Abo
  • Services:

Middleboxen: TLS 1.3 soll sich als TLS 1.2 verkleiden

TLS 1.3 kämpft mit Problemen, da viele Middleboxen Verbindungen mit unbekannten Protokollen blockieren. Um das zu verhindern, sollen einige Änderungen dafür sorgen, dass das neue Protokoll wie sein Vorgänger TLS 1.2 aussieht.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
TLS 1.3 soll maskiert werden - damit es wie das ältere TLS 1.2 aussieht.
TLS 1.3 soll maskiert werden - damit es wie das ältere TLS 1.2 aussieht. (Bild: Mykl Roventine/Wikimedia Commons/CC-BY 2.0)

Die kommende Version 1.3 des TLS-Verschlüsselungsprotokolls bringt viele Verbesserungen. Zahlreiche unsichere Mechanismen werden entsorgt und ein neuer Handshake sorgt für bessere Performance, da man sich beim Verbindungsaufbau mindestens einen Roundtrip spart. Doch obwohl TLS 1.3 schon seit Monaten praktisch fertig ist, wurde es bisher nicht final verabschiedet. Der Grund dafür: Bei Tests wurde festgestellt, dass ungewöhnlich viele Verbindungsprobleme mit TLS 1.3 auftreten.

Stellenmarkt
  1. TeamBank, Nürnberg
  2. Bosch Gruppe, Stuttgart

Laut Messungen der Entwickler von Firefox und Chrome schlagen zwischen 1,5 und 3 Prozent der Verbindungen fehl. Schuld daran sind wohl Middleboxen, die versuchen, "intelligent" den Traffic zu analysieren. Allerdings sind die dazu bislang öffentlich bekannten Informationen nur spärlich.

Fehlerhafte Middleboxen sorgen für Verbindungsabbrüche

Offenbar gibt es aber eine ganze Reihe von Geräten, die den Traffic auch analysieren. Traffic von bekannten Protokollen - etwa TLS 1.2 - wird weitergeleitet, aber unbekannter Traffic wird blockiert. Genaue Details, um welche Geräte es sich dabei handelt, sind bisher nicht bekannt. Der einzig bislang öffentlich bekannte Fall sind Geräte von Bluecoat, die mittels Man-in-the-Middle-Angriffen TLS-Datentraffic in Enterprise-Umgebungen mitlesen. Allerdings handelt es sich wohl um deutlich mehr Geräte und in vielen Fällen auch nicht um Man-in-the-Middle-Boxen, sondern um gewöhnliche Router, die Datentraffic eigentlich nur weiterleiten sollten.

Auf der TLS-Mailingliste wurde jetzt ein Vorschlag präsentiert, wie man TLS 1.3 so umbauen könnte, dass es TLS 1.2 ähnlicher wird. Damit sollen die Probleme vermieden und die Fehlerrate gesenkt werden. So sollen die Datenpakete grundsätzlich mit der Versionsnummer von TLS 1.2 (die aus historischen Gründen 3.3 lautet) versendet werden. Außerdem sollen Felder, die in TLS 1.2 nicht mehr genutzt werden, wieder in den Handshake aufgenommen werden, darunter die Kompressionsmethode und eine Session-ID.

Weiterhin soll möglichst früh im Handshake die sogenannte ChangeCipherSpec-Nachricht verschickt werden. Diese CCS-Nachricht diente in TLS 1.2 dazu, den Wechsel von der unverschlüsselten zur verschlüsselten Kommunikation zu signalisieren.

Handshake wurde bereits wegen defekter Server umgebaut

Die Idee dabei: Wenn eine Middlebox eine CCS-Nachricht sieht, muss sie davon ausgehen, dass alle Nachrichten danach verschlüsselt sind - und somit abgesehen von den Headern sowieso nicht analysiert werden können.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass solche Entscheidungen getroffen wurden, um Kompatibilität mit faktisch defekten bestehenden Geräten herzustellen.

So wurde der Handshake von TLS 1.3 bereits so umgebaut, dass ein Client scheinbar eine TLS-1.2-Verbindung mit einem Server aufbaut. Dass der Client auch TLS 1.3 unterstützt, wird mit Hilfe einer Erweiterung signalisiert. Der Grund für diese Änderung waren keine Middleboxen, sondern Server, die bei Verbindungsversuchen mit nicht unterstützten TLS-Versionen den Verbindungsaufbau komplett verweigern.

Korrekt arbeitende TLS-1.2-Server müssten bei einem Verbindungsversuch mit einer höheren Version eigentlich lediglich mit der entsprechend niedrigeren Version antworten. Doch zahlreiche Hersteller, darunter Cisco, IBM und Citrix, waren nicht in der Lage, das korrekt zu implementieren.

Früher hatten Browser, um solche Probleme zu umgehen, etwas gemacht, das noch viel problematischer ist: Sie hatten bei Verbindungsproblemen mit neuen TLS-Versionen schlicht einen neuen Verbindungsversuch mit einer älteren TLS-Version unternommen. Das führte dann dazu, dass sämtliche Sicherheitsverbesserungen der neueren TLS-Versionen praktisch nutzlos waren - da ein Angreifer immer durch Verbindungsabbrüche ein Downgrade erzwingen kann.

Frühere Workarounds führten zu Poodle-Angriff

Der Poodle-Angriff zeigte 2014, dass es sich bei diesen Downgrades um ein gravierendes Sicherheitsproblem handelt. Bei Poodle handelte es sich um eine Lücke im Protokoll SSL Version 3. Eigentlich ein uraltes Protokoll, das 2014 niemand mehr verwendet haben sollte. Doch dank der Downgrades konnte man Browser dazu bewegen, eine Verbindung mit dem verwundbaren Uraltprotokoll aufzubauen.

Die jetzt vorgeschlagenen Änderungen an TLS 1.3 sind im Vergleich zu den früheren Versionsdowngrades relativ harmlos. Die kryptographischen Eigenschaften von TLS 1.3, die in vieler Hinsicht ein großer Fortschritt sind, werden dadurch nicht geschwächt. Trotzdem ist das alles aus Sicherheitsgründen alles andere als wünschenswert, da es zusätzliche Komplexität einführt.

Doch für die Browserhersteller ist es aktuell wohl nicht akzeptabel, bei einem signifikanten Teil der Nutzer für Verbindungsabbrüche zu sorgen - auch wenn daran eindeutig die fehlerhaften Middleboxen schuld sind.



Anzeige
Top-Angebote
  1. 29,99€
  2. (bei PCs, Monitoren, Equipment & Co. sparen)
  3. 29,00€ inkl. Versand

My1 09. Nov 2017

Das tut nix zur sache. Artikelzitat: Kurzfassung, aufwärtskompatibilität ist bereits teil...

My1 09. Nov 2017

Die Teile sind aber nicht mal mit tls1.2 korrekt kompatibel, da wie im Artikel steht...

My1 09. Nov 2017

Kann sein, aber wie oben bereits gesagt wurde sollte die Kiste dann einfach mit "ich...

Vanger 09. Nov 2017

Thema verfehlt. Thema ist nicht, dass diese kaputten Middleboxen kein TLS 1.3...

Hanmac 08. Nov 2017

Trojanerbox?


Folgen Sie uns
       


Das Abschlussgespräch zur E3 2018 (Analyse, Einordnung, Zuschauerfragen) - Live

Im Abschlussgespräch zur E3 2018 berichten die Golem.de-Redakteure Peter Steinlechner und Michael Wieczorek von ihren Eindrücken der Messe, analysieren die Auswirkungen auf die Branche und beantworten die Fragen der Zuschauer.

Das Abschlussgespräch zur E3 2018 (Analyse, Einordnung, Zuschauerfragen) - Live Video aufrufen
Automatisiertes Fahren: Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau
Automatisiertes Fahren
Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau

Der Staupilot im neuen Audi A8 soll der erste Schritt auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren sein. Doch die Verhandlungen darüber, was solche Autos können müssen, sind sehr kompliziert. Und die Tests stellen Audi vor große Herausforderungen.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Autonomes Fahren Ford will lieber langsam sein
  2. Navya Mainz testet autonomen Bus am Rheinufer
  3. Drive-by-wire Schaeffler kauft Lenktechnik für autonomes Fahren

Smartphone von Gigaset: Made in Bocholt
Smartphone von Gigaset
Made in Bocholt

Gigaset baut sein Smartphone GS185 in Bocholt - und verpasst dem Gerät trotz kompletter Anlieferung von Teilen aus China das Label "Made in Germany". Der Fokus auf die Region ist aber vorhanden, eine erweiterte Fertigung durchaus eine Option. Wir haben uns das Werk angeschaut.
Ein Bericht von Tobias Költzsch

  1. Bocholt Gigaset baut Smartphone in Deutschland

Disenchantment angeschaut: Fantasy-Kurzweil vom Simpsons-Schöpfer
Disenchantment angeschaut
Fantasy-Kurzweil vom Simpsons-Schöpfer

Mit den Simpsons ist er selbst Kult geworden, und Nachfolger Futurama hat nicht nur Sci-Fi-Nerds mit einem Auge für verschlüsselte Gags im Bildhintergrund begeistert. Bei Netflix folgt nun Matt Groenings Cartoonserie Disenchantment, die uns trotz liebenswerter Hauptfiguren in Märchenkulissen allerdings nicht ganz zu verzaubern weiß.
Eine Rezension von Daniel Pook

  1. Streaming Wachstum beim Pay-TV dank Netflix und Amazon
  2. Videostreaming Netflix soll am Fernseher übersichtlicher werden
  3. Quartalsbericht Netflix verfehlt eigene Prognosen um 1 Million Neukunden

    •  /