Mikroreaktoren: Zwei winzige Kernreaktoren sollen 2026 kritisch werden
Mit den Herstellern Westinghouse und Radiant hat sich das US-amerikanische Energieministerium(öffnet im neuen Fenster) auf zwei Kandidaten festgelegt, deren Mikroreaktoren frühesten in der ersten Jahreshälfte 2026 in Betrieb genommen werden sollen. Vorgesehen ist dafür das Idaho National Laboratory(öffnet im neuen Fenster) , auf dem seit fast 80 Jahren Kernreaktoren erprobt werden.
Radiant aus Kalifornien wird einen Mikroreaktor mit 1,2 Megawatt (MW) elektrischer Leistung oder 1,9 MW thermischer Leistung liefern, die Kaleidos Development Unit. Der Reaktor soll mit einer Ladung Brennmaterial 5 Jahre lang durchgehend betrieben werden können. Neu bestückt wird er anschließend bei Radiant und ist für eine Betriebsdauer von 20 Jahren ausgelegt.
Westinghouse aus Pennsylvania baut einen 5 MW starken Reaktor namens Evinci, der eine Fläche von knapp 8.000 Quadratmetern einnehmen soll. Mit einer Ladung Brennmaterial soll er 8 Jahre lang betrieben werden können. Westinghouse entwickelte und betrieb in der Vergangenheit bereits Kernenergieantriebe für die Marine der USA.
Unbestreitbare Vorteile der Mikroreaktoren
Mit den kleinen Kernreaktoren, die allenfalls einen Häuserblock, ein Krankenhaus oder eine Militärbasis versorgen können, sollen vor allem die Kosten der Kernenergienutzung kontrolliert werden. Große Atomkraftwerke erfordern Investitionen in Milliardenhöhe und überschreiten nicht selten die prognostizierten Kosten.
Zudem besteht die Hoffnung, dass eine serielle Fertigung die Kosten weiter senken könnte. Die werden aktuell auf etwa 100 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) pro Megawattstunde geschätzt.
Der Preis läge um ein Vielfaches höher als bei Solar- und Windkraftanlagen. Selbst ein zusätzlicher Batteriespeicher würde die Kosten allenfalls auf dasselbe Niveau heben. Zumal für den Ausgleich von Schwankungen beim Strombedarf auch der Strom eines Mikroreaktors zwischengespeichert werden müsste.
Probleme der Kernenergie bleiben dieselben
Zur Betriebssicherheit lässt sich noch nichts sagen. Beide Reaktoren sollen erst 2026 zum ersten Mal kritisch werden, also die Kettenreaktion bei der Spaltung von Uran selbständig aufrechterhalten.
Weil die Entnahme und das Auffüllen von Brennmaterial nur in einer geschützten Umgebung stattfinden sollen, bleibt die Kontrolle über das radioaktive Material hoch. Durch die vergleichsweise geringen Mengen an spaltbarem Uran wären die Auswirkungen eines Zwischenfalls darüber hinaus gering.
Eine größere Verbreitung der Mikroreaktoren würde jedoch im Gegenzug die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls erhöhen. Hinzu kommt, dass auch diese Anlagen Atommüll produzieren.
Immerhin könnten standardisierte Prozesse und der modulare Aufbau eine Entsorgung einfacher machen. Eingelagert werden müssten Reaktoren und das ausgebrannte Spaltmaterial schlussendlich dennoch für ein paar Millionen Jahre.
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