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Microsofts Konferenzsystem: Was Entwickler beim Surface Hub beachten müssen

Build 2015
Mit Surface Hub will Microsoft Windows 10 mit speziellem Gerät in Konferenzräume bringen. Trotz Universal-Apps müssen Entwickler insbesondere für die Multi-Stift-Umgebung einiges beachten. Wir haben uns das System näher angesehen.
/ Andreas Sebayang
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Surface Hub mit 85- und 55-Zoll-Display (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Surface Hub mit 85- und 55-Zoll-Display Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Auf den ersten Blick erinnert Microsofts Surface Hub an Tablet-PCs aus der Mitte des vergangenen Jahrzehnts: Es ist ein Rechner mit Touchscreen und unterstützt aktive, druckempfindliche Stifte per Digitizer - und ist sehr groß. Doch im Unterschied zu den nie richtig zu Ende gedachten Tablet-PCs ist das System komplett durchkonzipiert und wird nach derzeitigem Stand selbst bei schlecht angepassten Apps in sich stimmig sein. Es ist in einer Größe von 55 oder 85 Zoll verfügbar. Das kleine Surface Hub unterstützt 1.920 x 1.080 Pixel (Full HD), das große Gerät sogar 3.840 x 2.160 Pixel (4K).

Anders als bei Tablet-PCs werden aktive Stifte nicht nur grundsätzlich von dem Digitizer unterstützt, sondern für kollaboratives Arbeiten ist auch der Einsatz mehrerer Stifte möglich. Dabei repräsentieren die Stifte verschiedene Nutzer. Ist die Anwendung darauf vorbereitet, erkennt sie die unterschiedlichen Stifte, und der Entwickler könnte beispielsweise unterschiedliche Kontrollen je Stift einsetzen. Es ist auch möglich, jedem Stift eine andere Schreibfarbe zuzuordnen. Die Stifte werden vom System nämlich durch ihre Pen ID innerhalb einer Session unterschieden.

Microsoft Surface Hub - Demonstration (Build 2015)
Microsoft Surface Hub - Demonstration (Build 2015) (01:54)

Bis zu drei Stifte können gleichzeitig auf dem Surface Hub benutzt werden. Für den Programmierer sind aber deutlich mehr Stifte unterscheidbar. Es ist also möglich, dass ein kompletter Konferenzraum mit eigenen Stiften ausgestattet wird und die Teilnehmer reihum auf dem Surface Hub ihre Ideen niederschreiben. Das ist auch im Videokonferenzmodus mit von der Ferne aus arbeitenden Teilnehmern möglich - sofern auch dort ein Surface Hub vorhanden ist.

Bei der Fingernutzung ist die Zuordnung der Nutzer verständlicherweise schwierig. Bei bis zu 100 Fingern auf dem Surface herrscht in der Konferenz aber ohnehin entweder Chaos oder Streit - oder beides. Prinzipiell wäre die Anwendung einer Gesichtserkennung möglich, um einzelne Nutzer zu identifizieren. Szenarien mit mehreren Stiften und Dutzenden von Fingern sollten Entwickler berücksichtigen, wenn sie nicht nur ihre App vom Windows Phone schlicht auf dem Surface Hub ohne Veränderung anzeigen lassen wollen.

Der reguläre Nutzer bestimmt nicht über das Gerät

Für den Geschäftskundeneinsatz gibt es aber auch Einschränkungen, an die Entwickler unbedingt denken müssen. Das Gerät bekommt seine Apps etwa über einen Business-App-Store und wird über MDM-Systeme administriert. Das Konzept sieht vor, dass der Technikchef des Unternehmens bestimmt, welche Anwendungen auf den Surface-Hub-Geräten installiert werden. Der Anwender hat keine Entscheidungsbefugnis. Entwickler sollten sich dementsprechend mit Per-Seat-Licensing beschäftigen, gibt Microsoft als Tipp mit auf den Weg. Zudem ist das Gerät nicht nachsichtig bei fehlerhafter Programmierung. Es soll von unterschiedlichen Gruppen verwendet werden, und die dürfen die Daten untereinander häufig nicht sehen. Wer nicht daran denkt, wird mit einem Datenverlust daran erinnert.

Nach einer Session sind auf dem Surface Hub alle Daten weg

Ein Session Handling veranlasst, dass sämtliche Daten auf dem Gerät nach getaner Arbeit gelöscht werden. Temporäre Dateien oder ~WRL2074.tmp-Reste sollten also nicht auf dem Gerät verbleiben. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, wenn man bedenkt, wie häufig Anwendungen in Betriebssystemen Reste hinterlassen. Gespeichert wird entweder in der Cloud oder auf einem datenzuspielenden Gerät. Lokal sollten Universal-Apps für das Surface Hub nichts speichern. Wenn der Entwickler das nicht berücksichtigt, verliert der Anwender Daten. Windows-Entwickler sind allerdings ohnehin mit den verschiedenen Speicherorten in Abhängigkeit der Rechte beschäftigt, sollten also kein Problem mit den entsprechenden Konzepten haben.

Obwohl die Universal-Windows-Plattform Basis für Surface Hub ist, sollte eine App speziell optimiert werden. Denn nicht alles, was für ein Smartphone passt, das gegebenenfalls dieselbe Auflösung wie das Surface Hub hat, ist für ein Präsentationsgerät gut. Es sind also Anpassungen für Hub als Geräteklasse notwendig.

Das Wichtigste lässt sich mit wenigen Zeilen Code erreichen

Der Entwickler muss sich in die Bedienung des Surface Hub hineinversetzen. Die wichtigsten Dinge lassen sich aber mit wenigen Zeilen Code lösen, wie Microsoft demonstrierte. Bedienungselemente am unteren Bildschirmrand sind beim Smartphone gut, beim Surface Hub eher nicht ideal, weil sich der Nutzer bücken muss. Auch sollte die Größe angepasst werden. Ein Bedienungselement für den Daumen ist auf dem Surface Hub dann nämlich schon im Bereich der Größe einer Faust. Typische Eingabezeilen sind hingegen zu klein für Anwender, die aus mehreren Metern Entfernung zuschauen.

Visual States sorgen dafür, dass dies geändert wird. Für das Surface Hub, das zur Gerätefamilie Windows Team gehört, ist der entsprechende Visual State für diese Familie wichtig. So unterscheidet der Entwickler zwischen einem 4K-Display und einem kollaborativen Gerät. Der Entwickler bestimmt etwa, dass ein seitliches Menü für Surface Hub immer sichtbar ist, in der Smartphone-Variante aber unverändert bleibt. Der Austausch von Texteingabefeldern empfiehlt sich ebenfalls, denn beim Surface Hub werden eher der druckempfindliche Stift und die neue Handschrifterkennung verwendet als eine virtuelle oder gar reale Tastatur, die sich prinzipiell auch anschließen lässt. Auch farbliche Änderungen sind denkbar und manchmal notwendig.

Ziemlich helle Technik

Auch wenn technische Daten noch fehlen: Surface Hub ist im großen 85-Zoll-Modell mit 4K-Auflösung ein sehr helles Gerät. Während einer Vorführung störte die Helligkeit sogar, der Bildschirm blendete. Für typische Konferenzräume mit viel natürlichem Licht ist die Helligkeit aber ideal. Zudem sinkt sie, sobald nicht mehr das virtuelle Whiteboard genutzt wird. Andere Farben sind naturgemäß angenehmer zu betrachten.

Die Displayqualität genügt Digital-Signage-Anforderungen. Auffallend waren eine etwas ungleiche Helligkeitsverteilung und Schwierigkeiten bei der Darstellung von dunklen Farben. Das ist bei so hellen Displays auf LC-Basis aber zu erwarten, außerdem sind auch auf der Build noch keine finalen Geräte gezeigt worden. Im Inneren soll ein nicht näher spezifizierter Core-i-Prozessor genutzt werden, der Workstation-Leistung entspricht.

Ein Teil des Konferenzsystems sind zudem zwei Kameras, die sich per Panning auf die Nutzer ausrichten, die gerade sprechen und so das Bild auf andere Surface-Hub-Systeme übertragen. Bewegliche Einheiten gibt es nicht. Zudem sind die beiden Kameras nicht für die Gestenerkennung gedacht. Es sind nur Skype-for-Business-Kameras.

Microsoft Surface Hub
Microsoft Surface Hub (01:19)

Surface Hub lässt sich auch als Ersatz für Projektoren einsetzen. Dafür wird ein PC direkt angeschlossen. Demonstriert wurde das aber noch nicht. Es ist auch noch nicht bekannt, ob Microsoft im Surface Hub auch eine Möglichkeit für Screen-Casting-Anwendungen zulässt. Derzeit arbeiten die Entwickler noch an der grundsätzlichen Verbesserung der Technik für Windows 10, die einem recht großen Umbau der Fähigkeiten von Windows 8 entspricht.

Preisobergrenzen lassen sich zumindest erahnen

Wann Surface Hub auf den Markt kommt, ist bisher nicht bekannt. Es ist wohl davon auszugehen, dass es in diesem Jahr erscheint. Auch weitere Geräte lassen sich nicht ausschließen. Zumindest die Entwicklungsumgebung wäre für weitere Geräte ausgelegt. Derzeit werden aber nur die beiden Surface-Hub-Geräte aufgelistet. Die Preise lassen sich immerhin durch Obergrenzen festlegen. Microsoft rechnet mit einem Markt von insgesamt 50 Millionen Konferenzräumen, die es weltweit gibt und die heutzutage etwa durch Lösungen von Cisco bestückt sind.

An die teuren High-End-Lösungen von Cisco, die etwa mehrere Bildschirme beinhalten, mit 4K-Kameras arbeiten oder auch Kameras verwenden, die sich zu den jeweiligen Nutzern ausrichten, wird Microsoft aber nicht konkurrieren. Rund zwei Fünftel dieser Räume werden mit Equipment ausgestattet, das bis zu 50.000 US-Dollar kostet. Dort dürfte Microsoft sein Surface Hub mit 85-Zoll-Display positionieren. Drei Fünftel der Räume sind hingegen etwas für das kleine Modell mit 55-Zoll-Bildschirm. Für diese sogenannten Huddle Rooms geben Unternehmen nach Microsofts Schätzung 10.000 US-Dollar aus.


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