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Einzigartige Bedingungen für die Mikro-Wasserkraft

Die Voraussetzungen in Sachsen sind nahezu perfekt für kleine Wasserkraftanlagen. Blickt man auf die Bundesländer Thüringen, Hessen oder Rheinland-Pfalz, die allesamt ähnlich groß und ähnlich dicht bevölkert sind und ebenfalls in Mittelgebirgen liegen, wird der Unterschied klar.

Alle drei zusammen erreichen nicht annähernd die Wasserkraftleistung des Freistaats, zumindest mit Blick auf Anlagen mit unter 1.000 kW. Das liegt zunächst an der Geografie. Erzgebirge, Elbsandsteingebirge und Zittauer Gebirge schaffen ein nahezu gleichmäßiges wie sanftes Süd-Nord-Gefälle und dank der Hauptwindrichtung Nordwest regnet es sich zuverlässig an den Mittelgebirgskämmen ab. Ausreichend Flusskilometer und die nötigen Wassermengen sind natürlich Grundvoraussetzung für die Wasserkraftnutzung.

Fabriken überall

Der eigentliche Grund für die große Gesamtzahl findet sich jedoch in zwei Ereignissen, die etwas mehr als 100 Jahre auseinanderliegen. Im 19. Jahrhundert galt Chemnitz als sächsisches Manchester(öffnet im neuen Fenster).

Die gesamte Region war ein Zentrum der europäischen Textilherstellung. Vor allem Südwestsachsen war wirtschaftlich stark, von der Papier- über die Farben- bis zur Werkzeugherstellung.

Und die Flüsse stellten schon damals eine günstige Energiequelle dar. Praktisch jedes Fabrikgebäude erhielt ein Wehr, im Grunde eine kleine Staumauer, über die das Wasser fließt, die aber gleichzeitig zum Überqueren des Flusses genutzt werden konnte. Über das angestaute Wasser ließ sich zudem eine konstante Menge abzweigen und durch einen Kanal zu einer Mechanik leiten, die daraus zunächst Bewegungsenergie erzeugen konnte – und in späteren Jahren auch Strom.

Stillstand nach der Wende

Entlang Flüssen wie der Zwickauer Mulde, der Chemnitz, der Zschopau und der Flöha in Westsachsen reihten sich Fabriken auf, teils im Abstand von wenigen Kilometern. Auch zu DDR-Zeiten wurden sie weiterhin für die Textil- und Chemieindustrie genutzt.

Das Ende kam abrupt. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und der Privatisierung fast aller Betriebe blieben nur ganz wenige davon übrig. In einigen der früheren Industriehallen haben sich Handwerker eingemietet, viele stehen leer, manche wurden abgerissen.

So sieht das bis heute aus. Alte Anlagen, noch gefüllt mit Technik von vor 70 Jahren, stehen teils abgelegen in steilen, bewaldeten Flusstälern. Sie sind schwer zu erreichen, aber noch immer ausgerüstet mit Wehranlagen, die häufig für die Ewigkeit oder zumindest für deutlich mehr als 100 Jahre errichtet worden waren.

Die vorhandenen Wasserkraftanlagen wurden in ansonsten nicht mehr benötigten Fabrikhallen weiterbetrieben, teils neu aufgebaut oder umfangreich saniert. Da die Stauanlagen bereits errichtet waren, war der Aufwand überschaubar.

Auch in Stein laufen die beiden Turbinen seit etwa 30 Jahren und nutzen die wesentlich älteren Wehranlagen. Die Industriebetriebe mögen nicht mehr konkurrenzfähig gewesen sein, der konstante Strom war und ist es wegen dieser günstigen Vorbedingungen.


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