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Midjourney Medical: 100 Prozent Weltbild, 99,9 Prozent Blödsinn

Mit Midjourney Medical lässt Gründer und CEO David Holz seinen Träumen von einer Welt nach der Singularität freien Lauf. Circa 0,1 Prozent seiner Versprechen sollte man ernst nehmen.
/ Tim Reinboth
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Midjourney Medical sagt, die Technik erzeuge diagnostische Bilder mit höherer Auflösung als ein Magnetresonanztomograf (MRT). Aha. (Bild: jarmoluk/Pixabay)
Midjourney Medical sagt, die Technik erzeuge diagnostische Bilder mit höherer Auflösung als ein Magnetresonanztomograf (MRT). Aha. Bild: jarmoluk/Pixabay
Inhalt
  1. Midjourney Medical: 100 Prozent Weltbild, 99,9 Prozent Blödsinn
  2. Plausible Technologie, aber fragwürdiger Sinn
  3. Die Weltanschauung

Eine Milliarde Untersuchungen pro Monat, die 30 Prozent der vermeidbaren Todesfälle verhindern. Bis zu 50 Prozent geringere Kosten über das gesamte Gesundheitssystem. Erreicht mit 50.000 Geräten weltweit bis 2031, die einen für 60 Sekunden bis zum Kinn in hübsch golden schimmerndes Wasser eintauchen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch.

Mitte dieses Jahres hat Midjourney Medical(öffnet im neuen Fenster), das für seinen KI-Bildgenerator bekannte Unternehmen, trotzdem genau das versprochen. Dessen neue Medizinsparte stellte ein Ultraschallgerät vor, das die Träume ihres Geschäftsführers erfüllen soll.

Doch: Die bildgebende Software dahinter ist weder generativ noch von Midjourney. Auch die Hardware ist nur neu zusammengeschraubt.

Aber bei Midjourney Medical geht es nicht um Tatsachen, sondern um ein Weltbild: die persönliche Zukunftsvision von David Holz. Er plant mit dem Ultraschall-Scanner für eine utopische Post-Singularität, nämlich eine Welt, in der Produktivität und menschliches Leben sich über beinahe sämtliche materielle Grenzen hinwegsetzen.

Medizinische Beweise, die belegen, dass das möglich ist, hat Holz nicht.

Echte Börsengewinne ohne echte Beweise

Die bestätigten Tatsachen sind dürftig. "Ganzkörper-Ultraschall-Computer-Tomografie" ist der irreführende Name eines echten Verfahrens. Irreführend, weil die Tatsache, dass es auf Schallwellen basiert, automatisch bedeutet, dass es keine Röntgenstrahlen einsetzt und daher auch kein CT ist. "Ultraschall-CT" ist in sich widersprüchlich.

Vom Aufbau her soll das Gerät 40 separate Ultraschallsysteme zu einem Ring zusammenfügen. Diese speziellen Teile baut der Konzern Butterfly Network. Der gesamte Ring ist breit genug, dass ein Erwachsener bequem darin stehen kann. Die insgesamt 358.000 Messumformer des Rings senden und empfangen tausend Schallwellen pro Sekunde, um gemeinsam ein Bild des Körpers zu erschaffen.

Midjourney Medical erklärt, die Technik erzeuge auf diese Art diagnostische Bilder mit höherer Auflösung als ein Magnetresonanztomograf (MRT). Fakt ist, das Unternehmen hat einen funktionierenden Prototyp demonstriert, der nicht nachweislich bessere Bilder als ein MRT produzierte. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (Degum) sieht in der grundsätzlich innovativen Technik bisher "keine diagnostische Relevanz im Sinne einer klinischen Diagnose".

Fakt ist auch, dass Midjourney Medical einen Lizenzvertrag mit Butterfly Network unterschrieben hat. 74 Millionen US-Dollar will Midjourney über fünf Jahre investieren. Eigentlich Kleingeld bei den Beträgen, um die es bei KI sonst geht.

Trotzdem wurden Short Seller gezwungen, Wetten gegen Butterfly Network mit Verlust aufzugeben. Am Tag von der Ankündigung der neuen Partnerschaft durch Midjourney stieg der Wert von Butterfly Network(öffnet im neuen Fenster) zwischenzeitlich um 33 Prozent.

Aber konkret geplant ist bisher nur ein "Spa" in der Bay Area, voraussichtliche Eröffnung Ende 2027. Dort werden weder Vorsorgeuntersuchungen noch diagnostische Tests stattfinden. Vielmehr will Midjourney "detaillierte Körperkarten" anbieten, welche die Food and Drug Administration (FDA) irgendwann als Grundlage für medizinische Diagnosen zertifizieren soll.


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