen im Weltraum eigentlich verboten. "Aber setzen Sie in der derzeitigen politischen Lage mal eine Sanktion durch", so Traut.
Atombombenzündung im Weltraum
1962 hatten die Amerikaner bereits mit dem Projekt Starfish Prime eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 1,4 Megatonnen in 400 Kilometern Höhe über dem Pazifik gezündet, südlich von Hawaii. Polarlichter und Stromausfälle waren die Folge. "Aber der eigentliche Effekt war selbst für die Amerikaner damals recht überraschend", sagte Traut. "Der Strahlungsgürtel im Magnetfeld, das die Erde auch vor harter kosmischer Strahlung schützt, wurde derart aufgeladen mit den Resten dieser Atomexplosion, dass dort über Wochen und Monate quasi eine Strahlungswolke stand."
Das führte dazu, dass 30 Prozent aller damals existierenden Satelliten nicht mehr funktionierten. Damals waren es aber nur 25 bis 30 funktionierende Satelliten, die sich gleichzeitig im Erdorbit befanden. Heute sind es über 10.000 aktive Satelliten. "Wenn das heute passieren würde, wären wir wahrscheinlich zurück im vordigitalen Zeitalter", warnt der Kommandeur. Zudem könnte das zum Kessler-Effekt führen, einem massenhaften Zusammenstoß von Satelliten, bei dem immer mehr Weltraumschrott entsteht, der zu weiteren Kollisionen führt.
Politische Interventionen wären das beste Mittel, um den Start einer solchen Waffe zu vermeiden. Denn wenn eine solche Waffe gezündet würde, würde sie "unterschiedslos alle Satelliten treffen, die sich dort befinden", erklärte Traut. Es wäre also auch ein Schlag gegen den Verursacher selbst. Es gibt aber auch plausible Gründe – wenn auch umstrittene – für die Platzierung von Atomwaffen im Weltraum. So wird es von einigen Wissenschaftlern als Möglichkeit zur Asteroidenabwehr gesehen.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.