Mikrocontroller & Co.: USA wollen chinesische Dominanz bei Legacy-Chips verhindern

Mit Dumpingpreisen könnte China zum führenden Fertiger von Mikrocontrollern und ähnlichen Halbleitern werden. US-Politiker fordern Gegenmaßnahmen.

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Mikrocontroller, Schnittstellenbausteine und Analog-Chips: Bei solchen Komponenten könnte China bald Weltmarktführer werden.
Mikrocontroller, Schnittstellenbausteine und Analog-Chips: Bei solchen Komponenten könnte China bald Weltmarktführer werden. (Bild: Johannes Hiltscher, Golem.de)

Im Alltag finden Chips, die mit alten Prozessknoten zwischen 28 und teils mehreren 100 nm hergestellt werden, wenig Beachtung. Fehlen sie, stehen aber schnell ganze Fertigungsstrecken still – wie etwa die Automobilindustrie infolge der Coronapandemie schmerzhaft feststellen musste. Ein solches Szenario könnte, so fürchten US-Politiker laut einem Bericht von Nikkei Asia, künftig auch infolge politischer Differenzen auftreten.

Konkreter Anlass ist der starke Ausbau der Produktionskapazitäten für sogenannte Legacy oder Mature Nodes in China. Darin sind sich sogar Abgeordnete der Republikaner und Demokraten einig, die sonst selten einer Meinung sind. In einem Brief an Handelsministerin Gina Raimondo forderten Vertreter beider Parteien im Komitee zur Kommunistischen Partei Chinas des Abgeordnetenhauses die Entwicklung einer Strategie, mit der Abhängigkeiten von der Volksrepublik vermieden werden sollen.

Marktforschungsunternehmen erwarten, dass innerhalb eines Jahrzehnts der Weltmarktanteil der Volksrepublik an Chips mit Strukturgrößen zwischen 50 und 180 nm von aktuell 30 auf 46 Prozent steigt. Ähnlich wie bei Solarzellen befürchten die Abgeordneten, dass chinesische Unternehmen die Konkurrenz mit Kampfpreisen aus dem Markt drängen – und so zum strategischen Hebel werden, der gegen Unternehmen in anderen Ländern eingesetzt werden könnte. Ihre Forderung: Die US-Regierung solle neue Zölle auf Halbleiter aus China einführen.

Auch eine neue strategische Abhängigkeit hat das Komitee ausgemacht: Es forderte jüngst, Quectel, einen wichtigen Hersteller von Chips für Modems und andere Kommunikationsgeräte, als militärisches Unternehmen einzustufen und damit von kritischer Infrastruktur auszuschließen.

Handelsblockaden bei Legacy-Nodes wirkungslos

Anders als bei den modernsten Fertigungstechnologien ist Chinas Halbleiterbranche bei den alten Prozessen recht unabhängig vom Ausland: Lithografiemaschinen für 90-nm-Strukturen werden, wie auch Polier- und Ätzmaschinen und Anlagen zur Ionenimplantation, im Land hergestellt. Auch die Ausgangsmaterialien wie Siliziumwafer liefern chinesische Unternehmen.

Die US-Regierung will bislang die möglichen Abhängigkeiten bei Chips, die, so Handelsministerin Raimondo, "in allem von Autos über Waschmaschinen bis hin zu Raketen" stecken, über Förderprogramme vermeiden. So soll Microchip 162 Millionen US-Dollar erhalten, um die Produktion von Mikrocontrollern in den USA zu verdreifachen. Die Mittel sollen aus dem Förderprogramm Chips for America fließen.

Ähnliche Pläne gibt es in Europa, wo etwa Infineon und STMicro Werke ausbauen, Globalfoundries will seine Fertigungskapazität in Dresden verdoppeln. Zudem soll in Dresden ein neues Werk von TSMC entstehen, das ebenfalls mit älteren Prozessen fertigt. Auch hier fließen großzügig Fördergelder.

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