Microsofts Powershell für Linux: Microsoft hat Probleme beim Freimachen

Microsoft stellte seine Powershell im August 2016 unter eine freie Lizenz und portierte das Werkzeug im Vorübergehen gleich noch auf Linux und Mac OS. Ist das nun nur ein Marketingtrick oder eine echte Hilfe, womöglich sogar eine Konkurrenz zu den Linux-Shells?

Artikel von Martin Loschwitz veröffentlicht am
Noch plagen Microsoft die üblichen Startprobleme beim Freilegen der Powershell für Linux.
Noch plagen Microsoft die üblichen Startprobleme beim Freilegen der Powershell für Linux. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Auf wirklich gar nichts ist mehr Verlass: Ein Feindbild war innerhalb der Open-Source-Community über Jahrzehnte hinweg immer mehrheitstauglich: Microsoft. Und der Konzern aus Redmond tat das Seinige, um den Disput anzuheizen: Unvergessen etwa die Werbekampagne, bei der Microsoft Pinguinen kurzerhand die mutierten Köpfe anderer Tiere verpasste - etwa den eines Frosches mit Geweih - und dazu anmerkte, ein offenes Betriebssystem habe nicht nur Vorteile. Legendär ist auch die Aussage des zuweilen impulsiven Microsoft-Ex-CEOs Steve Ballmer, Linux sei ein "Krebsgeschwür".

Seit ein paar Jahren allerdings verfolgt Microsoft einen anderen Weg und betreibt dabei eine Annäherungspolitik. Mal machte der Konzern eher schwammige Aussagen hinsichtlich der Möglichkeit, Windows unter eine offene Lizenz zu stellen und dessen Quelltext verfügbar zu machen, mal verdutzte Microsoft die Community, als es ankündigte, für die eigene Cloud ein eigenes Linux zu entwickeln.

Und plötzlich kursieren sogar Fotos von Linux-Erfinder Torvalds, der auf der Linuxcon 2016 am Microsoft-Stand steht und dort gemütlich Kaffee trinkt. Noch im Jahr 2000 machte sich Torvalds einen Aprilscherz daraus, Microsoft zum Partner in Sachen Linux-Entwicklung zu ernennen. Nun hat die Wirklichkeit diesen Witz überholt.

Dass Microsoft es mit seinen Open-Source-Ambitionen ernst meint, machte das Unternehmen im August dann ein weiteres Mal deutlich, als es die Powershell für Windows unter eine freie Lizenz stellte und sie gewissermaßen im Vorübergehen auch gleich noch auf Linux und MacOS portierte.

Fast zehn Jahre Entwicklung der Powershell

Stellenmarkt
  1. Minijobber:in im Customer Suppport (w/d/m)
    Haufe Group, Freiburg im Breisgau
  2. Senior Network and Security Engineer (f/m/d)
    EMBL Heidelberg, Heidelberg
Detailsuche

Die Powershell hat auf Windows bereits eine bewegte Geschichte hinter sich: Erstmals 2007 stellte Microsoft das Werkzeug in Version 1.0 vor. Die Idee der Powershell ist, eine Alternative zur Kommandozeile cmd.exe zu schaffen, die auf Windows-Systemen bis heute enthalten ist, allerdings nicht viele Funktionen bietet. Verglichen mit typischen Linux-Shells hat cmd.exe keine Chance. Zum Beispiel steht in Sachen Scripting lediglich das Batch-Format zur Verfügung, damit kämpft das Tool auf verlorenem Posten.

Es sei aus Gründen der Fairness aber auch erwähnt, dass Microsoft cmd.exe eher als Relikt der Vergangenheit betrachtet denn als aktuelles Tool für Admins. Um dagegen ein Werkzeug für die Power-User zu liefern, führte der Konzern die Powershell ein. Im Laufe der Jahre sammelte sie viele Fans und durchaus auch Prestige. Wer regelmäßig mit Windows zu tun hat, schätzt ihre Möglichkeiten.

Dazu gehört das Ausführen von Befehlen auf Systemen ohne den Umweg über ein GUI. Fast jeder hat vermutlich schon jene Internet-Memes gesehen, die erklären, wie sich auf verschiedenen Betriebssystemen eine IP-Adresse einer Netzwerkkarte zuweisen lässt. Windows schneidet dort schlecht ab, weil der Vorgang mit cmd.exe kaum sinnvoll durchführbar ist. Die Powershell rüstet für Windows im Grunde jene Funktionalität nach, die Linux-Admins über die diversen Shells wie Bash, Ksh, Zsh und ihre Werkzeuge von Anfang an hatten.

Da stellt sich die Frage, warum Microsoft nun glaubt, mit der Windows-Powershell den Linux-Nutzern Mehrwert zu bieten? Was steckt hinter der Veröffentlichung der Powershell für Linux? Handelt es sich um einen Marketinggag von Microsoft oder besitzt die Powershell auf Linux im Alltag tatsächlich Funktionen, die existierende Linux-Shells nicht bieten?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Was soll das eigentlich? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


ObjectID 03. Nov 2016

Wow, wiedermal ein Internet fight MS vs Linux. Selbst ich als c# Programmierer, Apple MDM...

kayozz 27. Okt 2016

Powershell hat zwar viel gemeinsam mit einer REPL Shell, von der Definiton gehört es...

DrWatson 27. Okt 2016

Heißt das nicht, dass man komplett in der .NET-Welt gefangen ist? Man ersetzt ja quasi...

a user 27. Okt 2016

ich glaube du weißt nicht was "Erzfeind" bedeutet.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Katastrophenschutz  
Endlich klingelt es am Warntag

Zwei Jahre nach dem ersten bundesweiten Warntag klingelt es dank Cell Broadcast deutschlandweit. An anderen Stellen fehlen weiterhin Warnmittel.

Katastrophenschutz: Endlich klingelt es am Warntag
Artikel
  1. Deepmind: Ist KI nun schlauer als bekannte Mathematiker?
    Deepmind
    Ist KI nun schlauer als bekannte Mathematiker?

    Künstliche Intelligenz hat einen neuen Rechenweg für Matrizen gefunden. Wir erklären im Detail, was genau Deepmind geschafft hat und warum weitere Durchbrüche zu erwarten sind.
    Von Matthias Müller-Brockhausen

  2. RHEL-Klon: Cern und Fermilab setzen auf CentOS-Alternative Alma Linux
    RHEL-Klon
    Cern und Fermilab setzen auf CentOS-Alternative Alma Linux

    Die Arbeiten am eigenen Scientific Linux laufen aus, das bisherige CentOS gibt es bald nicht mehr. Die Institute satteln also um.

  3. Tesla-Fabrik: In Grünheide soll totales Chaos herrschen
    Tesla-Fabrik
    In Grünheide soll "totales Chaos" herrschen

    Die Tesla-Fabrik in Grünheide hinkt ihren Produktionszielen noch weit hinterher. Es gibt zu wenig Personal oder die Mitarbeiter kündigen wieder.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5 bei Amazon • Samsung SSDs bis -28% • Rabatt-Code für ebay • Logitech Mäuse, Tastaturen & Headsets -53% • HyperX PC-Peripherie -56% • Google Pixel 6 & 7 -49% • PS5-Spiele günstiger • Tiefstpreise: Asus RTX 4080 1.640,90€, Roccat Kone Pro 39,99€, Asus RTX 6950 XT 939€ [Werbung]
    •  /