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Mikrofon nicht nötig: Neue Spionagetechnik missbraucht Glasfaserkabel als Wanze

Forscher haben herausgefunden, dass sich über Glasfaserleitungen unbemerkt Gespräche mithören lassen – mit Vorteilen gegenüber der klassischen Wanze.
/ Marc Stöckel
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Glasfaserleitungen eröffnen neue Spionagemöglichkeiten. (Bild: pixabay.com / planet_fox)
Glasfaserleitungen eröffnen neue Spionagemöglichkeiten. Bild: pixabay.com / planet_fox

Sicherheitsforscher mehrerer Universitäten in Hongkong haben einen Weg gefunden, Glasfaserleitungen für Spionagezwecke zu missbrauchen und heimlich Gespräche abzuhören, die in der Nähe der Leitung geführt werden. Das berichtete Cyber Security News(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf eine Präsentation(öffnet im neuen Fenster) beim Network and Distributed System Security (NDSS) Symposium 2026 in San Diego.

Der Angriff basiert auf dem Umstand, dass auf Glasfaserleitungen einwirkende Schallwellen mikroskopisch kleine Verformungen verursachen. Diese lassen sich nach Angaben der Forscher anhand von Phasenverschiebungen eines durch die Leitung laufenden Lichtsignals messen und durch spezielle Sensoren wieder in Schall umwandeln.

Laut Bericht muss dafür nur ein sogenanntes DAS-System (Distributed Acoustic Sensing(öffnet im neuen Fenster)) mit einem Ende der Leitung verbunden werden. Am anderen Ende soll sich der Schall damit bei Leitungslängen von bis zu 50 Metern rekonstruieren lassen. Ein Angreifer braucht aber zumindest temporär Zugang zu beiden Leitungsenden, um die Abhörtechnik einzurichten.

Spracherkennung und Ortung möglich

Für böswillige Techniker der jeweiligen Provider oder mögliche Angreifer, die sich als Techniker ausgeben, ist der nötige Zugang allerdings keine große Hürde. Sie können die nötige Abhörtechnik beispielsweise bei einer Störungsbeseitigung einrichten. Die Sensorik soll sich leicht als legitimes Netzwerkgerät tarnen lassen, so dass Anwender gar nicht merken, dass ein Lauschangriff bevorsteht.

Die Forscher entwickelten einen speziellen Sensor, um den an der Leitung erfassten Schall zu verstärken. Damit war es ihnen möglich, menschliche Unterhaltungen im Abstand von zwei Metern von der Glasfaserleitung mit einer Wortfehlerrate von weniger als 20 Prozent zu erfassen. Mehr als 80 Prozent der gesprochenen Wörter konnten also korrekt transkribiert werden.

Auch andere Geräusche wie Tippen, Husten oder Alarme konnten die Forscher erfassen, wenngleich die Genauigkeit auf zwei Meter Entfernung auf lediglich 43 Prozent sank. Bei nur zehn Zentimetern Abstand wurde immerhin eine Trefferquote von 83 Prozent erreicht. Zudem soll es den Forschern möglich gewesen sein, einen Sprecher in einem Innenraum bis auf weniger als einen Meter genau zu orten.

Vorteile gegenüber einer Wanze

Aber wozu der Aufwand, wenn der Angreifer auch einfach eine klassische Wanze am Zielort platzieren kann? Darauf gibt es eine Antwort: Eine der Stärken einer Glasfaserleitung ist, dass sie im Vergleich zur klassischen Kupferleitung weniger anfällig für elektromagnetische Störungen ist. Eine Wanze lässt sich mit speziellen Detektoren aufspüren. Schwingende Glasfaserleitungen bleiben dabei aber unentdeckt.

Zudem gibt es spezielle Ultraschallstörsender, mit denen sich versteckte Mikrofone gezielt stören lassen, so dass sie keine brauchbaren Aufnahmen mehr erzeugen können. Auch diese Störsender zeigten bei den Untersuchungen der Forscher jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Spracherkennung über eine Glasfaserleitung.

Wer sich für Details zu den Untersuchungen der Sicherheitsforscher interessiert, findet diese in einer 18-seitigen Studie (PDF)(öffnet im neuen Fenster) sowie den Präsentationsfolien (PDF)(öffnet im neuen Fenster), die beim NDSS Symposium gezeigt wurden. Ein Video von der Präsentation ist auf Youtube abrufbar(öffnet im neuen Fenster).


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