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Ausbau der Wasserkraft nicht in Sicht, Umbau schon

Seitdem hat sich die Anzahl der kleinen Anlagen auf über 400 Stück in ganz Sachsen erhöht. Komplett neu gebaut wurden nur wenige. In der Regel gab es bereits Wasserkraftwerke, die lediglich saniert oder aufgerüstet werden mussten.

Das zeigt sich an einem zweiten Wasserkraftwerk im knapp 5 km entfernten Städtchen Lunzenau. Dort ist noch immer ein mehr als 100 Jahre altes Schaufelrad im Einsatz. In dem Zusammenhang merkte Anno Trost bei unserem Besuch an, dass Wasserkraftanlagen eher nicht für Jahrzehnte, sondern für Generationen errichtet werden. Entsprechend schwierig sei es, mit Amortisierungszeiten zu planen.

Dort, wo jedoch noch ungenutzte Stauanlagen vorhanden sind, könnte es sich in jedem Fall lohnen, weitere Wasserkraftwerke zu installieren. Das betont auch das Sächsische Wirtschaftsministerium, von dem Golem Auskünfte zur Zukunft der Wasserkraft in Sachsen erbeten hatte. Das Ministerium schreibt außerdem, dass der Bestand in jedem Fall erhalten werden sollte, da die Anlagen einen lokalen Beitrag zur Energieversorgung leisten können.

Geringe, nahezu störungssichere Leistung

Wie genau der aussehen kann, erklären Jörg und Martin Richter, Vater und Sohn sowie der ehemalige und der aktuelle Präsident des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland. Zwar sei der Anteil des Stroms aus Wasserkraft im gesamten Stromnetz gering und werde sich kaum entscheidend steigern lassen, aber für die Netzstabilität könnten die kleinen Kraftwerke eine entscheidende Fähigkeit beisteuern.

Wasserkraftwerke sind schwarzstartfähig. Das heißt, dass sie anders als etwa Solaranlagen, Windräder oder auch Atomkraft ohne externe Energiezufuhr nach einem Netzausfall anlaufen können. Nur mit solchen Anlagen lässt sich ein Stromnetz nach einer großräumigen Störung wieder aufbauen.

Dafür wird unter anderem zusätzliche Elektronik benötigt, die an einigen Anlagen bereits vorhanden ist. Noch sind es vor allem Kraftwerke mit fossilen Energieträgern, die für einen solchen Schwarzstart des Stromnetzes herangezogen werden, aber die werden in den nächsten Jahren weniger und dürften im besten Fall ganz verschwinden. Wasserkraftanlagen sind neben anderen technischen Anlagen ein guter Ersatz dafür.

Inselbetrieb im Notfall

Bei einem länger andauernden Ausfall der Stromversorgung könnten die relativ gleichmäßig im Stromnetz verteilten Wasserkraftanlagen zudem eine Notstromversorgung herstellen. Ihre Leistung genügt zwar in Summe nicht, um den regulären Betrieb aufrechtzuerhalten.

Für die Versorgung von Krankenhäusern, Rettungsstellen und Mobilfunkanlagen würde die verfügbare Leistung allerdings ausreichen. Ein solches Notfallstromnetz könnte dann in länger anhaltenden Krisensituationen zumindest die lebenswichtigen Einrichtungen im Land versorgen.


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