Mikrobiologie: 26 neue Bakterienarten in Nasa-Reinräumen entdeckt

Wissenschaftler haben laut eines Livesciences-Artikels(öffnet im neuen Fenster) in den streng kontrollierten Reinräumen der US-Weltraumbehörde Nasa 26 bisher unbekannte Bakterienarten identifiziert.
Die Entdeckung ist deshalb bemerkenswert, weil diese Räumlichkeiten zu den saubersten Orten der Erde gehören und darauf ausgelegt sind, jegliches mikrobielle Leben zu eliminieren. Die Funde stammen aus dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien und dem Kennedy Space Center in Florida, wo Raumfahrzeuge für Missionen zum Mars oder zu den Eismonden des Jupiters vorbereitet werden.
Die Nasa unterhält diese Reinräume, um eine sogenannte Vorwärts-Kontamination zu verhindern. Dabei soll vermieden werden, dass terrestrische Organismen mit Sonden oder Rovern auf andere Himmelskörper gelangen. Dies könnte nicht nur fremde Ökosysteme gefährden, sondern auch wissenschaftliche Messungen verfälschen, wenn Forscher fälschlicherweise Erdbakterien für außerirdisches Leben halten.
Überlebenskünstler in extremer Umgebung
Die neu entdeckten Arten gehören zu verschiedenen Gattungen, darunter Kocuria, Micrococcus und Bacillus. Dass sie in einer Umgebung überleben konnten, die regelmäßig mit aggressiven Reinigungsmitteln wie Isopropylalkohol und Bleichmitteln behandelt sowie mit intensivem UV-Licht bestrahlt wird, zeugt von einer außergewöhnlichen Widerstandsfähigkeit. Die Forscher analysierten für ihre Studie Proben, die über einen Zeitraum von zehn Jahren gesammelt wurden.
In ihrer im Fachmagazin Microbiome(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichten Arbeit betonen die Mikrobiologen, dass diese "extremotoleranten" Bakterien gelernt haben, mit minimalen Nährstoffen auszukommen. Einige der Arten bilden Sporen, die sie vor Austrocknung und Strahlung schützen. Die Entdeckung zeigt, dass die derzeitigen Reinigungsverfahren zwar die Mehrheit der Mikroben abtöten, aber gleichzeitig einen selektiven Druck ausüben, der besonders zähe Arten begünstigt.
Konsequenzen für die Planetenverteidigung
Die Ergebnisse zwingen die Nasa und andere Weltraumagenturen dazu, ihre Protokolle zum Planetenschutz zu überdenken. Wenn 26 neue Arten in den Reinräumen existieren, besteht die Gefahr, dass diese bereits unbemerkt auf andere Planeten transportiert wurden. Besonders im Hinblick auf kommende Missionen, die gezielt nach Biosignaturen suchen – wie etwa die Probenrückholung vom Mars -, ist eine exakte Katalogisierung dieser Erdbakterien unerlässlich.
Die Forscher fordern daher eine kontinuierliche Überwachung der mikrobiellen Vielfalt in den Montagehallen. Nur wenn man genau weiß, welche Organismen in den Reinräumen der Erde vorkommen, kann man sie bei künftigen Entdeckungen im All sicher als blinde Passagiere identifizieren. Die Studie unterstreicht, dass das Ziel einer absolut sterilen Umgebung in der Praxis kaum zu erreichen ist, da das Leben immer wieder Nischen findet, um sich anzupassen.



